Blog zum Medizinstudium: Die Opfer des Physikums (Teil 3)

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 23: Die Opfer des Physikums (Teil 3).

Andrej Weissenberger

Andrej Weissenberger teilt seine Erfahrungen im Studium und bei diversen Prüfungen.

Kaum hatte man den ersten Schock des schriftlichen Physikums überstanden, kamen schon die Ladungen des Landesprüfungsamtes zur mündlichen Prüfung per Einschreiben an.

Die Ladungen werden immer circa sieben bis zehn Tage vor dem Termin der mündlichen Prüfung zugestellt. Je nach Prüfungsdatum erhielten also einige bereits vor den schriftlichen Prüfungen die Einladung zum mündlichen Teil, einige mussten ein paar Tage länger warten.

Was steht in so einer offiziellen Ladung drin? Es ist ein mehrseitiges Dokument, in dem auf "Paragraphen-Deutsch" die Ladung einfach bestätigt wird. Auffällig ist das fett markierte Datum der Prüfung, im unteren Bereich sind die drei PrüferInnen der Prüfungskommission aufgeführt, mit ihren jeweiligen Aufgabenbereichen in der Prüfung selbst. Einer führt Protokoll und ist der Vorsitzende, dessen Stimme bei Stimmenungleichheit ausschlaggebend ist (z. B. wenn zwei Prüfer der Meinung sind, die geprüfte Person sollte eine drei bekommen, der Vorsitzende aber noch für eine zwei ist), die übrigen zwei sind Beisitzer.

In Bonn wird immer in den Fächern Anatomie, Biochemie und Physiologie geprüft. An manchen Universitäten variieren wohl die Fächerkombinationen und die Aufgabenstellungen. Für meine Prüfung war eine besondere Vorbereitung nicht notwendig, da keine praktischen Aufgaben im Voraus gestellt werden. Es hieß nun: lernen, zur Prüfung erscheinen und sich überraschen lassen.

Mit Altprotokollen aus den ehemaligen Prüfungen versuchte ich, mich so gut wie möglich vorzubereiten. Dazu schrieb ich mir die Lieblingsthemen meiner Prüfer raus, zwei von drei Prüfern hatten leider keine Lieblingsthemen, sondern prüften einfach alles kreuz und quer. So bemühte ich mich, nochmal alles zu wiederholen, was nicht so gut im Gedächtnis verankert war, der Rest musste einfach während der Prüfung präsent sein.

Bildergalerie (11 Bilder)
Ein Screenshot der Übersichtsseite der App Lass mal kreuzenEin Screenshot einer Lernseite der App Lass mal kreuzenEin Screenshot der Prometheus-App mit Bildern der Anatomie des Kopfes

 

Und so kam der Tag der Prüfung. Erschienen sind noch zwei andere Studentinnen, die mit mir in derselben Prüferkombi geprüft wurden. Nach einem kurzen, etwas verkrampften Begrüßungsritual im Vorraum der Anatomie, ging es gemeinsam mit den Prüfern in einen Raum, in dem geprüft werden sollte. Drei Tische nebeneinander, an beiden Seiten sechs Stühle. Um uns herum ein paar Anatomie-Modelle und Mikroskope. Die Aufregung war uns allen ins Gesicht geschrieben.

Nach einer kurzen Einleitung ging es mit der ersten Prüfungsrunde in Physiologie los. Nach der zwanzigminütigen Prüfung pro Prüfling gab es immer eine kurze Pause, in der man kurz Luft schnappen und etwas trinken konnte. Anschließend folgte Biochemie, danach ging es schnell in den Anatomiesaal, wo der Anatomie-Prüfer seine Fragen an Präparaten und Hirnschnitten stellte.

Ich hatte die Ehre, als Erster geprüft zu werden, was meinem Blutdruck nicht gerade gefiel. Ich war so aufgeregt, dass ich während der Biochemie-Prüfung nicht in der Lage war, einen geraden Strich auf dem Papier zu zeichnen. Das gefiel den Prüfern nicht so, aber sie zeigten Verständnis und blieben bei jeder Antwort oder Reaktion von mir sehr freundlich.

Die Ruhe, die die Prüfer vermittelten, übertrug sich mit der Zeit auch auf die Prüflinge selbst. Das war deutlich zu spüren. Und auch, wenn nicht jede Frage sofort beantwortet werden konnte oder man wirklich keine Ahnung hatte, war das auch kein Problem, die Prüfer gingen einfach auf ein anderes Thema ein. Das vermittelte ein gewisses Gefühl von Sicherheit in der Prüfung selbst, auch wenn man zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob das nicht eher negativ gewertet wird.

Nach vier Stunden Fragerei und einer zehnminütigen Besprechung seitens der Prüfungskommission wurden die Ergebnisse mitgeteilt.

Die Prüfung ist, genauso wie die schriftliche, eine benotete Leistung. Mit der Note 4 hat man noch bestanden, alles, was schlechter ist, reicht leider nicht zum Bestehen aus. Sollte es in einem Prüfungsteil, zum Beispiel in Biochemie, nicht zum Bestehen reichen, so kann dies in der Regel nicht ausgeglichen werden und führt zum Nichtbestehen der Gesamtprüfung. Manchmal überzeugen sich die Prüfer aber doch noch untereinander und geben eine nett gemeinte vier minus, was wiederum in der Gesamtwertung zum Bestehen reicht.

Nach der Prüfung ist der Horror geschafft. Die offiziellen Ergebnisse und Zeugnisse kommen in der Regel in den den nächsten zwei bis drei Wochen per Post an. Bis dahin kann man sich ausruhen, feiern und einfach stolz auf sich sein. Egal, wie das Ergebnis ausfällt.

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