Beruf und Karriere – Was junge Ärzte wirklich wollen

Was wollen angehende und junge Ärzte? Für welchen Karriereweg entscheiden sie sich und wann legen sie sich darauf fest? Antworten darauf lieferte Nina Walter, stellvertretende Geschäftsführerin der Landesärztekammer Hessen (LÄKH), auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Frankfurt.

Nina Walter

Nina Walter, Leiterin Stabsstelle Qualitätssicherung und stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin, Landesärztekammer Hessen. | Tanja Schepp

Fast jeden Tag werde in den Zeitungen über den Medizinernachwuchs berichtet, so Walter. Die Aussagen entsprächen allerdings nicht in jedem Fall der Realität. Um tatsächliche valide Fakten vorlegen zu können, führt die LÄKH daher seit über einem Jahrzehnt Befragungsprojekte bei Medizinstudierenden durch, bei denen angehende Ärzte in verschiedenen Stufen ihres Studiums zu ihren persönlichen Daten und Aspekten der Ausbildung befragt werden.  

Seit 2009 werden gezielt Absolventinnen und Absolventen der Ärztlichen Prüfung befragt. Als Erhebungsinstrument dient dabei ein teilstandardisierter Fragebogen, der kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die Zielgruppe der seit Herbst 2009 laufenden Befragungen sind alle Absolventen der ärztlichen Prüfung der drei medizinischen Fakultäten in Hessen. Zusammen mit ihren Examensergebnissen erhalten sie den Fragebogen und schicken diesen ausgefüllt zurück und werden ausgewertet. Aus dieser Längsschnittstudie konnten bisher Daten von rund 2300 Absolventen der Ärztlichen Prüfung ausgewertet werden. Walter stellte in ihrem Vortrag einige interessante Fakten vor. 

Fast zwei Drittel der Medizinstudierenden sind Frauen

Der Studie zufolge sind mittlerweile 64 Prozent der Medizinstudierenden weiblich und dementsprechend 36 Prozent männlich. Die Nationalitäten verteilen sich wie folgt: 95,5 Prozent der Studierenden stammen aus Deutschland, 1,9 Prozent aus dem EU-Ausland und 2,6 Prozent Nicht-EU-Ausland. 

Zu Beginn des Studiums streben rund 39 Prozent der Studierenden eine Anstellung in der Klinik an, 25 Prozent haben noch keine konkreten Pläne, 21,9 Prozent wollen sich als Facharzt niederlassen, 8,8 Prozent als Hausarzt und 1,9 Prozent wünschen sich eine Beschäftigung im nicht-kurativen Bereich. Unmittelbar nach Abschluss des Studiums sehen die jungen Ärzte ihre berufliche Perspektive eher in der stationären Versorgung (42%), als im ambulanten Bereich (39%). Von denen, die eine ambulante Tätigkeit anstreben, wollen mehr fachärztlich (28%) als hausärztlich (11%) tätig werden. Der Anteil der Frauen, die im ambulanten Bereich im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses tätig werden wollen, ist um ein Vielfaches höher als bei den Männern. Nur wenige der hessischen Absolventen wollen dauerhaft im Ausland tätig werden (4%).

Warum Medizin studieren?

Warum haben Sie sich für das Medizinstudium entschieden? Auf diese Frage antworteten 64 Prozent mit wissenschaftlichem oder medizinischem Interesse, 61 Prozent halten die Medizin für eine interessante und vielseitige Tätigkeit, 55,7 Prozent schätzen den Umgang mit Menschen und 32 Prozent wollen gerne helfen (Mehrfachnennungen waren möglich). Materielle Gründe spielten bei den Angaben der Befragten als Motivationsgrund eine untergeordnete Rolle.

 

Ein Drittel will Karriere an Klinik machen

Als langfristiges Ziel strebt ein Drittel der Befragten eine Position als Oberarzt an, 21 Prozent wollen fachärztlich selbstständig werden und lediglich 5 Prozent möchten Chefarzt oder Chefärztin werden. Dazu Walter: „Den ganz großen Stress wollen sich die meisten nicht unbedingt antun.“

Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie ganz oben

Auf der Wunschliste der Facharztausbildung nach dem Studium stehe bei  Medizinstudium die Innere Medizin (20 Prozent) ganz oben, gefolgt von der Chirurgie (16 Prozent)  und der Anästhesiologie (10 Prozent), so Walter. Dabei mache es kaum einen Unterschied, ob es sich bei den Befragten um Studierende zu Beginn des Studiums handle oder um Studierende in höheren Semestern, die den Abschluss bereits vor Augen hätten. Die Zahlen blieben bis auf kleinere Abweichungen konstant.

 

Studium mit geringer Absprungrate

Das Fach Humanmedizin habe im Vergleich zu Studiengängen wie BWL oder Jura die geringste Absprungrate und die meisten Absolventen, die nach ihrem Abschluss auch ihren Beruf ausüben wollen (98 Prozent).  So liege die Abbruchquote bei Humanmedizin bei rund acht Prozent. Demgegenüber stünde das Fach  Rechtswissenschaften mit einer Abbruchquote von rund 26 Prozent.  Danach befragt, ob sie sich rückblickend betrachtet noch einmal für ein Medizinstudium entscheiden würden, gaben 87 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Absolventen an, dies wieder zu tun.  Das Studium der Medizin dauere durchschnittlich 13 Semester, der durchschnittliche Absolvent des Medizinstudiums sei 27 Jahre alt. Das im Vergleich zu Absolventen anderer Studienrichtungen hohe Durchschnittsalter sei mitunter auf die langen Wartezeiten auf einen Studienplatz zurückzuführen, so Walter. Hierbei bestehe noch Optimierungsbedarf.

Quelle: Operation Karriere Kongress Frankfurt/Main  2016, Eröffnungsvortrag „Beruf und Karriere – Was junge Mediziner wirklich wollen“, Nina Walter, Leiterin Stabsstelle Qualitätssicherung und stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin, Landesärztekammer Hessen.