Interview mit Idealisten - wie drei Studierende der Medizin die Lehre verbessern wollen

Stephan Schäfer, Kevin de Silva und Dhurjati Paul, Studierende der Humanmedizin in Frankfurt a.M., haben ein Lehrbuch über Physiologie geschrieben. Im Interview verraten sie, warum man mit ihrem Lehrbuch schneller und kurzweiliger lernt als mit einem der Klassiker.

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Stephan Schäfer, Kevin de Silva, Dhurjati Paul | Privat

Herr de Silva, das Lehrbuch, das Sie trotz des zeitraubenden Studiums geschrieben haben, umfasst 540 Seiten. Wie viele Stunden pro Tag schlafen Sie? Erzählen Sie uns etwas über Ihr Zeitmanagement.

Kevin de Silva: Wenn man mit dem Medizinstudium anfängt, denkt man, dass sich alles nur noch darum drehen darf. Irgendwann muss man aber lernen nach einem harten Tag zu sagen: „So, jetzt ist Schluss! Freizeit!“. Wichtig ist, sich einen Ausgleich zu schaffen, um am nächsten Morgen wieder voller Motivation in den Tag starten zu können.
Ein Buch zu schreiben stellt man sich immer sehr aufwendig vor. Das ist es auch. Wir haben unzählige Stunden investiert. Aber für uns ist das Projekt zu unserem Hobby geworden. Das Schreiben hat uns Spaß gemacht. Und das merkt man hoffentlich auch beim Lesen.

Warum widmen Sie sich in dem Band gerade dem Fachbereich der Physiologie?

Stephan Schäfer: Die Physiologie unterscheidet sich von anderen Fächern, weil man hier mit dem Auswendiglernen nicht weit kommt. Es geht um das Verstehen. Natürlich gibt es Grundlagen. Die muss man lernen. Darum kommt mach nicht herum. Wenn man diese aber erst mal verinnerlicht hat, kann man daraus fast alles andere herleiten.
Unser Motto ist: Die Physiologie ist ein Spiel. Jede Zelle, jeder Regelkreis und jeder Mechanismus hat ein paar Spielsteine. Das können beispielsweise Rezeptoren, Kanäle und Ionen sein. Wenn man die Physiologie verstanden hat, kann man diese Spielsteine bewegen und sich daraus herleiten, welche Konsequenzen das hat.

Wie unterscheidet sich Ihr Lehrbuch von den „Klassikern“?

Dhurjati Paul: Unser Lehrbuch nimmt eine Mittelstellung zwischen den klassischen „dicken Wälzern“ und Kurzlehrbücher ein.
Im Gegensatz zu den dicken Klassikern beschränken wir uns auf das, was man wirklich braucht. Auf Ballast, der über das notwendige Niveau hinausgeht, verzichten wir bewusst. Das verwirrt nur und kostet Zeit. Man muss sich nicht mühsam zusammensuchen, was man jetzt eigentlich braucht.
Im Gegensatz zu den Kurzlehrbüchern nehmen wir uns aber die Zeit alles ausführlich zu erklären. Was ein Kurzlehrbuch auf einer Seite darstellt, machen wir in vier.
Außerdem benutzen wir handgezeichnete Abbildungen und Graphen. Auch die haben den Vorteil, dass man direkt erkennt, was wesentlich ist. Und leicht nachzeichnen lassen sie sich dadurch auch.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass über 70 Prozent der Studierenden in Frankfurt a.M. das Buch nutzen. Wie viele Exemplare haben Sie von Ihrem Buch denn schon verkauft?

Kevin de Silva: Das kann ich nicht ganz genau sagen, weil wir unser Unternehmen erst 2015 gegründet haben und der Verkauf vorher nicht nur von uns, sondern unter anderem auch von unserer Fachschaft getragen wurde. Ich schätze, dass wir seit 2012 etwa 1500 Exemplare verkauft haben. Dazu kommen Anfragen aus anderen Universitäten, die immer mehr werden.

Haben Sie das Manuskript auch Fachverlagen gezeigt? Was war die Antwort?

Stephan Schäfer: Wir haben uns dagegen entschieden. Unsere Vision, wie wir uns für gute Lehre engagieren können, wäre mit einem Verlag vielleicht nicht möglich. Deshalb verlegen wir das Buch selbst. Das Geld, das wir damit einnehmen, können wir dann für unsere anderen Projekte nutzen.