Prüfungsstress im Studium: Achtsamkeitstraining bewährt sich bei Studierenden in Cambridge

Die Prüfungszeit beginnt; insbesondere für Medizinstudenten bedeutet das wenig Schlaf, Fertigpizza und viel Stress. Aber es geht auch anders: Dass man sich in der Prüfungsphase durch Achtsamkeitstraining vor Stress schützen kann, hat jetzt eine groß angelegte Cambridge-Studie bewiesen.

Lernstress im Studium

Stress im Studium? Achtsamkeitstraining kann helfen. | Gina Sanders/Fotolia

Mehr und mehr Studierende leiden in der Prüfungsphase unter Stress und Burnout bis hin zu Suizidversuchen. Die Mindful Student Study (MSS) wurde in „Lancet Public Health“ veröffentlicht und untersuchte, ob Studierende von zusätzlichem Achtsamkeitstraining im Vergleich zu alleinigen Beratungsangeboten bei psychischen Problemen profitieren. Insgesamt nahmen 616 Studierende ab 18 Jahren zwischen Ende September 2015 und Mitte Januar 2016 an der Untersuchung teil und wurden auf die MSS-Gruppe (n = 309; 61% Frauen) oder auf alleinige Beratung (n = 307; 65% Frauen) randomisiert. Mit Hilfe des CORE-OM-Fragebogen (Clinical Outcomes in Routine Evaluation Outcome Measure) wurde primär die selbstberichtete psychische Belastung während des Untersuchungszeitraums gemessen, wobei höhere Werte auf eine höhere Belastung hindeuten. 453 (74%) Teilnehmer schlossen den CORE-OM-Fragebogen während des Prüfungszeitraums ab und 182 (59%) MSS-Teilnehmer absolvierten mindestens die Hälfte des Achtsamkeits-Kurses.

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 13: Wie lerne ich am besten Anatomie?

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Bei 57% der Referenzgruppe lag der Stresslevel oberhalb der akzeptierten klinischen Toleranzgruppe. Unter den Teilnehmern des Achtsamkeitstrainings war das nur bei 37% (88 von 235 Teilnehmern) der Fall. Das Risiko, während der Prüfungsphase in Stress zu gelangen, war somit um ein Drittel geringer.

Julieta Galante, Psychiaterin an der University of Cambridge stellte klar, dass sich Belege für die Effekte des Achtsamkeitstrainings bereits in der Literatur fänden. Sie fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Angebot von Achtsamkeits-Kursen ein wirksamer Bestandteil einer breiteren Strategie der Förderung der psychischen Gesundheit bei Studierenden sein könnte.“

Techniken der Achtsamkeit

Einmal pro Woche (Dauer ca. 70 bis 90 Minuten) über einen Zeitraum von acht Wochen fand das Achtsamkeitstraining für die Studienteilnehmer statt. Auch zu Hause mussten sie sich in Achtsamkeit üben. Zu diesen Übungen gehörten Meditationen; die Studienteilnehmer sollten aber zum Beispiel auch beim Essen achtsam sein und sich außerdem ungesunde Gewohnheiten bewusst machen.

Es gibt unterschiedliche Techniken, sich in Achtsamkeit zu üben: Ein Beispiel ist, sich wie beim Yoga auf das Atmen zu konzentrieren. Bei dieser Übung wird die Wahrnehmung in unterschiedlichen Positionen bewusst auf die Atmung gelenkt, indem tief durch die Nase eingeatmet und durch den Mund ausgeatmet wird. Dabei kann auch bewusst auf die Geräusche des Umfelds geachtet werden.

Prof. Dr. Martin Keck, Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, sieht durchaus Chancen, Achtsamkeitstraining zur Stressprävention an den Universitäten zu etablieren. „Ich glaube, dass es sich lohnen würde, über ein Angebot von Achtsamkeitstraining zur Stressprävention an Universitäten nachzudenken. Man muss dabei natürlich das Budget der Universitäten berücksichtigen, Beratungsangebote für Studierende mit psychischen Problemen gibt es ja bereits. Aber ich denke, man könnte Achtsamkeitstraining beispielsweise im Rahmen von Hochschulsport anbieten; vielleicht ließe es sich in Yoga- oder Pilates-Kurse integrieren, die ja schon häufig angeboten werden.“