Nachgefragt: Wie ist das Medizinstudium in Hamburg?

Wie schätzen Fachschaften das Medizinstudium an ihrer Uni ein? Was macht den besonderen Reiz am Studium dort aus? Wir haben nachgefragt und präsentieren hier die Antworten. Diesmal: Martin Jahnke vom Fachschaftsrat Humanmedizin Hamburg.

Über 3.200 Medizinstudenten gibt es derzeit in Hamburg. Wie ist das Medizinstudium in der Hansestadt? | ©mstein / stock.adobe.com

Herr Jahnke, mal abgesehen von Hamburg als Stadt: Was macht den besonderen Reiz aus, sich in Hamburg als Arzt ausbilden zu lassen?

Ganz wichtig ist, dass wir hier nur einen Campus haben und deshalb nicht durch die ganze Stadt fahren müssen, um die verschiedenen Kurse zu belegen. Wir haben alle Unterrichtsformen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dementsprechend sind die Wege kurz, das ist ja in anderen Städten nicht so. Außerdem haben wir durch den Modellstudiengang nach dem vierten Semester nicht mehr den Druck des Physikums – das erstreckt sich stattdessen über fünf Semester. Dadurch hat man kontinuierlich einen gewissen Druck, für die Prüfungen zu lernen. Und durch das Zulassungsverfahren der Hochschule hat man auch bessere Möglichkeiten, hier einen Platz zu bekommen.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Unter anderem wurde die neue Kinderklinik gebaut. Und in den letzten Jahren ist die Arbeit am UKE sehr modern und digital geworden. Hier wird sehr viel papierlos geregelt – die Patientenakten und die Ergebnisse der diagnostischen Verfahren werden alle elektronisch gespeichert. Das habe ich an anderen Kliniken anders erlebt, da gibt es woanders sicher noch Nachholbedarf. Denn es erleichtert das Studium und jetzt auch den Arbeitsalltag im PJ enorm, wenn alle Unterlagen digital verfügbar sind. Außerdem haben wir natürlich den Modellstudiengang, den es seit 2012 gibt. Die ersten Absolventen haben jetzt im Oktober ihr Examen geschrieben – und alle haben die Prüfungen bestanden. Daran kann man erkennen, dass der Modellstudiengang nicht ganz falsch aufgestellt wurde.

Was ist das Besondere an dem Modellstudiengang? Wie funktioniert das genau?

Bei dem Hamburger Modellstudiengang wird versucht, klinische Inhalte schon möglichst früh an die Studenten heranzutragen. Im ersten Semester werden zum Beispiel schon die anatomischen Grundlagen mit chirurgischen Fächern kombiniert.  Die Studenten haben auch schon sehr früh Kontakt zu Klinikern und Patienten – dadurch bekommt man gleich ein Gefühl dafür, wofür man das alles lernt. Außerdem sind die einzelnen Module so aufeinander abgestimmt, dass man nicht mehr konkret Chirurgie oder Innere Medizin lernt, sondern man lernt zum Beispiel den Brustkorb – und da werden alle Fächer miteinander kombiniert. So hat man einen orientierenden Überblick über das ganze Organsystem, und konzentriert sich nicht nur auf ein bestimmtes Fachgebiet.

Was müsste in Zukunft noch verändert werden?

Die Stundenpläne müssten flexibler werden: Wenn eine Unterrichtseinheit zum Beispiel am Nachmittag stattfindet, ist das schwierig für Studenten, die Kinder aus der Kita abholen müssen oder nebenbei berufstätig sind. Da sollte es möglich sein, bestimmte Kurse untereinander zu tauschen oder zu anderen Zeiten zu belegen.

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Immer mehr junge Menschen drängen an die Universitäten. Ist das auch bei Ihnen in Hamburg spürbar und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung?

Man merkt es natürlich dadurch, dass die Wartezeiten für Studienanfänger immer länger werden und der NC mittlerweile bei 1,0 liegt. Außerdem steigt die Zahl der Studienplätze nicht an, sondern hier in Hamburg werden es eher weniger, weil die Finanzierung an öffentlichen Universitäten nicht so erhöht wird, wie es eigentlich sein müsste, und die Unis dadurch eher etwas unterfinanzier sind. Dadurch entstehen viele private Hochschulen, die davon profitieren, dass der Andrang so groß ist. Das ist schade für die, die sich so eine private Universität nicht leisten können – in meinen Augen entsteht dadurch eine Art Zwei-Klassen-Bildungsgesellschaft.

Wie werden die Studenten in Hamburg durch die Dozenten betreut?

Das ist natürlich unterschiedlich – aber im Großen und Ganzen sind die Dozenten sehr motiviert. Besonders in der Vorklinik: Wenn man da mal eine Frage hat und irgendetwas nicht verstanden hat, dann kann man die Dozenten problemlos per E-Mail erreichen. Und dann nehmen die sich auch die Zeit, die Frage ausführlich zu beantworten und schicken auch noch Materialien mit. Da hat man als Student das Gefühl, den Dozenten ist wirklich etwas daran gelegen, uns etwas beizubringen. In der Klinik ist das etwas schwieriger, weil die Ärzte ja neben der Lehre und der Forschung auch noch den Arbeitsalltag auf Station bewältigen müssen. Aber auch da konnte man beim UaK auch alle Fragen stellen – und die Ärzte haben sich in der Regel auch Zeit für die Antworten genommen. Die allermeisten Dozenten sind sehr motiviert.

In welchen Fachgebieten ist Ihre Uni-Klinik top?

Vor allem die Tumortherapie wird am UKE großgeschrieben – aber auch die Immunologie und die Neurologie. Der Kardio-Bereich wächst sehr stark – in Hamburg entsteht demnächst auch noch ein neues Herzzentrum neben dem, das es bisher schon gibt.

Warum haben Sie persönlich sich entschieden, im Hamburg zu studieren?

Ich habe vorher schon hier gewohnt. Hamburg ist eine Großstadt mit vielen Möglichkeiten – und trotzdem ist die Stadt sehr grün, das finde ich toll. Überall sieht man Bäume und man kann im Sommer in einen der vielen Parks gehen. Das macht die Stadt sehr lebenswert. Nicht so schön ist, dass es so oft regnet, aber wenn die Sonne da ist, freut man sich umso mehr, dass die Stadt so schön ist. Und wer einen Nebenjob braucht, um das Studium zu finanzieren, hat in einer Großstadt wie Hamburg natürlich viele Möglichkeiten – im medizinischen und im nicht-medizinischen Bereich.