Blog zum Medizinstudium: Die Vorklinik

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 5: Die Vorklinik.

Blog zum Medizinstudium

Hier bloggt Andrej Weissenberger über alles, was Medizinstudenten interessiert.

Studiert man im Regelstudiengang Medizin, so ist das Studium in zwei große Abschnitte unterteilt, die sich wiederum in weitere Abschnitte gliedern: die Vorklinik und die Klinik.

Derzeit befinde ich mich in der Vorklinik, das Physikum, der erste Teil der ärztlichen Prüfung, steht mir im August bevor. Meine Universität bietet den Medizinstudiengang nur als Regelstudiengang an, sodass ich hiermit einen kurzen Überblick über die Vorklinik geben möchte.

Die Vorklinik dauert vier Semester und endet mit dem Physikum. Hauptsächlich geht es im vorklinischen Teil darum, die Anatomie des menschlichen Körpers, seine physiologischen Funktionen und seine biochemischen Grundlagen kennenzulernen. Dabei ist der Begriff „Grundlagen“ breit gefächert.

Gelehrt wird in den Fächern Anatomie, Biochemie, Biologie, Chemie, medizinische Psychologie und Soziologie, Physik, Physiologie und Terminologie. Außerdem wird durch das Fach „Einführung in die klinische Medizin“ ein kleiner Einblick in den klinischen Alltag vermittelt, indem approbierte Ärzte ihre Patienten vorstellen und über Krankheit, die ihnen begegnen, aus persönlicher und medizinsicher Sicht berichten.

Bestehen ist Voraussetzung für das Belegen weiterer Kurse

Um in einem Semester ein Fach belegen zu können, muss man in einigen Fällen einen Schein für ein bestimmtes Fach aus dem vorherigen Semester haben. Das bedeutet, dass man zum Beispiel Physik, also das Praktikum und die Klausur, im laufenden Semester bestanden haben muss, um am Physiologie-Praktikum im nächsten Semester teilnehmen zu können.

Das kann den Vorteil haben, dass einem das Bestehen des weiterführenden Faches leichter fällt, sobald die Grundlagen aus dem vorherigen Fach verstanden (und bestanden) wurden. Der Nachteil ist, dass man manchmal das Fach nicht besteht und dadurch die Teilnahme am weiterführenden Fach nicht möglich ist. Dadurch, dass viele Fächer immer zum laufenden Semester angeboten werden, verzögert sich das Studium meistens um mindestens ein halbes Jahr, wenn man Pech hat. Das variiert aber von Fach zu Fach. Manchmal ist es sogar in Ordnung, wenn man die Teilnahme bestanden, aber die Klausur nicht erfolgreich abgeschlossen hat. Dafür kann man an den weiterführenden Fächern teilnehmen, aber ihre erfolgreiche Teilnahme ist an das Bestehen des ersten Faches gekoppelt. Klingt komplizierter als es ist.

Koordinierung über elektronisches Vorlesungsverzeichnis

Früher musste man noch ausgedruckte Teilnahmebescheinigungen/Scheine sammeln und sie zur Anmeldung für das Physikum dem Landesprüfungsamt zuschicken, heutzutage läuft das Ganze über BASIS, ein elektronisches Vorlesungsverzeichnis, wo Noten von Klausuren bekanntgegeben und Teilnahmen bescheinigt werden. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Teilnehmerkarten, die man zu bestimmten Praktika mitbringen und unterzeichnen lassen muss, damit die regelmäßige Teilnahme sichergestellt werden kann.

Unser vorklinischer Teil ist ziemlich verschult. Wir haben einen im Voraus festgeschriebenen Stundenplan, die Studierenden sind in Planungsgruppen, ähnlich wie Schulklassen, eingeteilt, in welchen sie bestimmte Praktika zusammen haben. Es steht einem also nicht frei, viele Veranstaltungen so schnell wie möglich zu belegen, um das Physikum vor dem vierten Semester zu absolvieren und so das Studium als Ganzes zu verkürzen. Und, was viele erstaunt, wir schreiben keine Hausarbeiten (manchmal ist das im Rahmen eines Pflicht-Wahlfaches als Prüfungsleistung möglich, aber eher selten). Unsere Doktorarbeit ist so gesehen die erste und meistens auch die letzte wissenschaftliche Arbeit, die wir schreiben. Außerdem werden Klausuren und Praktika in der Vorklinik nicht benotet, die Teilnahme und die Prüfungsleistung sind entweder bestanden oder nicht bestanden.

Vorklinik vermittelt wichtiges Grundlagenwissen

Die Vorklinik ist ein wichtiger Baustein, den man braucht, um die Klinik gut meistern zu können. Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, wie Karzinome entstehen, sie sich über die Lymphknoten im Körper verbreiten und auf biochemischer Ebene am besten bekämpft werden können. Diese biologischen, anatomischen und biochemischen Grundlagen kriegt man in der Vorklinik vermittelt.

Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die gelehrten Grundlagen weit über das Ziel hinaus schießen, merkt man ziemlich schnell, wie wichtig auch diese eine Kleinigkeit über die Zelle ist, die der Dozent am Rande erwähnt hat.

Kurz und knapp: Die Vorklinik ist ein unentbehrlicher Grundbaustein, um später eine erfolgreiche Ärztin oder ein erfolgreicher Arzt sein zu können. Wollen wir später erfolgreich Menschen behandeln, so müssen wir auch die physikalischen Grundlagen seines Körpers kennen. Auch dann, wenn man mit Physik und mathematischen Formeln nicht so viel anfangen kann.

Durchhalten und alles geben! Die Klinik wartet schon.

Andrej Weissenberger (21) studiert Medizin in Bonn und wohnt in Köln. Derzeit befindet er sich im dritten vorklinischen Semester und bereitet sich auf sein Physikum im August vor.

In unserer Blogger Zone finden sich unsere Bloggerinnen und Blogger, die regelmäßig auf Operation Karriere von ihren Erfahrungen aus Studium und Praxis berichten.