Blog zum Medizinstudium: Das vierte vorklinische Semester

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 10: Das vierte vorklinische Semester.

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

Hier bloggt Andrej Weissenberger über alles, was Medizinstudenten interessiert.

Nachdem der zeitintensivste Kurs der Vorklinik, der Präparierkurs, und das dritte Fachsemester erfolgreich abgeschlossen wurden, geht es weiter mit dem letzten vorklinischen Semester.

Aus dem dritten Semester wird der Kurs der makroskopischen Anatomie fortgeführt. Des Weiteren gibt es Vorlesungen in den Fächern Physiologie sowie Medizinische Psychologie und Soziologie. Außerdem gibt es noch das Physiologie-Praktikum, das man erfolgreich absolvieren muss, um zum Physikum zugelassen zu werden.

Der Präparierkurs, als Teil 1 des Kurses der makroskopischen Anatomie, findet wie bereits im entsprechenden Blogeintrag thematisiert, im dritten Semester statt. Teil 2 ist die Neuroanatomie, eins der am meisten gefürchteten Fächer der Vorklinik. Im dritten Semester gibt es dazu eine wichtige Vorlesung, die im vierten Semester fortgeführt wird. Es geht hauptsächlich um die Funktionen des Gehirns: Verläufe von Nervenbahnen zum Gehirn und von diesem weg, mögliche Funktionsstörungen nach Schädel-Hirn-Traumata oder Rückenmarksverletzungen, uvm.

Das Fach ist unglaublich interessant, ohne Frage. Die "Faszination Gehirn" ist eindeutig dem noch sehr großen Unwissen darüber geschuldet. Sicherlich hat man schon viel entdeckt, aber viele Dinge passieren „irgendwie“ im Gehirn, Genaueres weiß man noch nicht. Dafür dürfen Studierende Nervenbahnen auswendig lernen, bis sie einem über den eigenen Kopf wachsen – die Histologie der einzelnen Gehirnabschnitte nicht zu vergessen.

Wie im Präparierkurs finden einige Seminare der Neuroanatomen im Anatomiesaal statt. Wir durften das Gehirn von SpenderInnen anfassen und das (noch nicht) Gelernte mit eigenen Augen sehen (oder eben nicht, weil die entsprechenden Strukturen zu klein sind) und anfassen. Den großen Anatomieschein hat man mit einer bestandenen offenen Klausur zu neuroanatomischen Fragen in der Tasche.

Der Schwerpunkt liegt in diesem Semester ausnahmsweise nicht auf der Anatomie, sondern auf der Physiologie des Menschen.

Pflichtpraktikum zur Physiologie des Menschen

In einem Pflichtpraktikum, das wöchentlich stattfindet, werden die wichtigsten Themen der Physiologie mit sehr anschaulichen Experimenten vermittelt. So geht es um die Funktionsweisen von Neuronen und Muskeln, das Sehen und Hören, das Blut, das Herz, den Kreislauf, die Atmung… Die Themen möchte ich hier gar nicht alle auflisten, das könnte ein wenig den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall geht es um echt viele Bereiche der Physiologie. So darf man sich nach einem ein- bis zweistündigen Seminar zum Beispiel gegenseitig Blut abnehmen. Außerdem durften wir verschiedene Tests mit dem eigenen Blut durchführen, das eigene EKG analysieren oder einige Nerven an eigenen Extremitäten mit Stromschlägen reizen und so Muskelzuckungen hervorrufen.

Das Physiologie-Praktikum empfand ich als sehr spannend und teilweise sehr entspannt im Vergleich zum Physik-Praktikum. Übrigens kommt man in der Physiologie auch ohne die lästigen Physik-Formeln zurecht, auch wenn einige einem wieder begegnen und ein gewisses Vorwissen nicht unbedingt Nachteile mit sich bringt. Auch wenn das Praktikum ziemlich lange ging (von 14 bis teilweise 19:30 Uhr), waren die DozentInnen und ihre AssistentInnen stets bemüht, die zahlreichen Themen verständlich zu vermitteln.

Den großen Physiologie-Schein hat man sich nach dem bestandenen Praktikum und der 30-Multiple-Choice(MC)-Fragen-Klausur reichlich verdient.

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Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 5: Die Vorklinik.

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Durch den großen Lernaufwand für Neuroanatomie und Physiologie geraten die Veranstaltungen der Medizinischen Psychologie und Soziologie etwas in den Hintergrund. Die Vorlesungen und das Pflichtseminar behandeln Themen wie Ökonomie, Demographie, Lernen, Emotionen, Zwang, Schlaf, Intelligenz, Gesprächsführung sowie trockene Themen wie Methodik, in denen es um Statistik und ziemlich viel Rechnen geht.

Durch das Bestehen einer MC-Klausur mit 20 Fragen hat man auch die vorklinische Psychologie/Soziologie abgeschlossen und ist einen Schein näher am Physikum!

Weitere Vorlesungen mit klinischen Bezügen

Erinnert ihr euch an die Vorlesungen mit klinischen Bezügen (Patientenvorstellungen) aus dem ersten Semester? Im vierten Semester geht es mit diesen Vorlesungen weiter. Jetzt sitzen die Studierenden aber nicht mit Fragezeichen über dem Kopf vor den DozentInnen, sondern können die einzelnen Stoffwechselwege, die die Diabetologen oder Endokrinologen vorstellen, verstehen, ja sogar langsam während der Vorlesung für das Physikum wiederholen. Dieses Mal werden aber keine PatientInnen vorgestellt, sondern meist in Form von Bildern und Befunden Krankheiten wie Magengeschwüre oder Asthma besprochen.

Da das Landesprüfungsamt für dieses Fach (noch) keine Prüfung angeordnet hat, gibt es für das Sitzen und aktive Zuhören den entsprechenden Schein.

Ein wenig anders sieht es mit den vorklinischen integrierten Seminaren aus. Das Wissen der gesamten Vorklinik aus den Fächern Embryologie, Histologie, (Neuro)Anatomie, Physiologie und Biochemie wird in verschiedenen Bereichen wortwörtlich integriert. Man wiederholt biochemische Themen wie Verdauung, die Anatomen zeigen einem nochmal den histologischen und anatomischen Aufbau des Verdauungstrakts und die Physiologen, ja, sie sind für eine Kombination aus beidem verantwortlich.

Die Veranstaltung findet in Gruppen von circa 20 Studierenden statt, Vorbereitung und aktive Teilnahme sind Voraussetzung für das Bestehen des Seminars. Es ist für PhysikumsanwärterInnen eine hervorragende Wiederholungsmöglichkeit, auch um zu schauen, was von den vorherigen Semestern hängen geblieben ist und was man sich noch einmal genauer anschauen sollte. Außerdem hat man die Möglichkeit, die DozentInnen etwas besser kennenzulernen und etwas über ihre Lieblingsthemen im Physikum in Erfahrung zu bringen.

Durch regelmäßige und aktive Teilnahme erhält man den Schein, der hoffentlich der letzte fehlende Schein ist, um sich für das Physikum anzumelden.

Und so ist das Semester schon vorbei und die große Lernerei für das Physikum kann (endlich) beginnen!

Andrej Weissenberger (21) studiert Medizin in Bonn und wohnt in Köln. Derzeit befindet er sich im dritten vorklinischen Semester und bereitet sich auf sein Physikum im kommenden Jahr vor.

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