PJ-Blog: Was ich sonst so mache ...

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 26: "Was ich sonst so mache ...".

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Hier bloggt Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

du fragst dich sicherlich, was ich den ganzen Tag in der Klinik mache? Naja, ich gipse Patientenfüße, esse viele neue und unbekannte Sachen, schaue erst mal mit dem Chefarzt während der Arbeit zwei Stunden den Nussknacker (er war überrascht, dass ich diese berühmte russische Oper gar nicht kenne und hat beschlossen, sofort etwas dagegen zu tun), um danach mit Kollegen Billard spielen zu gehen. Und sonst schaue ich mir die Stadt an und versuche, Russisch zu lernen (das klappt gerade nicht sooo toll, weil alle auf der Arbeit verständlicherweise in ihrer Muttersprache super schnell sprechen und ich nicht wirklich hinterherkomme, aber naja, ich bleibe optimistisch).

Die Arbeit hier als Chirurg ist auf jeden Fall sehr anders. Zum Beispiel nehmen die Schwestern Blut ab und als Arzt macht man auch keine richtige Visite. Es gibt sechs Bettzimmer und die Patienten gehen an bestimmten Zeiten aus ihrem Zimmer in das Arztzimmer und werden dann dort untersucht. Ich finde das System super entspannt (und die Patienten sind gezwungen sich zu bewegen). Klar, wenn sie das nicht können, geht man natürlich in die Zimmer zu den Patienten, aber bei allen anderen hat man ohne Visite deutlich weniger Hektik (zumindest glaube ich das).

Und das Haken halten ist hier auch so eine Sache. Sie nutzen hier vor allem die Eisengestelle, die die Wunden offen halten, und nur selten noch Haken. Und wenn sie Haken nutzen, dann hält die meistens der Chefoperateur. Ich bin bisher also vom Hakenhalten "verschont" geblieben und durfte sogar operieren (vielleicht, weil ich den super duper Ausländerbonus habe, oder mit meinem Scrub jetzt neuerdings so kompetent aussehe). Wobei es sehr merkwürdig ist, selbst zu operieren, den ersten Schnitt zu machen und alle gucken dir zu. Und danach musst du auch halbwegs den Plan haben, was du jetzt am besten tust und kannst schlecht sagen, ach sorry, ich bin ja noch Student. Aber insgesamt schon schön. Hach, Russland. Gut, dass ich dieses Abenteuer gewagt habe.

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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