Hamburger Medizinstudenten versorgen Obdachlose und Flüchtlinge

In Hamburg bieten Medizinstudenten des Asklepios Campus ab sofort kostenlos eine wöchentliche allgemeinmedizinische Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung an: Im spendenfinanzierten „CaFée mit Herz“ im Stadtteil St. Pauli werden vor allem Obdachlose und Flüchtlinge versorgt.

Die Medizinstudentinnen Lisa Lohmann (26), Eva Janßen (22) und Berit Sturm (29, von links nach rechts) vom Asklepios Campus Hamburg beraten einen Patienten im Untersuchungsraum. | © Asklepios

Am vergangenen Montag wurde die erste studentische Poliklinik (StuPoli Hamburg) auf dem Gelände des Gesundheitszentrums St. Pauli eröffnet. Hamburgs Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard lobte das von den Studentinnen und Studenten initiierte Projekt: „Die Studierenden leisten wertvolle Hilfe. Sie ergänzen mit ihrem Engagement in sinnvoller Weise das umfassende Hilfesystem für wohnungs- und obdachlose Menschen in Hamburg. Ich freue mich über diese Tatkraft.“

Jeden Freitag ist Sprechstunde

Das „CaFée mit Herz“ ist seit dem Jahr 2000 eine Anlaufstelle für 200 bis 300 Bedürftige täglich die meisten von ihnen leben auf der Straße. In der Einrichtung bekommen sie Kleidung, Essen und die Möglichkeit zu duschen und nun auch eine grundlegende medizinische Versorgung. Dabei soll ab sofort jeden Freitag ein Team von drei Medizinstudenten vor Ort sein, um die Patienten zu untersuchen; nach Rücksprache und Kontrolle durch einen erfahrenen Arzt dürfen sie auch behandeln. Das Angebot richtet sich dabei neben Obdachlosen und Flüchtlingen auch an Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Krankenversicherung haben. Insgesamt beteiligen sich etwa 20 Medizinstudenten des Asklepios Campus Hamburg an dem Projekt. Sie haben sich in speziellen Einführungsveranstaltungen und Kursen vorbereitet. Die Arbeit in der StuPoli wurde als  klinisches Wahlpflichtfach in den regulären Studienbetrieb eingegliedert.

Franziska Lennert hat die studentische Leitung des Projekts übernommen: „Erkältungskrankheiten und chronische Wunden zählen absehbar zu den häufigsten Krankheitsbildern, aber es werden auch andere medizinische Probleme dazu kommen und wir werden auch viel mit fremdsprachigen Patienten zu tun haben, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt“. „CaFée mit Herz“-Geschäftsführerin Margot Glunz ergänzt: „Die Menschen kommen ohne große Erwartungshaltung zu uns und sind einfach froh, dass ihnen hier vor Ort geholfen wird“. Glunz leitet die spendenfinanzierte Einrichtung im ehemaligen Hafenkrankenhaus inzwischen seit zwölf Jahren. Sie lobt das Engagement der Studierenden: „Es ist toll, dass junge Studentinnen und Studenten des Asklepios Campus Hamburg die Initiative ergriffen haben, sich bei uns zu engagieren und unsere Gäste bei der medizinischen Versorgung tatkräftig unterstützen. Die Medizinstudenten haben das Projekt mit viel Elan vorbereitet und ich bin sicher, dass wir gemeinsam sehr viel Positives bewirken können“.

Tankred Stöbe

Tankred Stöbe ist Internist, Rettungsmediziner und überzeugter Notfallmediziner für Ärzte ohne Grenzen. Im Interview sagt er, wie ein Einsatz abläuft und verrät, warum seine Frau mit seinem vorgeschlagenen Auslandsziel "Afghanistan" letztlich überaus einverstanden war.

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Neben dem guten Gefühl, bedürftigen Menschen helfen zu können, lernen die Studierenden durch das Engagement auch viel, was im späteren Berufsalltag als Arzt wichtig ist, erklärt Dr. Christoph Jermann, Geschäftsführer der Asklepios Medical School: „Unsere Studierenden sind außerordentlich motiviert und wollen unter ärztlicher Supervision Hilfe leisten, wo sie am nötigsten ist. Das ist großartig. Außerdem können sie mit der ehrenamtlichen Tätigkeit schon früh Verantwortung übernehmen, Patientenkontakte pflegen und ihre fundierte Ausbildung um eindrucksvolle medizinische und soziale Erfahrungen ergänzen.“

Die Studentische Poliklinik in Hamburg hat ein ähnliches Projekt zum Vorbild, das schon 2014 in Frankfurt/Main gegründet wurde: Hier haben sich die Studenten aus der Hansestadt schon vor einem Jahr ausführlich beraten lassen. Als Ergebnis der Gespräche wurde dann in enger Zusammenarbeit mit dem Asklepios Campus Hamburg und dem „CaFée mit Herz“ das Konzept entwickelt. Wichtig war den Initiatoren von Anfang an, sich als sinnvolle Ergänzung zu anderen kostenlosen medizinischen Angeboten für Bedürftige zu positionieren: Die StuPoli ist allgemeinmedizinisch ausgerichtet und bietet einen zusätzlichen Schwerpunkt im Bereich Wundbehandlung an.

Quelle: Pressemitteilung der Asklepios Kliniken über presseportal.de (26.2.2018)

Es gibt viele Möglichkeiten, sich schon während des Studiums für andere einzusetzen – das beweisen die sozialen Initiativen und Vereine, die von Medizinstudenten ins Leben gerufen werden. In dieser Rubrik stellen wir einige davon vor.