PJ-Blog: Ernie und Bert

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 9: "Ernie und Bert".

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Liebes Krankenhaus,

heute wurden bei der schon bekannten und geliebten Frühbesprechung zwei neue PJler vorgestellt (haha, und schon wird das tägliche Blut abnehmen nur noch halb so lange dauern und man kann sich zwischendurch unterhalten – das dachte ich zumindest).

Beide kommen aus Kasachstan und heißen Edfartatus und Bertombadas (den Nachnamen lasse ich jetzt aus Gründen der Einfachheit mal weg). Sie sind Zwillingsbrüder, tragen einen schwarzen Vollbart und lange dunkle Haare. Es ist eine ulkige Mischung, wenn man die beiden im strahlend weißen Kittel und mit den dunklen Bärten sieht.

Da sich in der Klinik außer mir natürlich ohnehin niemand mehr die Mühe macht, Vor- und Nachnamen richtig auszusprechen (man bedenke meinen heroischen Einsatz, um den Namen meines Oberarztes PD Dr. Dr. Gordojamatamaris Dvošrákyszczykiewicz fehlerfrei vorwärts und auch rückwärts aussprechen zu können), werden die beiden von allen Kollegen nur noch liebevoll Ernie und Bert genannt.

Ernie macht sein PJ bei den Chirurgen und Bert bei den Internisten. Nach zwei Tassen Kaffee und mäßig interessanten Frühbesprechungsthemen gingen Bert und ich auf die Station. Die super-duper kürzlich für viel Geld neu angeschaffte Milchschaummaschine ist übrigens schon wieder kaputt. Wir sollten mal einen Spüldienst für das Gerät festlegen, damit die Schläuche sich nicht mit Milch zusetzen und dann nichts mehr geht. Dieser Dienst ist dann natürlich an den PJlern hängen geblieben, konkret an der einzigen PJlerin im Haus, nämlich mir!).

Nach fünf Etagen Treppen steigen auf Station angekommen – der Fahrstuhl ist gerade kaputt, ich hoffe inständig, dass bei der morgigen Frühbesprechung nicht wir als PJler als Wartungsdienst festgelegt werden – musste ich überrascht feststellen, dass Bert weder Deutsch, Englisch, Französisch noch Blut abnehmen kann. Na prima. Vielleicht sollte ich die Kommunikation ja mal auf Kasachisch oder vielleicht dann doch Klingonisch versuchen!?

Gerade hatte ich Bert die Grundtechnik Blut abnehmen halbwegs erfolgreich mit Händen, Füßen und Malen (es war ein bisschen, wie Activity spielen) erklärt, da kam auch schon der Oberarzt herein und fragte, was wir da für einen Zirkus veranstalten. Nach einigen Erklärungsversuchen schickte er Bert kurzerhand mit einem Deutschwörterbuch nach Hause. Ich dagegen durfte dann den restlichen Tag nur Blut abnehmen.

Ich denke, ich werde auch ein Auslandstertial machen, wie wäre es denn mit Kasachstan (aber vielleicht muss ich mir dann einen Bart wachsen lassen, alle geben mir lächerliche Spitznamen, weil mein Name viel zu kompliziert ist, und alle sind genervt, dass ich kein Wort der Landessprache verstehe)? Aber zuvor freue ich mich auf morgen, da darf ich dann nämlich die Station wechseln (und hoffentlich endlich etwas lernen und nicht nur Blut abnehmen und Meister in Activity werden).

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und startet in diesem Winter in ihr Praktisches Jahr an der Klinik. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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