PJ-Blog: Mein Stationswechsel

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 10: "Mein Stationswechsel".

PJ-Blog Fräulein Licht

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Liebes Krankenhaus,

heute war ein außergewöhnlich guter Tag, ohne viel Blut abnehmen und mit einem guten PJ-Seminar. Dafür musste ich nur die Frühbesprechung über mich ergehen  lassen (mittlerweile ist es so langweilig, dass ich regelmäßig in Tagträume mit dem gutaussehenden Chirurgen abschweife, aber ACHTUNG, wenn dann plötzlich das Wort Milchschaum fällt, bin ich wieder hellwach und kann über den Wartungsstand der Maschine fehlerfrei referieren – die Schläuche sind gereinigt und sie ist wieder einwandfrei funktionstüchtig – es lebe der Kaffee mit erstklassigem Milchschaum).

Heute war dann mein erster Tag auf der Gastroenterologie. Klar, dass man als PJler die ersten zwei Stunden des Tages Blut abnimmt (aber eben nicht den ganzen Tag). Und dann wurde mir sogar ein eigener Patient zugeteilt. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Leider wusste ich auch nicht, was ihm fehlt und wogegen oder wofür die ganzen in seiner Akte aufgelisteten Medikamente waren, aber das kann man ja schließlich lernen. Und es kam noch besser: Nach der Visite zeigte mir ein Oberarzt, wie man eine vernünftigen Ultraschall macht (klar hatte man schon mal einen Sonokurs an der Uni, aber das ist lange her und eigentlich hat man Leber und Pankreas bei uns gesunden und meist sportlichen Studenten auch blind und im Dunkeln gefunden).

Bei meinem 140-Kilo-Patienten war das dann schon schwieriger. Aber zum Glück hatte ich die Hilfe vom Oberarzt, der mir alle möglichen Lagerungstricks zeigte, sodass wir sogar den Pankreaskopf im Sono sehen konnten. Hach, ein guter Tag. Und dann durfte ich früher nach Hause (naja, nach Hause, ich wohne direkt neben der Klinik im Schwesternwohnheim) und über meinen „Fall“ – also meinen eigenen Patienten – nachdenken, was er wohl hat (er kam nämlich mit Bauchschmerzen, Fieber und Husten ins Krankenhaus, der Hausarzt konnte aber in Sono- und Bluttest nichts finden. Aber ich als heutiger Ultraschallexperte werde ihn morgen nochmal ganz genau durchchecken und vielleicht genial wie Dr. House die Ursache seiner Probleme finden!

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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