Prüfungsvorbereitung: Tipps für das mündliche Staatsexamen

Man hätte sie in Hörsaal 3 hören können, die berühmte fallende Stecknadel: Die Tipps für das mündliche Staatsexamen von René Carolus fanden aufmerksame Zuhörer. Denn der Oberarzt in der Allgemein-, Viszeral- und Minimal-invasiv-Chirurgie am Helios-Klinikum in Krefeld plauderte aus dem Nähkästchen: Er ist selbst Mitglied einer Prüfungskommission.

Auditorium Berlin

Bei den Tipps zur Prüfungsvorbereitung hörten die Studenten aufmerksam zu. | Schunk

Das A und O der Prüfungsvorbereitung sei, dass man alles, was auf einen zukommt, vorher einübt. Von der Handhabung eines Stethoskops bis zum gut ausgearbeiteten PUB (Patientenuntersuchungsbericht), den man in Kopie für den zweiten Tag mitnehmen sollte, reicht die gute Prüfungsvorbereitung. Ist der PUB durch eine gut ausgearbeitete problemorientierte medizinische Krankengeschichte (mit Tabellen) ergänzt, könne schon fast nichts mehr schiefgehen, gab Carolus den Jung-Medizinern mit auf den Weg. Dabei sollte nie eine Befundbewertung mit „o.B.“ abgehakt sein, sondern immer ein Text vorliegen – etwa in der Form: „Patient mit Pulsfrequenz von 65, alterstypischer Wert…“.

Mitzubringen zur Prüfung sei folgendes Equipment: die Prüfungsvorladung, ein sauberer Kittel, Desinfektionsflasche, Stethoskop, Reflexhammer, EKG-Lineal, Pupillenleuchte, Kugelschreiber und – ein Namensschild. Carolus: „Letzteres hilft den Prüfern, aber auch den Patienten im direkten Gespräch.“

Pro Termin sind maximal vier Prüflinge vorgesehen, pro Tag werde jeder je eine Stunde geprüft – insgesamt in vier Fächern. Diese sind Innere Medizin, Chirurgie, ein Wahlfach und ein zugelostes Fach. Die praktische Prüfung beinhaltet die Patientenvorstellung, die Anamnese und die körperliche Untersuchung, nachfolgend wird der zuvor angefertigte PUB besprochen. Mitnehmen in die Prüfung darf man Literatur, eigene Skripte, eine Epikrisen-Vorlage, den Anamnese-Untersuchungsbogen sowie Verpflegung für den Tag.

Speziell für die Patientenuntersuchung riet Carolus den Studenten, diesen gegenüber Empathie zu zeigen: „Das kommt nicht nur bei den Prüfern gut an – auch bei den Patienten. Die sind nämlich auf ihrer Seite. Die fühlen sich geehrt, in einem solch wichtigen Moment dabei sein zu können.“ Bei der körperlichen Untersuchung sei zu beachten, dass je nach Erkrankung und Fachrichtung die einzelnen Organsysteme unterschiedlich ausführlich dargestellt werden müssten.

Bei der Bewertung (nach Schulnoten) achteten die Prüfer darauf, ob

  • Untersuchungsergebnisse und Befundung vollständig sind
  • eine Differentialdiagnose erfolgt ist
  • die diagnostischen Maßnahmen angemessen und die therapeutischen Maßnahmen korrekt sind
  • die Prognose und die Epikrise korrekt sind
  • die Vorgaben erfüllt und die Systematik korrekt sind und
  • der sprachliche Ausdruck (laienverständlich zum Patienten, fachspezifische zu den Prüfern) in der richtigen Terminologie erfolgt ist

Generell bräuchten die Prüflinge aber keine Angst zu haben: „Wir Prüfer betrachten Sie bereits als vollwertige Kollegen – nach sechs Jahren Ausbildung sollte das ja auch so sein.“ In der Prüfung seien im Prinzip nur Motorik und Softskills gefragt – und die seien entscheidend für eine Verbesserung um 0,5 bis 1 Note. Carolus: „Machen Sie in der Prüfung einen professionellen Eindruck. Stellen Sie den Patienten professionell vor, zeigen Sie ihm gegenüber Empathie – und reden Sie.“ Das Ziel sollte sein, selbst so lange wie möglich zu reden: „Das wird immer positiv bewertet“, fügte Carolus an.

Und selbst für Notfälle hatte Carolus Tipps für seine Zuhörer parat. Treten etwa Wissenslücken auf, könne man diese elegant mit der Gegenfrage „Worauf wollen Sie hinaus?“ auffangen. Sollte die Nervosität gar so groß sein, dass das vegetative Nervensystem streikt, hatte Carolus ein Beispiel parat: Ein Prüfling sei tatsächlich während der Prüfung kurz ohnmächtig geworden. Nach der ärztlichen Soforthilfe sei er von der Kommission gefragt worden, ob er weitermachen wolle. Carolus: „Der Prüfling hat das einzig Richtige gesagt: ,Ich mache weiter‘.“ Und Carolus fügte augenzwinkernd an: „Sie können  sich sicher vorstellen, welche Art von Fragen der Prüfling anschließend nur noch bekommen hat…“

Quelle: René Carolus, Oberarzt in der Allgemein-, Viszeral- und Minimal-invasiv-Chirurgie am Helios-Klinikum Krefeld: "Workshop: Prüfungsvorbereitung – Topfit ins Mündliche", Operation Karriere Kongress Berlin, 09.07.2016.