Biostatistik für Mediziner

Kaum ein Mediziner kommt um die Bio- bzw. Medizinstatistik herum. Spätestens wenn die Doktorarbeit ansteht, wird es ernst. Es müssen Forschungs- und Untersuchungsdaten statistisch ausgewertet und auf Signifikanz geprüft werden. Hier gibt es Unterstützung für angehende Doktoranden.

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Einige Unis bieten Statistikkurse speziell für Medizinstudierende an. | BillionPhotos.com/Fotolia.com

Fallen die Begriffe Konfidenzintervall, Signifikanzniveau, t-test oder Odds Ratio klingeln bei vielen Studenten die Alarmglocken. Die Statistik ist mit ihrer Sprache, ihren Ansätzen und den verschiedenen Computerprogrammen eine ganz spezielle Welt, die sich manch einer gern ersparen würde. Doch ohne eine statistische Auswertung wären die medizinischen Forschungen und Studien nicht aussagekräftig oder vergleichbar. So muss überprüft werden, ob die Ergebnisse signifikant sind oder ob eine Korrelation (Wechselbeziehung) besteht.

 

Statistische Beratung für Mediziner

Damit der angehende Doktorand nicht sich selbst überlassen wird, gibt es verschiedene Angebote zur Unterstützung. Einige Unis bieten eine Statistik-Beratung für Mediziner an, hier eine Auswahl:

 

Universität Düsseldorf – Statistische Beratung http://www.medrsd.hhu.de/wegweiser-durch-die-promotion/faqs-haeufige-fragen/wo-bekomme-ich-statistik-beratung.html

Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim – Statistische Beratung http://www.umm.uni-heidelberg.de/inst/biom/

Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe Universität – Doktorandenkurs https://www.kgu.de/kliniken-institute-zentren/einrichtungen-des-fachbereichs/zentrum-der-gesundheitswissenschaften/biostatistik-und-mathematische-modellierung/lehre/statistikkurse.html

Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe Universität – Statistische Beratung https://www.kgu.de/kliniken-institute-zentren/einrichtungen-des-fachbereichs/zentrum-der-gesundheitswissenschaften/biostatistik-und-mathematische-modellierung/lehre/statistikberatung.html

Universität zu Köln – Statistische Beratung http://imsieweb.uni-koeln.de/beratung/

Universitätsmedizin Mainz – Statistische Beratung https://www.unimedizin-mainz.de/imbei/biometrie-bioinformatik/statistische-beratung.html

Universitätsmedizin Mainz – Doktorandenkurs https://www.unimedizin-mainz.de/imbei/imbei/lehre-beratung-promotion/doktorandenkurs-statistische-auswertung-mit-spss.html

Universität Bonn – Statistische Beratung http://www.imbie.uni-bonn.de/statistische-beratung/

Universitätsklinikum Tübingen, Eberhard Karls Universität Tübingen – Statistische Beratung https://www.medizin.uni-tuebingen.de/Zuweiser/Institute/Klinische+Epidemiologie+und+angewandte+Biometrie/Beratung.html

 

Grundkenntnisse der wichtigsten statistischen Auswertungsverfahren gelten als Voraussetzung der Beratung. Am sinnvollsten ist es, die Beratung bereits bei der Planung des Vorhabens erstmals in Anspruch zu nehmen. So kann vermieden werden, dass bereits erfolgte Datenerhebungen wegen methodischer Mängel in der Planung und Durchführung nicht für statistische Analysen genutzt werden können. Das Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie des Universitätsklinikums Tübingen empfiehlt, die medizinische Fragestellung des Vorhabens bereits vor der Beratung so detailliert wie möglich zu formulieren und gegebenenfalls mit dem Betreuer der Doktorarbeit abzustimmen. So kann das Beratungsgespräch auf konkrete Projekte bezogen werden. 

Buchempfehlung Medizinische Statistik

In ihrem Buch „Medizinische Statistik – Angewandte Biometrie für Ärzte und Gesundheitsberufe“ führen die Autoren Gaus und Muche den Leser mit Hilfe des Patienten Max Moritz Schaufelstiel, den Doktores Emsig und Fleißig und dem Statistiker Pingelig durch die „trockene Materie“. Hier wird neben der reinen Statistik auch der inhaltliche Bezug deutlich gemacht und für Mediziner veranschaulicht. Übungsaufgaben helfen das Gelernte zu reflektieren und die Statistik fachbezogen anzuwenden.

 

Beispielaufgabe Blutdrucksenkung mit drei Dosen

Fragestellung. Ist die Wirkung des Medikaments „Wunderbar“ zur Behandlung von Hypertonie dosisabhängig?

Durchgeführte Studie. In eine Studie wurden 60 männliche Patienten im Alter zwischen 40 und <70 Jahren mit bisher unbehandelter Hypertonie und einem Blutdruck von >150 / >120 mmHg aufgenommen.

Sie wurden in die 3 Parallelgruppen A, B oder C randomisiert.

Gruppe A: 20 Patienten, Dosis 30 mg/Tag
Gruppe B: 20 Patienten, Dosis 60 mg/Tag
Gruppe C: 20 Patienten, Dosis 90 mg/Tag

Die Behandlung war ambulant und dauerte für alle drei Gruppen 12 Wochen. Die Patienten wurden zu folgenden Zeitpunkten Woche –1 (= 1 Woche vor Behandlungsbeginn), Woche 0 (= Behandlungsbeginn), Woche 1, 2, 4, 6, 8 und 12 nach Behandlungsbeginn untersucht. Jede dieser Untersuchungen umfasste eine Blutdruckmessung nach 10-minütigem Stehen und nach 10-minütigem Sitzen. Diese Messungen wurden nach einer Stunde wiederholt. Als Zielgröße wurde im Studienplan die Woche, bis der diastolische Blutdruck sowohl im Stehen als auch im Sitzen unter 100 mmHg liegt und später auch nicht mehr über diesen Wert ansteigt, festgesetzt.

Daten. Von jedem protokollgemäß behandelten Patienten liegen somit 8 Visiten x 2 Messungen x stehend und sitzend = 32 Blutdruckmessungen mit jeweils systolischem und diastolischem Blutdruck vor. Ein Patient der Gruppe A erschien in der 6. Woche, ein Patient der Gruppe B in der 8. Woche letztmalig zur Untersuchung.

Aufgabe. Wie werten Sie die Daten aus? Welche Tabellen und Abbildungen erstellen Sie? Wie entscheiden Sie, ob die Wirkung des Präparats „Wunderbar“ dosisabhängig ist?

 

Quelle: Gaus W, Muche R: Medizinische Statistik – Angewandte Biometrie für Ärzte und Gesundheitsberufe. Stuttgart: Schattauer Verlag 2014. 978-3-7945-2931-5 (ISBN) http://www.lehmanns.de/shop/medizin-pharmazie/25181699-9783794529315-medizinische-statistik