Fernbeziehung: Bleibt die Liebe auf der Strecke?

Medizinstudierende kennen den Moment: die Zusage zum Medizinstudium ist da! Die Operation Karriere mit dem Ziel, Arzt zu werden, kann beginnen. Doch die Freude wird getrübt, denn Jahr für Jahr werden viele Paare durch das Studium räumlich voneinander getrennt.

Symbolfoto | Reinhard Eisele/Project Photos

Vielen jungen Paaren geht es so: Der Plan, gemeinsam in eine Stadt zu ziehen und an der gleichen oder einer nahe gelegenen Uni zu studieren, geht nicht auf. Während der eine beispielsweise die Zusage für ein Studium in Berlin bekommt, wird der andere für einen Studienplatz in Augsburg angenommen. Zwar versprechen die Semesterferien mehrere Wochen, die man gemeinsam verbringen könnten, doch sind diese dann schnell durch anderes verplant: Summer Schools, Famulaturen, Nebenjobs etc. Befragungen kamen zu dem Ergebnis, dass unter Studierenden jedes vierte Paar eine Wochenendbeziehung führt. Die Zeit des Pendelns beginnt. Wer kein eigenes Auto besitzt, muss auf Bahn, Billigflüge, Fernbusse oder Mitfahrgelegenheiten ausweichen. Wichtig für die Paare ist es nun, eine gemeinsame Perspektive für die Zukunft zu entwickeln. Diese löst zwar nicht die aktuelle Problematik der Fernbeziehung, doch Beziehungsexperten meinen, es ist wichtig, überhaupt eine gemeinsame Perspektive zu haben. Mit dem Partner zusammen übereinzukommen, wie lange man getrennt leben wird und wie es später weiter gehen soll, bildet eine gute Grundlage für die räumliche Trennung auf Zeit.

Nähe trotz getrenntem Alltag aufbauen

Nach den Erkenntnissen von Dr. Peter Wendl (Autor, Kommunikationstrainer und Theologe) dauern Fernbeziehungen im Schnitt drei Jahre. Anschließend zieht das Paar entweder zusammen oder es trennt sich. Dies ist jedoch keine Regel oder Garantie, denn Fernbeziehungen können auch länger halten, sogar für die Ewigkeit. Im Grunde beutet eine Fernbeziehung jedoch, dass kein gemeinsamer Alltag in konventioneller Form möglich ist. Meistens muss ein Treffen geplant werden, für spontane Zeit zu zweit bleibt wenig Spielraum. Abends auf der Couch eingekuschelt Filme schauen oder gemeinsam zu Unipartys zu gehen, sind unter der Woche die absolute Ausnahme. Um trotzdem Zeit miteinander zu verbringen und den anderen an seinem Alltag teilhaben zu lassen, sind lange Telefonate, Videochats und Kurznachrichten die Alternative. Eine persönliche Anwesenheit kann das leider nicht ersetzen. Doch das hat nicht nur negative Aspekte: Denn nach einem Abschied, folgt auch ein Wiedersehen, auf das man sich immer wieder aufs Neue freut. So hält das Prickeln im Bauch bei Paaren in einer Fernbeziehung meist länger als bei Paaren ohne Distanz – das belegen auch wissenschaftliche Studien.

Medizin Studieren sprach mit einem Pärchen, welches durch die Zulassung zum Medizinstudium eine Fernbeziehung führt, und mit Lukas Käsmann, Medizinstudent im achten Semester in Lübeck, über die persönlichen Erfahrungen, die er in einer Fernbeziehung gemacht hat. Der komplette Bericht zu Fernbeziehungen ist in Heft 2/2015 von Medizin Studieren, dem Magazin des Deutschen Ärzteblattes für Studierende der Medizin, erschienen und kann online im e-Paper nachgelesen werden.

Foto: Reinhard Eisele/Project Photos