Blog zum Medizinstudium: Wie lerne ich am besten Anatomie?

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 13: Wie lerne ich am besten Anatomie?

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

Hier bloggt Andrej Weissenberger über alles, was Medizinstudenten interessiert.

Egal, ob für eine Prüfung im Studium oder im späteren Beruf, Anatomie muss sitzen. Es ist wichtig, diesem großen Fach mit Motivation und Geduld zu begegnen. Spätestens während der Physikumsvorbereitung muss man das Lernen beherrschen, ansonsten wird es schwierig mit der Wiederholung aller prüfungsrelevanten Fächer. Der Präparierkurs bietet sich in der Vorklinik als ein guter Test für die eigenen Lernmethoden an, denn erfolgreiche Lernmethoden versprechen ein positives Prüfungsergebnis.

Zeit- und Lernplan aufstellen

Manche anatomischen Institute bieten ihren Studierenden Stoffkataloge an, die prüfungsrelevante Themen in Stichpunkten zusammenfassen. Manchmal ist es notwendig (oder auch sinnvoll), sich über das jeweilige Thema mehr zu informieren und den Stoffkatalog zu erweitern.

Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig an den Schreibtisch begibt, den Kalender aufschlägt und die Prüfungstermine einträgt. Mit rechtzeitig meine ich mindestens vier bis sechs Wochen vor der Prüfung, die Zeit kann allerdings je nach Lerntyp sehr variieren. Nachdem man die Prüfungstermine auf dem Schirm hat, lässt es sich einfacher abschätzen, wie viel Zeit man für die Vorbereitung hat. Das erzeugt zwar einen Zeitdruck, der ist aber als Motivation enorm wichtig.

Mithilfe des Stoffkatalogs kann man sich nun Tages- oder Wochenlernziele setzen. Es ist ratsam, sich lieber weniger Ziele zu setzen als zu viele, denn nichts demotiviert mehr als ein fehlendes Häckchen auf dem Lernplan, nachdem man Stunden ins Lernen investiert hat.

Auswahl der Lehrbücher und Atlanten

Nachdem der Lernplan steht, geht es ans Eingemachte: Man muss sich das Wissen aus Lehrbüchern und Anatomie-Atlanten aneignen. Dazu ist die richtige Auswahl von Büchern wichtig.

Während einige Studierende lieber mit den Benninghoff-Atlanten lernen, schwören andere auf die Prometheus-Reihe. Zum sturen Auswendiglernen empfehle ich keine Lehrbücher wie die Duale Reihe, zum Nachschlagen sind sie aber sehr empfehlenswert. Auch wenn viele mit dem Kopf schütteln werden, Wikipedia und medizinische Websites (Skripte von anderen Unis, DocCheck usw.) schaffen tatsächlich in vielen Bereichen einen guten bis sehr guten Überblick, der den Einstieg in ein Thema durchaus erleichtern kann.

Die Auswahl der Bücher lässt sich am besten durchführen, indem man sich die Bücher in der Uni-Bibliothek genauer anschaut. Es ist gar kein Problem, sich viele Bücher auszuleihen. Wichtig ist nur, dass man nicht mit mehreren Büchern gleichzeitig lernt. Das überfordert nämlich und schafft nur unnötigen Stress; es gibt nichts Nervigeres, wenn man als Laie zwei oder mehreren unterschiedlichen Angaben zum ein- und demselben Thema begegnet.

Konstantes Lernen und Wiederholen

Das A und O beim Lernen ist das konstante Lernen und Wiederholen. Konstant bedeutet nicht, dass man keine Pausen machen darf, sondern dass man regelmäßig lernt, um nicht aus dem Thema zu kommen und alles zu vergessen. Im Lernplan sollten also nicht nur neue Themen an der Tagesordnung stehen, sondern ab und zu Tage zum Wiederholen eingeplant werden. Man unterschätzt, wie schnell das Gehirn ohne regelmäßiges Wiederholen vergisst, aber auch, wie schnell das Gehirn Neues lernt, wenn regelmäßig wiederholt wird. Ein kleiner Tipp am Rande: das Wiederholen in Gruppen und mit Anatomie-Apps für Smartphones und Tablets macht das Ganze noch mehr Spaß!

Motivation und Kraft tanken

Neben der ganzen Lernerei sind Pausen für einen Lernerfolg unentbehrlich. Ich empfehle im Lernplan, neben Lerntagen auch feste Pausentage einzuplanen. Auf drei Lerntage sollte ein Pausentag folgen, diese Erfahrung habe ich gemacht.

Natürlich können die Pausenzeiten individuell angepasst werden. Das Wichtigste ist, dass man sich in diesen Pausen ausruht, also nicht heimlich bei YouTube Anatomie-Tutorials schaut oder gar in das Buch schielt… Nehmt euch die Zeit, geht raus, trefft euch mit Freunden, macht Sport oder geht eurem Hobby nach. So tankt ihr Kraft und Motivation für das Auswendiglernen der Arterien und Venen des Körpers.

Mit ein wenig Durchhaltevermögen, etwas Geduld und Motivation (und viel Schokolade, Kaffee, Kakao oder von allem ein wenig) wird das Lernen zum alltäglichen Spaß, allerspätestens nach den ersten Prüfungserfolgen.

Viel Erfolg beim Lernen!

 

Andrej Weissenberger (22) studiert Medizin in Bonn und wohnt in Köln. Derzeit befindet er sich im dritten vorklinischen Semester und bereitet sich auf sein Physikum im kommenden Jahr vor.

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