Zeitmanagement Teil 2: die Arztpraxis

Wenn man die Weiterbildung in einer Praxis absolviert, sollte man sich von Beginn an ein gutes Zeitmanagement antrainieren. Denn anders als im Klinikum verlassen einen die Patienten wieder nach einer kurzen Zeitspanne.

Chirurgin

Nur wer sich selbst gut kennt, wirtschaftet effizient mit der eigenen Zeit. | Koszivu/Fotolia

Wie im Klinikum gilt auch bei der ambulanten ärztlichen Tätigkeit die Devise: Je schneller die Dokumentation, desto besser. Es macht Sinn die Patiententermine so zu planen, dass direkt danach Zeit ist, den jeweiligen Fall abzuschließen. Auch ein kleines Zeitfenster vor dem Patientenkontakt ist empfehlenswert, um einen Blick in die Akte werfen zu können.

Natürlich kann man nicht bei jeder Patientenvorstellung immer sofort eine Entscheidung treffen. Im Klinikum besteht die Möglichkeit, einen Kollegen oder den Weiterbilder zu konsultieren und den Patienten im Laufe des Tages noch einmal aufzusuchen. In der Praxis können Sie Ihren Weiterbilder bei dringenden Fragen ebenfalls ansprechen und den Patienten bitten, so lange im Wartezimmer Platz zu nehmen. Bei weniger schwerwiegenden Fragestellungen ist dies jedoch zu zeitaufwendig. Hier lohnt es sich, den Patienten einfach früher wieder einzubestellen als Sie das bei dem entsprechenden Krankheitsbild sonst tun würden. Dann haben Sie in einer ruhigen Minute genug Zeit, um mit dem Weiterbilder die Fragestellung zu besprechen. 

Konzentrationskurven nutzen

Es kann außerdem vorkommen, dass Patienten mit einer Ihnen unbekannten Begleitung auftauchen. Überlegen Sie in diesem Fall genau, ob die Begleitung so vertrauenswürdig ist, dass Sie den Patienten alle erforderlichen Fragen stellen können. Fragen Sie die Begleitung nach Name und Funktion. Bitten Sie ihn oder sie im Zweifelsfall kurz im Wartezimmer zu warten, um mit den Patienten alleine sprechen zu können. 

Vorteilhaft kann auch das Wissen um die eigene Konzentrationsfähigkeit im Tagesverlauf sein. Jeder Mensch hat unterschiedliche und oft wiederkehrende Phasen, in denen er konzentrierter und weniger konzentriert arbeiten kann. In Abstimmung mit den anderen in der Praxis tätigen Ärzten könnten Sie ihre konzentrierten Zeitfenster nutzen, um Beispielsweise Patientengespräche zu führen, während Sie sich dann in einem weniger konzentrierten Zustand um unwichtigere Dinge wie zum Beispiel die Bürokratie kümmern. Vielleicht erfordert aber gerade die Bürokratie Ihre volle Aufmerksamkeit, während Sie für den Patientenkontakt nur wenig Energie aufbringen müssen. Dann stellen Sie Ihren Tagesrhythmus dementsprechend um. Nur wenn man sich selbst gut kennt, kann man seinen Tagesrhythmus optimal anpassen. 

Nicht unter Druck setzen lassen

Zu Stoßzeiten, wenn Grippewellen kursieren, kann es vorkommen, dass das Telefon nicht still steht und das Wartezimmer nicht leerer zu werden scheint. Setzen Sie sich in diesem Fall nicht unter Druck, sondern nehmen Sie sich für jeden Patienten ausreichend Zeit und verweisen Sie weniger akute Fälle auf den nächsten Tag oder die Praxis eines Kollegen in der Nähe. Der Patient wird es Ihnen später danken, dass Sie sich eingehend mit ihm beschäftigt haben. Denn auch wenn die Ungeduld an diesem Tag vielleicht groß war, geht es letztendlich um die eigene Gesundheit.