Kinesio-Tape: Studierende lernen innovative Techniken

Das Tapen und das Gipsen gehören zum Alltag bei der Patientenversorgung, um Muskeln oder Gelenke zu entlasten beziehungsweise gebrochene Knochen zu stabilisieren. An der Universitätsmedizin Rostock werden Studenten in Tape-Kursen regelmäßig in diesen Techniken geschult.

Tape- und Gipskurse an der Unimedizin Rostock

Die Studierenden Katja Blohm (l.), Martin Nüssel (2.v.l.) und Sarah Rehklau (r.) lernen das Tapen bei Wolfgang Grosse (2.v.r.). | Foto: Universitätsmedizin Rostock

Vor allem im Leistungssport sieht man es häufig – Kinesiologisches Tape, kurz Kinesio-Tape. Es ragt unter den Trikots hervor und bedeckt Muskelpartien oder Bänder. Obwohl die Wirkung des Tapes bisher wissenschaftlich nicht belegt ist, schwören viele Mediziner beispielsweise auf die positiven Veränderung der Muskelaktivität, die Unterstützung der Gelenkfunktion und die Entlastung des Gewebes nach Schädigung.

Der kleine Gipsraum im Perioperativen Zentrum der Universitätsmedizin Rostock ist regelmäßig gut gefüllt mit Studierenden, die Tape- und Gipstechniken lernen sollen. Zum Beispiel wenn Gipser Wolfgang Grosse Patienten, die vor wenigen Wochen operiert wurden, mit Kinesio-Tape versorgt. Die elastischen Klebebänder sollen post-operative Entzündungen vermeiden und die Muskulatur stabilisieren. Studenten aus höheren Semestern sind ebenfalls dabei und erklären den jüngeren Kommilitonen, was genau passiert. Die Tape-Kurse finden regelmäßig an der Unimedizin statt, mit dem Ziel, angehende Ärzte in innovativen Techniken zu schulen und das Behandlungsangebot auszubauen.

Hilfe bei der Heilung

Eingeführt wurden die regelmäßig stattfindenden Tape-Kurse auf Nachfrage der Studenten. „Nicht alle Verletzungen und Entzündungen verheilen von selbst, daher ist es gut, wenn wir unsere Patienten mit den Akupunkturpflastern unterstützen können“, erklärt Initiator Prof. Dr. Thomas Mittlmeier, Leiter der Unfallchirurgie. Der Vorteil des Tapes besteht darin, dass der Patient mobil bleibt und keine Medikamente zu sich nehmen muss. Mittlmeier: „Und für unsere Studenten ist es eine tolle Ergänzung zum eher theoretisch ausgerichteten Studium.“

Wolfgang Grosse, seit 44 Jahren in Rostock als "Wolfgang, der Gipser" bekannt, schult die Medizinstudierenden sowohl in den innovativen als auch den bewährten Techniken. „Tapen ist keine Kunst, das kann jeder", sagt Grosse. "Wir dürfen nur keine Angst haben, den Patienten anzufassen.“ Die Kurse kommen jedenfalls gut an. Katja Blohm, Medizinstudentin im neunten Semester, lernte das Gipsen vor zwei Jahren und leitet seitdem selbst Kurse unter den prüfenden Augen Grosses, in denen sie Studenten in früheren Semester im Gipsen und Tapen unterweist: "Ein schönes familiäres Miteinander. Unsere Kurse sind immer ausgebucht."

Wirkung unter Studenten geschätzt

Auch diejenigen, die zum ersten Mal an einem Kurs teilnehmen, kennen die Tapes bereits. Beispielsweise von Sportverletzungen oder Problemen mit dem Handgelenk. "Das ist sinnvoll bei Knieverletzungen oder um Verspannungen zu lösen – ganz ohne Spritzen und Rumgeschnippel", sagt Student Martin Nüssel. „Das Tapen ist eine wichtige Technik, die heutzutage immer mehr eingesetzt wird.“

Rund 3200 Patienten werden pro Jahr an der Unimedizin Rostock mit Tapes versehen. Auch das Personal selbst stellt sich ab und zu bei Grosse vor: OP- und Krankenschwestern, die im Beruf mitunter viel heben müssen, sind klassische Kandidaten für Rückenschmerzen.

 Quelle: Universitätsmedizin Rostock