Prävention – bvmd mit Forderungen an Politik

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) fordert von der Politik größere Anstrengungen im Bereich der Prävention.

Bewegung

Ausreichend Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Prävention von Erkrankungen. | Pixabay

Prävention darf keine Angelegenheit von Ärzten und anderen Gesundheitsspezialisten bleiben. Gesunde Lebensbedingungen zu schaffen und Krankheiten zu vermeiden ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft und der Politik, die dafür die Rahmenbedingungen schaffen muss. Das fordert die bvmd. „Eine kluge Präventionspolitik kann die in Gesundheit verbrachte Lebenszeit verlängern, gesundheitliche Ungleichheiten abbauen und Gesundheitskosten reduzieren“, schreibt die Medizinstudierendenvertretung in einem Positionspapier. Weil dem so  sei, gebe es eine medizinische, ethische und auch ökonomische Pflicht zu einer effektiven Präventionspolitik. Das Mitte 2015 beschlossene Präventionsgesetz sehe zwar verschiedene sinnvolle Maßnahmen vor, „es bleibt jedoch deutlich hinter dem Möglichen und Notwendigen zurück“, so die bvmd.

Wie sollte gute Präventionspolitik also aus Sicht der Medizinstudierenden aussehen? Wichtig sei, die Prävention aus der Nische „Gesundheitswesen“ herauszuholen und gesamtgesellschaftliche Maßnahmen umzusetzen. Die bvmd fordert zum Beispiel eine Steuerpolitik, die Verbrauchern und Herstellern einen Anreiz für das Anbieten und den Konsum gesunder Lebensmittel und Rohstoffe bietet. Lebensmittel müssten künftig zudem eindeutig gekennzeichnet sein, damit die Konsumenten in der Lage sind, die Gesundheitswirkungen von Lebensmitteln effektiv einzuschätzen. Die Medizinstudierenden fordern außerdem eine striktere Regulierung von Werbung, die sich an Kinder richtet, und ein vollständiges Werbeverbot für Tabakprodukte und alkoholische Getränke.

Ein wichtiges Thema ist die Ernährung: Kinder und Jugendliche brauchten in der Schule und am Ausbildungsplatz eine attraktive und gesunde Ernährung. Das gehe nicht ohne verbindliche Qualitätsstandards und Zuschüsse an sozial benachteiligte Gruppen.

Studenten sind keine Einzelkämpfer - abgesehen davon, dass man Lerngruppen bilden sollte, können Studierende sich auch politisch engagieren. Tim Vogel von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V. (BMVD) stellte auf dem Operation Karriere-Kongress in Berlin vor, wie das aussehen kann.

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Körperliche Bewegung fördern

„Gesunde Städte“ sind ein weiteres Stichwort: Die Verkehrs- und Stadtplanungspolitik müsse körperliche Bewegung in Alltag und Freizeit fördern, indem sie die Fortbewegung zu Fuß und mit dem Fahrrad attraktiv macht. „Der öffentliche Raum sollte so gestaltet werden, dass er zu Sport und Bewegung einlädt“, schreibt die bvmd.

Sie kritisiert außerdem, dass im Augenblick vor allem Personen mit hohem sozioökonomischen Status Präventionsinitiativen nutzen. Wichtig sei, die Maßnahmen gezielt auf bisher nicht erreichte Bevölkerungsgruppen auszurichten. Damit dies gelinge, müsse auch die Präventionsforschung gestärkt werden.

Nach drei vergeblichen parlamentarischen Anläufen in den vergangenen zehn Jahren hat der Deutsche Bundestag im Sommer 2015 das „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention“ (Präventionsgesetz) beschlossen. Es sieht unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger und anderer Akteure vor und soll die sogenannte Prävention in den Lebenswelten stärken, also in Betrieben, Schulen und Kitas.

Wichtig sei außerdem, die Themen Prävention und Gesundheitsförderung stärker ins Medizinstudium einzubinden. „Die bvmd bemüht sich mit vielerlei Projekten – Aufklärung Organspende, Mit Sicherheit Verliebt und anderen – ein Bewusstsein für Prävention schon im Studium zu schaffen“, erklärte die bvmd gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Medizin studieren. Aber Realismus ist gefragt: „Eine wirklich nachhaltige Prävention wird vielleicht erst mit der nächsten Generation von Ärzten Einzug in unser Gesundheitswesen nehmen“, vermutet die bvmd.

Quelle: Dieser Beitrag ist in Heft 4/2015 von Medizin Studieren, dem Magazin des Deutschen Ärzteblattes für Studierende der Medizin, S. 24, erschienen.