Digitalisierung: Umfassende Integration

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat eine Task Force Digitalisierung gegründet. Was die Medizinstudierenden dadurch erreichen wollen, erläutert Jeyanthan Charles James, Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik der bvmd.

Wie verändert die Digitalisierung das Medizinstudium und die Patientenbehandlung? Damit beschäftigt sich die "Task Force Digitalisierung" der bvmd. | vectorfusionart/Fotolia

Die Digitalisierung ist ja ein weites Feld. Womit beschäftigen sich die Medizinstudierenden?

Unser Fokus liegt zum einen natürlich auf dem Medizinstudium – wie muss es umgestaltet werden und welche Inhalte sollten dazukommen? Außerdem geht es darum, welche Trends in naher Zukunft Einzug in die Patientenversorgung finden. Beides ist uns besonders wichtig, weil wir in naher Zukunft mit digitalen Techniken im Gesundheitswesen Patienten versorgen möchten.

Zum Thema „Studium“ – was muss sich ändern?

Die Hochschulen müssen aus unserer Sicht ihre Lehrformate überdenken und zum Teil anpassen. Es ergibt Sinn, die reine Wissensvermittlung in den E-Learning-Bereich auszulagern und die Präsenzzeiten für interaktive und kompetenzorientierte Veranstaltungen zu nutzen. Die reine Wissensvermittlung in Frontalvorlesungen ist nicht unbedingt immer effektiv. Auf diese Weise würde E-Learning das Studium praxisnäher machen.

Und die Studieninhalte?


Die Digitalisierung ist ein facettenreiches, gesellschaftliches Phänomen und sollte deshalb auch Einzug in den Unterricht erhalten. Künftige Ärzte sollten im Studium den Umgang mit digitalen Medien erlernen. Dabei sollte es nicht allein darum gehen, wie bestimmte Software und Devices in der Früherkennung, Diagnostik und Therapie bedient und verwendet werden können, sondern es sollten auch Hintergründe, Chancen und Gefahren beleuchtet werden. Beispielsweise, wie sich die Arzt-Patient-Beziehung verändern kann, wie sich Erwartungshaltungen verschieben und so fort. Das ist nicht mit einem Wahlfach in einem Semester getan, sondern braucht sicherlich mehrere Semester Zeit und eine Integration in alle klinischen Disziplinen.

Jetzt zur Patientenversorgung. Was sind für Sie als Studierende die wichtigsten Trends, die Einzug in den Alltag halten?

Das sind für uns die elektronische Patientenakte und die Telemedizin. Beide Entwicklungen bieten große Chancen. Der patientenorientierte Nutzen muss im Vordergrund stehen, das ist klar. Die elektronische Patientenakte kann dabei helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Ärzte schnell auf den aktuellen Stand bei der Diagnostik und Therapie eines Patienten zu bringen. Die Telemedizin überwindet zudem räumliche Grenzen.

Sehen Sie dabei auch Gefahren?

Die räumliche Unabhängigkeit ist Chance und Gefahr zugleich. Chance – weil beispielsweise Patienten mit chronischen Erkrankungen oder in abgelegenen Regionen engmaschiger betreut werden können. Ein Risiko ist aber, dass aus ökonomischen Erwägungen Arbeitskraft verlagert werden könnte.

Und wie bewerten Sie den viel diskutierten Datenmissbrauch?

Es muss klar sein, dass Patienten souverän über ihre Daten verfügen. Hackerangriffe drohen, Arbeitgeber-Begehrlichkeiten stehen im Raum … Allerdings muss bedacht werden, dass Datenmissbrauch keine digitale Domäne ist. Auch analoge Daten können missbraucht werden. Die Sicherheitsprobleme müssen auf jeden Fall bedacht und es müssen Lösungen gefunden werden – sie dürfen aber die Möglichkeiten der Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht ausbremsen.

Quelle: Dieser Artikel ist erschienen in Medizin Studieren 1/2018, S.31

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