Blog zum Medizinstudium: Die Opfer des Physikums (Teil 2)

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 22: Die Opfer des Physikums (Teil 2).

Andrej Weissenberger

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

Nach langen 29 Lerntagen und einigen tränenreichen Abenden stand der schriftliche Teil des Physikums an.

Ungefähr 10 Tage vor der Prüfung bekam ich meine schriftliche Einladung zur Prüfung, um 9 Uhr sollte es losgehen. Da generell nicht so viele Studierende das Physikum im Frühjahr ablegen, war vorauszusehen, dass meine Kommilitonen und ich am selben Ort die Prüfung kreuzen werden. So war es dann auch.

Laut Prüfungseinladung sollte man gegen 8:30 Uhr am Prüfungsort erscheinen, meine Kommilitonen und ich waren deutlich früher da. Die Anspannung war uns allen deutlich im Gesicht geschrieben, wir versuchten verkrampft über andere Themen zu reden, aber irgendwie führten die Gespräche doch zurück zum Thema Physikum.

Pünktlich um 8:30 Uhr öffneten sich die Türen zum Prüfungsort. In der Vorhalle wurde unsere Anwesenheit kontrolliert, anschließend ging es zum Prüfungsraum. In ihm waren viele weiße Tische mit schwarzen Stühlen in regelmäßigen Abständen platziert, auf der etwas höheren Bühne waren ebenfalls Tische aufgestellt. Auf den weißen Tischen unten durften wir Platz nehmen (die Tische sind nummeriert, alle Studierenden haben vorher einen festen Platz zugewiesen bekommen), auf der Bühne saß die Prüfungsaufsicht. Ein großes Theater also, nur, dass diejenigen, denen die Aufmerksamkeit gilt, unten saßen, während die Zuschauer auf der Bühne das Ganze beobachteten.

Die letzten Momente vor Prüfungsbeginn

Nachdem alle endlich ihren Tisch gefunden und Platz genommen hatten, wurden wir von der Prüfungsaufsicht begrüßt und zuerst mit den Formalien vertraut gemacht. Auf dem Tisch dürfen nur Getränke, Essen, ein Glücksbringer, Taschentücher, das Einladungsschreiben, ein Lichtbildausweis und ein Lineal liegen. Das Schreibzeug wird vom IMPP bereitgestellt. Rucksäcke, Taschen, Jacken usw. müssen im hinteren Bereich des Raumes verstaut werden. Bücher, Skripte, Spickzettel, Taschenrechner, Handys, multifunktionelle Uhren und Brillen sind nicht erlaubt. Da einige von uns vor der Prüfung beim Bäcker waren, durften wir alle gleichzeitig das mitgebrachte Essen auspacken und die Getränkeflaschen aufmachen, um Störungen durch Geräusche in der Prüfung zu vermeiden. Ein unvergesslicher Moment, wenn sich durch den kompletten Raum das Rascheln der Tüten und das Zischen der Flaschen ausbreiten. Ein entspannender Lacher, bevor es dann endlich mit der vierstündigen Prüfung losging.

Insgesamt gibt es pro Tag 160 Multiple-Choice-Fragen, die in einem Heft mit einem Antwortbogen ausgehändigt werden. Die angekreuzten Antworten aus dem Aufgabenheft müssen anschließend auf einen Antwortbogen übertragen werden, welcher am Ende der Prüfung eingesammelt und ausgewertet wird. Das Heft mit den Fragen darf anschließend mit nach Hause genommen werden.

Am ersten Tag wurden die Fächer Chemie, Biochemie, Physik und Physiologie geprüft. Ich denke, es bringt hier niemanden besonders weiter, wenn ich Prüfungsfragen anführe. Es gibt zahlreiche Angebote im Internet, wo man sich Beispielfragen oder Originalfragen aus den Prüfungen anschauen kann. Ich kann aber sagen, dass ich persönlich die Fragen in Physiologie dieses Mal besonders schwierig fand. Die Fragen waren von den Fragestellungen her anders, von den gekreuzten Altfragen kam keine einzige dran. Die Nebenfächer Chemie und Physik wurden aufgrund des Zeitmangels während der Vorbereitungszeit eher stiefmütterlich behandelt, deswegen war hier mehr raten als wissen angesagt (was am Ende auch ganz gut geklappt hat).

In den vier Stunden, die man das Physikum schreibt, sagt die Prüfungsaufsicht immer wieder die Zeit an und erinnert ans Trinken und Essen, was man in dieser intensiven Konzentrationsarbeit schnell vergisst. Die Zeit verging einfach so schnell… Kaum war ich drin, schon war es vorbei.

Nachdem die Antwortbögen eingesammelt wurden und wir den Prüfungssaal verlassen hatten, tauschten wir untereinander in unseren Freundeskreisen die Erfahrungen aus. Bei den meisten lief der erste Tag sehr durchwachsen, kaum jemand hatte ein gutes Gefühl. Ganz anders als beim darauffolgenden, zweiten Prüfungstag.

Weniger Aufregung am zweiten Prüfungstag

Erstaunlicherweise war der zweite Tag nicht mehr so sehr von der Aufregung geprägt wie der erste. Vielleicht, weil man vom Vortag wusste, dass man nicht aufgeregt sein muss und das erste Mal eben auch nicht schlimm war. Vielleicht aber auch, weil am zweiten Tag eher Lieblingsfächer der Medizinstudierenden (Medizinische Psychologie und Soziologie, Histologie, vor allem aber Anatomie) geprüft wurden. Nach demselben Prozedere wie am Tag davor, startete die Prüfung pünktlich und war auch nach vier Stunden wieder vorbei. Am zweiten Prüfungstag gibt es neben dem Aufgabenheft ein weiteres Heft für den Histologie-Teil der Prüfung mit histologischen Bildern, die in hoher Qualität in Farbe gedruckt sind. Auch dieses darf nach der Prüfung mit nach Hause genommen werden.

Verschiedene Anbieter bieten online eine Auswertung der Aufgaben vom Physikum an. Jetzt kommen die mitgenommenen Aufgabenhefte ins Spiel. Da man in der Regel im Aufgabenheft die Antworten zuerst ankreuzt, bevor man sie auf den Antwortbogen übertragt, weiß man auch nach der Prüfung, für welche Antwort man sich entschieden hat. Nun kann man online seine Antwortbuchstaben eintragen. Nach einiger Zeit haben viele Studierende dasselbe getan und verschiedene Experten ihre Lösungen veröffentlicht. So kann man bereits am selben Tag ein ungefähres Ergebnis der eigenen Physikumsprüfung einsehen. Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um das offizielle Ergebnis handelt. Dieses kommt erst einige Wochen nach der Prüfung per Post.

Nachdem man nun den schriftlichen Prüfungsteil hinter sich hat, kann man sich die verbleibenden Tage nicht entspannt zurücklehnen, sondern weiter für die mündliche Prüfung lernen.

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