Reform- und Modellstudiengänge Medizin: Medizinische Hochschule Hannover

In der Serie "Reform- und Modellstudiengänge in der Humanmedizin" stellen wir Hochschulen vor, an denen Reform- und Modellstudiengänge für Medizin angeboten werden. Teil 3: Modellstudiengang HannibaL der Medizinischen Hochschule Hannover.

Medizinstudenten

Der Unterricht im Modellstudiengang HannibaL findet nicht in Semestern, sondern in drei je zehnwöchigen Unterrichtswochen, Tertiale genannt, statt. | ACP Productions/Fotolia

Der Unterricht im Modellstudiengang HannibaL (Hannoversche integrierte berufsorientierte adaptive Lehre) findet nicht in Semestern, sondern in drei je zehnwöchigen Unterrichtswochen, Tertiale genannt, statt. Das erste Tertial beginnt Mitte Oktober und endet vor Weihnachten. Das zweite Tertial geht von Januar bis Mitte März und das dritte Tertial von Mitte April bis Anfang Juli.

Die Zeiträume zwischen dem Frühjahrs- und Sommertertial sowie von Juli bis Oktober sind vorlesungsfreie Zeit und für Famulaturen und wissenschaftliche Arbeiten vorgesehen. Ab dem dritten Studienjahr wird der Jahrgang gedrittelt und die Studierenden rotieren durch die drei Tertiale des Studienjahres.

Zeitnahe Prüfungen – M1 entfällt

Das Curriculum sieht vor, dass alle Prüfungen in enger zeitlicher Beziehung zum Unterricht durchgeführt werden. Am Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung („M1“) nehmen die Studierenden des Modellstudiengangs HannibaL nicht teil. Alle Prüfungen in den ersten beiden Studienjahren sind „äquivalent“ und ersetzen diese Staatsprüfung.

Der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung („M2“) markiert den Abschluss des Modellstudiengangs am Ende des fünfjährigen Studiums. Nach dem Praktischen Jahr wird das Gesamtstudium durch die mündlich-praktische Prüfung des Dritten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung („M3“) abgeschlossen.

Curriculum: Erstes Studienjahr

Im ersten Studienjahr führt das Modul Propädeutikum die Studierenden anhand von konkreten Fallbeispielen und klinischen Visiten in das medizinische Denken ein. Auf naturwissenschaftlicher Grundlage (beispielsweise Genetik, Physiologie, Anatomie) wird an realen Patienten beispielhaft das ärztliche Procedere (Erfassen der Symptomatik, diagnostisches Procedere, therapeutische Entscheidungen) erlernt.

Die Studierenden sollen den Zusammenhang zwischen ärztlicher Tätigkeit und den Grundlagenwissenschaften von Anfang an verstehen und anwenden. Die Patientenvorstellungen, die in den Grundlagenfächern stattfinden, verdeutlichen die Theorie am Einzelfall.

Klinische Visiten während des Propädeutikums sollen dazu dienen, die Studierenden in Kleingruppen an die Patienten heranzuführen und deren Probleme exemplarisch zu erfahren. So verstehen die Studierenden des Modellstudiengangs bereits in der ersten Phase des Studiums, dass aktiv abrufbares Grundlagenwissen für eine gute Ärztin und einen guten Arzt unbedingt notwendig sind.

Curriculum: Zweites Studienjahr

Im zweiten Studienjahr erlernen die angehenden Mediziner im Modul Diagnostische Methoden, wie sich wichtige Krankheitsbilder manifestieren. Die Studierenden verwenden die bereits im ersten Jahr erlernten Strukturen des ärztlichen Denkens, um die diagnostischen Methoden auf den jeweiligen Fall anzuwenden.

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Neben Internisten sind Allgemeinmediziner, Dermatologen, Gynäkologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen, Pädiater und auch Zahnärzte am Unterricht beteiligt. Aus den theoretischen Fächern sind vor allem die Physiologen sowie die Medizinischen Psychologen und Soziologen integriert.

Das Modul Diagnostische Methoden ist nicht nur in Umfang und Zusammensetzung in Deutschland einmalig, wichtiger ist vor allem seine Platzierung im zweiten Studienjahr. Zu diesem Zeitpunkt wird an keiner anderen deutschsprachigen medizinischen Fakultät ein vergleichbares Angebot als Teil eines Staatsexamensersatzes (M1) realisiert. Dadurch ist ein deutlich früherer Einstieg in die klinische Praxis, nicht zuletzt in Form von Famulaturen, möglich.

Für diese stark patientenorientierte Ausbildung auf hohem wissenschaftlichem Niveau bedarf es intensiver Arbeit in studentischen Kleingruppen, um die Fertigkeiten intensiv zu erarbeiten und einzuüben.

Am Ende der vierzehnwöchigen Ausbildung in diesem Kurs steht eine mündlich-praktische Prüfung (OSCE Diagnostische Methoden). Hier werden die Studierenden an Simulationspatienten einzeln geprüft.

Das Modul nimmt außerdem Bezug auf den Lernstoff der bisher unterrichteten Fächer, wie beispielsweise Anatomie und Physiologie. Diese Prüfung stellt damit hohe Anforderungen an Prüflinge und Prüfende.

Auf den klinischen Stationen können sie im Rahmen von Kursen und Famulaturen Patienten untersuchen und die Anamnese sowie das Erstellen von Differentialdiagnosen üben. Diese „aufgearbeiteten“ Patientenfälle werden den jeweils betreuenden Dozentinnen und Dozenten vorgestellt und mit diesen kritisch besprochen.

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