PJ-Blog: Meine Überraschungen

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 31: "Meine Überraschungen".

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Hier bloggt Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

ach ja, ich wollte ja von den kuriosen Überraschungen berichten. In meiner Wohnung ist es immer gleich warm bzw. gleich kalt. Denn in Russland gibt es eine staatlich geregelte Zentralheizung. Ich kann sie weder hoch drehen, noch runterregulieren. Es wird vom Staat in meiner, oder sagen wir in jeder Wohnung, geheizt. Und was macht man, wenn es staatlich zu heiß sein sollte? Ja, richtig, man lässt das Fenster bei der laufenden Heizung so lange geöffnet, bis eine angenehme Raumtemperatur vorherrscht. Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, sträubte sich meine deutsche zu sehr beheizte umweltliebende Seele sehr dagegen.

Genauso gibt es aber einen einheitlichen Preis für den monatlichen Wasserverbrauch. Man kann so viel Wasser benutzen, wie man will, alle zahlen denselben Preis pro Monat. Und daher soll es auch des Öfteren große Badegelage in der Wohnung geben (wenn ohnehin jeder pro Monat zahlen muss, kann man auch viel verbrauchen, so ähnlich haben wir uns das ja auch bei den zehn Euro Praxisgebühr gedacht: Wenn ich schon einen Zehner pro Quartal zahlen muss, dann will ich auch All-you-Can-Arzt haben.

Aber was mich und meine deutsche Seele am meisten aufgewühlt hat (mir also ziemlich gegen den Strich geht), ist das Verbot im Supermarkt vor 11 Uhr morgens und nach 10 Uhr abends Alkohol kaufen zu dürfen. Also bitte, kein Feierabendbier nach 22 Uhr? Und kein Katerfrühstück mit einem Konterbier vor 11 Uhr? Diese für mich kuriose Regel musste ich gestern lernen, als ich im Supermarkt zwei Flaschen Bier kaufen wollte (ich hatten einen Arbeitskollegen zum Fußballgucken zu mir in die Wohnung eingeladen, Borussia Dortmund gegen Hamburg) und dann hatten wir kein Bier. Aber der eingeladene Freund hatte auch etwas besorgt und zwar original deutsches Bier, „Der Wolpertinger“. Daher verbrachten wir auch erst mal die nächste halbe Stunde damit, über die Bedeutung und den Sinn des Wolpertingers zu philosophieren. Und dann hat Borussia so ganz nebenbei 3:0 gewonnen. Ein guter Samstag! Und morgen bin ich mit einer Freundin in der Stadt verabredet. Wir wollen uns eine Kunstausstellung in der Erimitage ansehen, moderne Kunst, …

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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