Fernweh: Was bringt die Famulatur im Ausland?

Etwas von der Welt sehen und dabei Erfahrungen sammeln – viele Nachwuchsmediziner zieht es für ihre Famulatur ins Ausland. Peter Karle, Chefredakteur bei Medizinernachwuchs.de, erklärte beim Operation Karriere-Kongress in Frankfurt, worauf man dabei achten muss.

Peter Karle sprach über die Chancen, die eine Famulatur im Ausland bietet

Peter Karle sprach über die Chancen, die eine Famulatur im Ausland bietet. | Stefanie Hanke

Frankreich oder Schweiz, Kanada, USA, Großbritannien oder Südafrika: das sind einige der beliebtesten Länder für das Praktische Jahr. Länder wie die USA, Frankreich, Großbritannien oder insbesondere die Schweiz sind aber auch Ziele für die Anstellung als Assistenz- oder Facharzt. Derzeit stammt beispielsweise fast jeder vierte Assistenzarzt in der Schweiz aus Deutschland.

Grundsätzlich seien sehr viele Länder für die Famulatur geeignet – zum Beispiel auch exotische Ziele wie Sri Lanka, entlegene im Outback Australiens liegende Gebiete, asiatische Länder wie Nepal, Japan, China oder zum Beispiel Kuba. Wer für sein PJ oder auch langfristig ins Ausland gehen möchte, sollte das schon bei seiner Famulatur berücksichtigen, mahnte Karle – denn in vielen Ländern ist eine Famulatur ein nützliches Sprungbrett für das PJ, manchmal ist sie sogar feste Voraussetzung.

Praktische Tipps zu verschiedenen Ländern

Karle gab in seinem Vortrag viele hilfreiche Tipps und bezog sich dabei konkret auf einige besonders beliebte Länder:

  • So sei es in den nordischen Ländern (Norwegen, Dänemark oder Island) sehr schwierig, ohne Famulatur einen Platz für das PJ zu bekommen.
  • In Großbritannien oder Irland sei es ähnlich – hier riet Karle, Kontakte bei der Famulatur zu knüpfen und zusätzlich zum Anerkennungsbogen für die Famulatur auch den Vordruck für die Anerkennung eines möglichen späteren PJ-Abschnittes direkt mitzunehmen, um den Stellen vor Ort zu zeigen, welche Voraussetzungen für die Anerkennung im PJ gegeben sein müssen. Die besten Chancen habe man, wenn man sich gleich vor Ort bei der Famulatur um den PJ-Platz bewerbe.
  • Für Neuseeland gelte: Wer hier nicht famuliert habe, habe nur sehr geringe Chancen auf ein PJ.
  • In den USA wurden die Hürden für die Famulatur und das PJ für ausländische Nachwuchsmediziner in den letzten Jahren deutlich hochgesetzt, auch die Gebühren wurden erhöht. Hier haben laut Karle fast nur noch Bewerber Chancen, die eine „Residency“ in den USA anstreben. Wer daran interessiert sei, solle im Vorfeld so viele klinische Erfahrungen wie möglich bei Famulatur und PJ in diesem Land sammeln.
  • Eine besonders intensive, lehrreiche Erfahrung bietet Südafrika: Karle, der sich selbst als Südafrika-Fan outete, dieses Land ist seine zweite Heimat, empfahl die Famulatur in diesem Land: „95 Prozent sind davon begeistert und wollen danach unbedingt wieder hin“. Wer gern mehr Zeit in Südafrika verbringen möchte, sollte sich schon vor Ort für das PJ bewerben – die Vorlaufzeit liegt hier bei etwa zwei Jahren.

 

Wer sich konkret für eine Famulatur in einem afrikanischen Land interessiert, sollte unbedingt schon in Deutschland erste klinische Erfahrungen in dem Fachgebiet sammeln, in das man an eine afrikanische Klinik geht – hier sei die richtige Vorbereitung wichtig, riet Karle: „Man übernimmt viel früher echte Verantwortung. Wer beispielsweise seine Famulatur im Bereich Gynäkologie in Afrika macht, leitet nach einer gewissen Zeit in vielen Fällen mehrere Geburten selbst – darauf sollte man eingestellt sein. Ein südafrikanischer Medizinstudent im sechsten Studienjahr hat bereits so viel gelernt, dass er in Bezug auf seine praktischen Erfahrungen einem deutschen Assistenzarzt überlegen ist“.

Mehr Informationen rund um die Famulatur im Ausland, Auslandsstipendien und Erfahrungsberichte gibt es auf medizinernachwuchs.de.

Operation Karriere Frankfurt, 03.02.2018. „Fernweh – was bringt die Famulatur im Ausland?“, Peter Karle, Chefredakteur www.medizinernachwuchs.de, Berlin