Blog zum Medizinstudium: Das verschobene Physikum

Bewerbung, richtiges Lernen, Physikum und Pflegepraktikum: Andrej Weissenberger gibt Tipps zu allen Themen, die Medizinstudenten bewegen. Selbst an der Universität Bonn eingeschrieben, sorgt er in seinem Blog regelmäßig für Einblicke in seine eigenen Erfahrungen. Teil 17: Das verschobene Physikum

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

Operation Karriere-Blogger Andrej Weissenberger

In der letzten Zeit sind meine persönlichen Erfahrungen im Studium etwas zu kurz gekommen, daher nun ein Blogeintrag zum aktuellen Stand der Dinge.

Mit dem Studium der Humanmedizin habe ich im Oktober 2014 angefangen, jetzt befinde ich mich im 5. Semester. Da ich im Regelstudiengang studiere, wäre das Physikum in der Regel im August dieses Jahres gewesen. Ich habe allerdings nicht daran teilgenommen. Nicht, weil ich an chronischer Unlust litt, sondern weil mir der Anatomie-Schein fehlte.

Der Präparierkurs war ein besonders toller Kurs in der Vorklinik, das habe ich im entsprechenden Blogeintrag bereits geschildert.

Leider habe ich das zweite Testat, das sich thematisch um den aktiven und passiven Bewegungsapparat sowie Arterien, Venen, Lymphgefäße und Nerven drehte, nicht bestanden. Ich würde schon sagen, dass ich den Stoff auf dem Schirm hatte, doch die Nervosität und die entsprechenden Fragen der Prüferin haben mich im Auftreten sehr unsicher wirken lassen. So konnte ich mich und meine Antworten nicht gut genug präsentieren. Ich habe bei einigen Fragen hin und her überlegt, keine klaren Antworten gegeben. Das Ergebnis war dann eben ein Nichtbestehen in der ersten mündlichen Prüfung des Studiums.

Auch wenn ich die darauffolgenden Prüfungen alle bestanden hatte, war der Schein nicht in meiner Tasche. Ich musste in die Nachprüfung und das zweite Testat wiederholen. Die Prüfung verlief zunächst gut: Ich hatte bereits mehr als 15 Minuten über die Schulter, die Oberarmmuskulatur und das Backen geredet, am Skelett erläutert, am Körperspender gezeigt. Und dann kam die vermutlich letzte Frage der Prüfung: „Welche Arterie ist das?“ Und der Name ist mir einfach nicht eingefallen. Ich hatte während der Prüfung zugegeben, dass ich nicht auf den vollständigen Arteriennamen komme (es handelte sich übrigens um die A. dorsalis pedis), in der Hoffnung, dass mir der Prüfer einen kurzen Tipp gibt. Doch es kam nichts. Die Prüfung war nicht bestanden.

Da der Präparierkurs in Bonn nur im Wintersemester angeboten wird, musste ich bis zum aktuellen Wintersemester warten, um erneut die Prüfung absolvieren zu können. Damit war der Traum vom Physikum im August 2016 geplatzt.

Natürlich ärgere ich mich sehr darüber. Wenn ich zaubern könnte, würde ich die Zeit kurz zurückdrehen und den Arteriennamen, der mir übrigens nach der Prüfung eingefallen ist, sagen und glorreich den Präpariersaal mit dem Anatomie-Schein verlassen. Jetzt muss ich nicht nur diese eine, nicht bestandene Prüfung wiederholen, sondern auch alle anderen Anatomieprüfungen, die ich bestanden hatte.

Seit ungefähr sechs Wochen bereite ich mich auf die kommenden Prüfungen vor. Gleichzeitig muss ich aber auch mit dem Lernen für das Physikum anfangen. Diese Situation stellt mich vor eine besondere organisatorische Herausforderung, die ich derzeit, mehr oder weniger erfolgreich, versuche zu meistern. Ich muss nun einen Weg finden, einerseits für die Anatomieprüfungen zu lernen, andererseits dürfen andere Fächer nicht zu kurz kommen. Meine Kommilitonen, die das Physikum im August geschrieben haben, hatten nur einige Wochen Zeit, sich auf das Physikum vorzubereiten. Ich habe ab jetzt einige Monate dafür Zeit. Und das ist das Entscheidende, was mich motiviert, weiterzumachen und den Kopf nicht hängen zu lassen.

Das Studium der Humanmedizin gehört zu einem der schwierigsten Studienfächer in Deutschland. Dass ich eine Prüfung nicht bestanden habe, ist nicht weiter tragisch. Ich finde, ein Studium muss auch nicht unbedingt in der Regelstudienzeit abgeschlossen werden. Es ist menschlich, Fehler zu machen, Klausuren nicht zu bestehen oder einfach mal keine Lust zu haben. Aber hey, ich weiß jetzt wenigstens, wie diese blöde Arterie heißt. Außerdem habe ich jetzt die Möglichkeit, den Stoff der Vorklinik besonders gut zu vertiefen. Somit wird dem Physikum im Frühjahr nichts im Wege stehen.

Wenn alles gut läuft, kann ich im April mit dem klinischen Studienabschnitt anfangen. Und das motiviert mich natürlich auch.

Es kann also sein, dass hier in naher Zukunft so einige Blogeinträge zum alltäglichen Wahnsinn eines Physikum-Anwärters veröffentlicht werden.

Denn wie sagt man so schön… Geteiltes Leid ist halbes Leid. Oder hier gevierteltes Leid?

Andrej Weissenberger (22) studiert Medizin in Bonn und wohnt in Köln. Derzeit befindet er sich im fünften vorklinischen Semester und bereitet sich auf sein Physikum im kommenden Jahr vor.

In unserer Blogger Zone finden sich unsere Bloggerinnen und Blogger, die regelmäßig auf Operation Karriere von ihren Erfahrungen aus Studium und Praxis berichten.