Famulatur in Thailand: Spitzenmedizin mit einer Portion Exotik

Eindrücke in nichtwestlichen Regionen sind ganz besondere. Trotzdem: In der Medizin ticken selbst entfernte Länder oft gar nicht so anders, als man denkt. Wie etwa in Thailand.

Bangkok

Bangkok: Hier absolvierte Michael Maring eine vierwöchige Auslandsfamulatur, Fachrichtung Anästhesie. | Pixabay

Thailands Millionenmetropole Bangkok. Laut, voll, hektisch, heiß. Einfach anders. Doch so anders dann doch wieder nicht. Thailands Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern fortschrittlich. Große Reformen haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass heute gut 70 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer staatlich finanzierten Gesundheitsversorgung haben. Das System hat sicherlich seine Tücken, doch die Strukturen sind gut. Zumindest in Metropolkrankenhäusern, wie dem Ramathibodi Hospital Bangkok, einer Universitätsklinik. Dort absolvierte Michael Maring, 25, eine vierwöchige Auslandsfamulatur, Fachrichtung Anästhesie. Der Göttinger Medizinstudent war vor allem von einem beeindruckt: der perfekten Ausstattung der Klinik und der intensiven Betreuung der Famulanten.

Hohes Patientenaufkommen in Bangkok

„Die Ausstattung in den OP-Sälen entsprach westlichem Standard, war absolut mit Deutschland vergleichbar. Man hat überhaupt nicht gemerkt, dass man in Thailand ist. Damit habe ich nicht gerechnet.“ Auch das tägliche Arbeitsprogramm ähnelt dem deutschen Alltag: Patientenannahme, venöse Zugänge legen, intubieren, Patientenmanagement. Alles stets in Begleitung des betreuenden Oberarztes und zweier Assistenzärzte. Allerdings: Das Patientenaufkommen in der Metropole Bangkok ist hoch, es wird „nacheinander wegoperiert“, berichtet der Deutsche. Nachfragen und probieren sei jedoch in der Klinik jederzeit willkommen gewesen. „Wenn man will, darf man“, lautete das Motto. Manchmal seien die thailändischen Ärzte in ihrer Experimentierfreude so offen und freizügig gewesen, dass es Maring „krass“ vorkam.

Tägliche Lern- und Übungseinheiten

Neben der praktischen Arbeit am Patienten legte das Medizinerteam an der Klinik in Bangkok viel Wert auf die theoretische Weiterbildung der Studenten. Es gab tägliche Lern- und Übungseinheiten, zum Beispiel an einer Puppe. Und auch dabei stand der Oberarzt den Studenten zur Seite, begutachtete die Arbeit, korrigierte und gab Tipps. Dass sich ein Oberarzt so viel Zeit nimmt, kennt Maring aus Deutschland nicht. Er resümiert: „Die Lehre wird in Thailand großgeschrieben. Das Verständnis ist ein anderes als bei uns.“ Allerdings weiß Maring auch: Als ausländischer Medizinstudent genießt man in Thailand eine Art Sonderstatus, bekommt viel Aufmerksamkeit. Der Umgang der asiatischen Kollegen untereinander sei dagegen manchmal gewöhnungsbedürftig gewesen.

Maring absolvierte seinen Aufenthalt als Austauschstudent der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Das heißt: Sein Aufenthalt war von A bis Z durchorganisiert. Dazu gehörte auch, dass er vor Ort während der gesamten Zeit einen festen Ansprechpartner hatte. „Die Kontaktperson hat die ausländischen Studenten in der Klinik vorgestellt, uns das Wohnheim gezeigt und Reisetipps gegeben. Man war super betreut.“

Sprache ist keine große Hürde

Nur auf den ersten Blick scheint die Sprache eine große Hürde zu sein. Doch diese Ängste kann Maring Interessierten nehmen: „Die meisten Ärzte und auch das Pflegepersonal sprechen gut Englisch. Sie sind selbst zurückhaltend, weil sie sich im Umgang mit der Sprache unsicher fühlen. Man braucht also keine Hemmungen beim Sprechen zu haben.“

Gerade die Andersartigkeit Thailands war es, die Maring gereizt hat. „Ich wollte in einem exotischen Land famulieren. Von Thailand hatte ich viele positive Berichte gehört, also habe ich es hier versucht.“ Man brauche sicherlich seine Zeit, um zu verstehen, wie Asiaten ticken. Aber die Freundlichkeit der Thais mache es Fremden leicht. In puncto Wissensvermittlung und Lerneffekte kann Maring einen Aufenthalt in Asien uneingeschränkt empfehlen. Als Arzt arbeiten möchte er in Thailand aber nicht. „Die Thailänder kennen kein Wochenende, sie arbeiten durch. Das ist sicher nicht meine Vorstellung.“

Großer Unterschied zwischen Stadt und Land

Maring weiß, dass es nicht in allen Kliniken Thailands so aussieht wie in der Uniklinik von Bangkok. In vielen kleineren Krankenhäusern fehlt es oft gar an der Grundausstattung. Doch selbst Deutschland könne sich von dem asiatischen Land noch etwas abschauen, glaubt Maring. Im oft vollen Wartesaal der Ambulanz der Uniklinik sorgen Sänger, Live-Bands und Komödianten für eine Art Entertainment-Programm. „So etwas auf deutschen Krankenhausfluren, das wäre doch mal eine witzige Sache.“ 

Quelle: Dieser Artikel ist erstmalig erschienen in: Deutsches Ärzteblatt, Studieren.de, 1/2013, S.10

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