Nachwuchs für die Allgemeinmedizin: Hoffnung auf den Durchbruch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 und die Kompetenzzentren Weiterbildung könnten nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin das Ruder herumreißen.

Studierende

Der Masterplan Medizinstudium 2020 soll noch in diesem Jahr konkrete Züge annehmen. | Zinkevych/Fotolia

Den Blick nach vorn statt zurück hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) auch am 12. Februar gerichtet, dem Tag ihres 50-jährigen Bestehens: „2016 ist ein Schicksalsjahr für uns“, sagte der DEGAM-Präsident Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach in Berlin. „Es stehen politische Entscheidungen an, die die Zukunft des Faches Allgemeinmedizin maßgeblich beeinflussen werden.“ Dabei verweist er auf in den nächsten Monaten anstehende wesentliche Entscheidungen für das Medizinstudium und die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin und fordert ein konsequentes Handeln, um dem drohenden Hausärztemangel zu begegnen. „Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, können wir einen Durchbruch in der Nachwuchsfrage erzielen“, erklärte er.

Stärkerer Fokus auf Allgemeinmedizin

Ansetzen mit der Weichenstellung möchte die DEGAM möglichst frühzeitig, nämlich beim Medizinstudium. Die Fachgesellschaft ist überzeugt, dass man Medizinstudierende durch eine Stärkung der Allgemeinmedizin im praktischen Jahr (PJ) und eine abschließende Staatsexamens-Prüfung in diesem Fach praxisnäher ausbilden kann und damit der wichtigen Rolle der Allgemeinmedizin in der Versorgung gerecht wird.

„2016 ist ein Schicksalsjahr für die Allgemeinmedizin.“ Ferdinand Gerlach, DEGAM-Präsident

Die Gesellschaft verweist dabei auf den „Masterplan Medizinstudium 2020“, der in diesem Jahr verabschiedet werden soll und bei dem die Stärkung der Allgemeinmedizin eines von drei erklärten Zielen ist. Konkret fordert die DEGAM, im PJ ein Pflicht-Quartal Allgemeinmedizin einzuführen. „Die Allgemeinmedizin ist das Fach, das Studierenden einen vertieften Einblick in die ambulante primärärztliche Versorgung bieten kann. Unabhängig von der späteren Tätigkeit ist dies für alle Studierenden von Belang“, erklärte Dr. med. Maren Ehrhardt, stellvertretende Sprecherin der DEGAM-Sektion Studium und Hochschule. „Es gibt gute Gründe für die Einführung eines PJ-Pflichtabschnitts Allgemeinmedizin“, bestätigte Dorit Abiry, Medizinstudierende in Berlin und Mitglied der DEGAM-Nachwuchsakademie. Ihre Meinung wird allerdings nicht von der Mehrheit der Medizinstudierenden geteilt. Abiry: „Sie wollen selbst entscheiden und lehnen deshalb einen weiteren Pflichtabschnitt im PJ ab.“ Allerdings zeigte sich die DEGAM auch für Kompromisse offen: Denkbar sei, das Pflichtquartal auf den gesamten ambulanten Sektor und die ländliche Versorgung auszuweiten, erklärte Gerlach.

„Die unterschiedlichen Weiterbildungsordnungen sind ein Hindernis.“ Hannah Haumann, JADE

Einen zweiten Ansatzpunkt für eine Weichenstellung sieht die Gesellschaft in der anstehenden Neufassung der Rahmenvereinbarung zur Förderung der Weiterbildung nach § 75 a SGB V. Vorgesehen sind hier eine Förderung von universitär angebundenen Kompetenzzentren sowie eine Erhöhung der finanziellen Zuschüsse für Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Dies sei wichtig, um etablierte Strukturen flächendeckend zu ermöglichen und die Weiterbildung zu verbessern“, bestätigte Dr. med. Hannah Haumann von der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADE).

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