Nachgehakt: Wissenschaftliche Unredlichkeiten und Plagiate vermeiden

Die gute Nachricht – Sie können Plagiate vermeiden lernen!

Lässt man die wenigen „Schwarzen Schafe“ außen vor, die sich durch das Studium mogeln wollen, zeigt sich, dass Plagiate zu einem überwiegenden Teil durch Schlamperei beim Recherchieren und/oder Verfassen von schriftlichen Arbeiten entstehen. Zudem sind Studierende häufig noch nicht ausreichend an akademische Textsorten und das Zitieren gewöhnt. Wissenschaft und vor allem das wissenschaftliche Schreiben sind jedoch in hohem Maße reine Übungssache!

Auch wenn Abschlussarbeiten üblicherweise erst zum Studienende entstehen, sollten Studierende nicht zuwarten und schon vor der Abschlussarbeit wissenschaftlich Schreiben und Zitieren üben. Vier Tipps dafür:

  1. Erarbeiten Sie sich die Basics korrekter wissenschaftlicher Literaturarbeit! Am besten noch während des Studiums: Lesen Sie viele akademische Texte und analysieren Sie diese gründlich. Welche Fachbegriffe werden verwendet und was bedeuten diese? Legen Sie sich gegebenenfalls ein Glossar an. Wie werden Zitate eingebaut? Werden AutorInnen aktiv genannt, wenn ja, mit welchen Formulierungen? Wie wird eine stichhaltige Argumentation aufgebaut, wie der eigenen Standpunkt verteidigt? Wie werden Abbildungen und Tabellen beschrieben, etc.?

  2. Üben Sie zu paraphrasieren! Unter paraphrasieren versteht man die Wiedergabe von Inhalten fremder Quellen in eigenen Worten in Ihrem Text. Bloßes Austauschen einzelner Worte reicht allerdings nicht aus, und Fachbegriffe sind immer beizubehalten. Üben können Sie das Paraphrasieren, indem Sie sich nach Vorlesungen nur zwei bis drei Sätze Zusammenfassung notieren. Die „Cornell Notes“ sind eine Notizentechnik, die das fördert (kostenfreie Vorlagen sind im Internet zu finden). Exzerpieren Sie bei Büchern und wissenschaftlichen Texten in Ihren eigenen Worten, worum es geht. Führen Sie das verstärkt fort, sobald Sie ein Thema für Ihre Abschlussarbeit haben und mit der Literaturrecherche beginnen. Selbstverständlich sind dabei immer die korrekten Zitate zu setzen.

  3. Lernen Sie die Funktionen von Zitaten kennen! Hochschullehrende meinen noch immer allzu oft, dass die bloße Angabe, welchen Zitierstil sie sich in einem studentischen Text vorzufinden erwarten, Studierenden als Anleitung zum Erstellen von Texten ausreichen würde. Leider ist dem nicht so – Studierende können die diversen Funktionen von Zitaten erst an Hochschulen während der Erstellung ihrer eigener Texte erlernen und wirklich verstehen. Die wichtigsten Funktionen von Zitaten sind: sie schützen vor Fehlern anderer AutorInnen, vermeiden Plagiatsverdacht, legen Definitionen fest, bestärken die eigenen Hypothesen, zeigen an, wie gut man sich in der Literatur des eigenen Forschungsgebietes bereits auskennt und vieles mehr.

  4. Planen Sie unbedingt genug Zeit für die abschließende Überarbeitung ein! Bei Plagiatsprüfungen von studentischen Texten bekomme ich leider sehr viele erste Fassungen zu sehen, die allerdings schon bald danach abgegeben werden sollen. Sie strotzen nur so vor Tipp- und Grammatikfehlern und sind an vielen Stellen auch inhaltlich noch gar nicht ausgereift. Eine gründliche Überarbeitung als wichtiger finaler Schritt lässt den Text erst reifen und natürlich braucht es immer auch etwas Zeit, um gegebenenfalls Zitate nochmals kontrollieren zu können.

Studentenprobleme, die nichts mit dem „Leben danach“ zu tun haben? Nicht unbedingt! Auch außerhalb des Bildungssystems wird die wissenschafliche Integrität zunehmend zu einem Karrierefaktor: Wer an der Universität betrügt, betrügt später auch im Beruf? So die Befürchtung vieler ArbeitgeberInnen. Glücklicherweise kann man sich gegen unabsichtliches Übertreten der Regelungen schützen und einüben gute und korrekte Texte zu verfassen.

Über die Autorin

Viele Tipps für gutes wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben und darüber hinaus zu allen Themen des Studiums und den Einstieg in den Beruf sind im Buch "Erfolgreich in Studium und Karriere – Fit durch Selbstcoaching" von Natascha Miljković und René Merten zusammengefasst. Die Autoren schlagen eine Brücke von den notwendigen Kompetenzen (Soft und Hard Skills) über wichtige Aspekte im Studium, wie das richtige Lernen, bis hin zum Aufbau eines beruflichen Netzwerks und den Start der eigenen Karriere.

Mag.a Dr.in Natascha Miljković ist Inhaberin der Firma "Zitier-Weise", Science Counsellor und präventive Plagiatsprüferin. Sie berät Bildungseinrichtungen zum Themenkreis akademische Unredlichkeiten und ist als Vortragende, Autorin und Editorin tätig.

Kontakt: office@plagiatpruefung.at