Nachgehakt: Wissenschaftliche Unredlichkeiten und Plagiate vermeiden

Eine ungenaue Arbeitsweise beim Schreiben der Doktorarbeit kann einem später zum Verhängnis werden, wie die Plagiatsskandale der Vergangenheit gezeigt haben. Fachbuchautorin und Science Counsellor Natascha Miljković gibt Tipps zur Plagiatsvermeidung.

Plagiat

Seit Plagiatsvorwürfen gegen einige Politiker ist das Thema in den Schlagzeilen mehr denn je | CC0 Creative Commons

Mit der Immatrikulation an einer Hochschule gehen diese einen Bildungs- und Betreuungsauftrag mit den Studierenden ein. Die wiederum verpflichten sich zur Einhaltung aller Hochschulgesetze und Richtlinien. Beim wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben kommen besonders die Regelungen für gute wissenschaftliche Praxis zu tragen.

Wie in vielen sozialen Systemen gelten auch im Hochschulwesen viele implizite, also nicht ausdrücklich vermittelte, Grundsätze, die man leicht Gefahr laufen kann zu übertreten. Anders als bei Forschenden entstehen bei Studierenden viele wissenschaftliche Unredlichkeiten daher auch viel häufiger durch fehlendes Wissen zu den Grundsätzen und mangelnde Übung beim Schreiben.

Was sind wissenschaftliche Unredlichkeiten?

Was die akademische bzw. wissenschaftliche Integrität genau ausmacht, ist umstritten: Jedes Fachgebiet stellt andere Anforderungen an Studierende und Forschende, die durch die fortlaufende Sozialisierung im Arbeitsumfeld erst nach und nach erlernt werden. Die wichtigsten universell gültigen Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis sind in jedem Fall die Verpflichtung zu Selbstkritik und Ehrlichkeit, Daten nach bestem Wissen und Gewissen äußerst sorgsam zu erheben und zu verarbeiten und alle Geschehnisse rund um die wissenschaftliche Arbeit zu dokumentieren.

Gibt es grobe Vernachlässigung einer oder mehrerer dieser Verpflichtungen, werden wissenschaftliche Unredlichkeiten in Kauf genommen. Einige Beispiele:

  • Datenfälschung: Daten werden nicht korrekt erhoben, nicht sorgsam und nach statistisch sinnvollen Prinzipien ausgewertet; durch Weglassen, Verändern oder Hinzufügen von Datensätzen wird die Auswertung bewusst verfälscht; Daten werden nicht sorgfältig genug gesichert und können schon nach wenigen Jahren nicht mehr vorgewiesen werden.
  • Falschautorenschaften: Publikationen sind die „Währung“ der Wissenschaft, genauer der „Impact Factor“ der Journale, in denen man publiziert wird – je höher dieser ist, desto besser für die WissenschafterInnen. In diesem Zusammenhang kommen immer wieder unterschiedliche Formen von Unredlichkeiten vor: Forschende lassen KollegInnen, die wesentlich zu einer Publikation beigetragen haben irrtümlich oder mutwillig weg (ghost authors); KollegInnen, die nichts Maßgebliches beigetragen haben, werden der Ehre halber auf der Publikation angeführt (EhrenautorInnen); Personen werden auf einer Publikation an der falschen Position angeführt (oft gilt, je weiter vorne in der Reihung, umso essentieller der Beitrag der/des Jeweiligen); AutorInnen werden genannt ohne sie vorher über die Publikation in Kenntnis zu setzen, wodurch diese keine Einflussnahme auf den Inhalt hatten.
  • Akademisches Ghostwriting: Studierende geben die Verfassung einer schriftlichen Arbeit bei AutorInnen in Auftrag, studienrechtlich ist dabei unerheblich, ob diese dafür entlohnt wurden oder nicht; diese Form der Unredlichkeit wird von Hochschulen immer als Betrug aufgefasst und strengstens geahndet.
  • Diverse Formen von Plagiaten: Plagiate sind komplette Übernahmen von Texten (Vollplagiat) bzw. sehr viel häufiger teilweise wortwörtliche Übernahmen von Texten Dritter ohne diese Personen zu zitieren; neben Texten werden auch Ideen, Abbildungen und viele andere Inhalte unrechtmäßig weiterverwendet; in Lehre und Forschung besteht urheberrechtlich eher weniger Grund zur Sorge denn studienrechtlich – ein absichtliches oder unabsichtliches Plagiat kann schwer geahndet werden, da auch dies als Betrugsversuch ausgelegt wird.