"Einfach machen!" – Allgemeinärztin Catharina Reitz über den Schritt in die Selbständigkeit

Catharina Reitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, hat den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. 2015 eröffnete sie ihre eigene Praxis im hessischen Butzbach. Wie es dazu kam und was eine Niederlassung mit sich bringt, verrät sie im Interview.

Catharina Reitz

Catharina Reitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, hat 2015 den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. | Catharina Reitz

Frau Reitz, wann haben Sie den Entschluss gefasst, sich niederzulassen?

Ich habe mich schon während meiner Facharztweiterbildung mit dem Gedanken einer eventuellen Niederlassung beschäftigt. Die endgültige Entscheidung einer zukünftigen Niederlassung fiel dann nach meiner Weiterbildungszeit in der Allgemeinmedizin. 

Warum fiel Ihre Wahl auf Butzbach?

Die Wahl fiel auf Butzbach, da aufgrund der Bedarfsplanung von 2013 in Butzbach noch freie Sitze für die Allgemeinmedizin zur Verfügung standen und ich somit die Möglichkeit hatte eine von Grund auf neue Praxis zu eröffnen.

War es schwierig, Personal zu finden?

Nein, im Gegenteil. Ich musste nicht eine Stellenausschreibung bzw. -anzeige schalten. 

Wie haben Sie Ihre Praxis geplant?

Die Praxisplanung lief parallel zu einer Vollzeittätigkeit als Notärztin. Ich habe mich nach und nach mit den einzelnen relevanten Themen einer Praxisneugründung befasst. Ich habe mir diverse Angebote von Herstellern und Zulieferern eingeholt, Preise verglichen, etc… Weiterhin habe ich mich von der KV Hessen am Standort Frankfurt beraten lassen.

Wurden Sie bei der Vorbereitung von jemandem unterstützt?

Riesengroße seelische und moralische Unterstützung habe ich von meinem Freund und meiner Familie erhalten. Für Verträge und dergleichen wurde ich anwaltlich unterstützt.

Was empfehlen Sie jungen Fachärztinnen und Fachärzten, die mit dem Weg in die Selbständigkeit liebäugeln?

Einfach machen!!!  Als wirklich gute Anlaufstelle kann ich immer wieder die KV empfehlen, auch wenn viele Kollegen da anderer Meinung sind. 

Sie haben nach Ihrer Facharztausbildung zunächst  in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet. Wenn Sie Ihre Zeit damals mit der Zeit jetzt als niedergelassene Ärztin vergleichen, wo liegen die Vor- und Nachteile einer freiberuflichen Tätigkeit für Sie?

Ich bin mein eigener Chef, kann meine Praxis mit den damit verbundenen Strukturen selbst organisieren. Zudem habe ich deutlich mehr Spielraum, Entscheidungen zu treffen. Freie Zeit- und Urlaubsplanung ist auch ein großer Vorteil.

Was hat Sie dazu bewogen, Ärztin zu werden?

Ich wollte es mal besser machen - nachdem im näheren Bekanntenkreis jemand über Jahre fehldiagnostiziert wurde und letztendlich im fernen Ausland, unter nicht europäischen Bedingungen, notoperiert werden musste, fiel für mich drei Jahre vor dem Abitur die Entscheidung für das Medizinstudium.

Würden Sie sich noch einmal für ein Medizinstudium entscheiden?

Ja, jederzeit wieder! Ich hatte zwar zwischenzeitlich - in der vorklinischen Zeit - auch mal mit dem Gedanken gespielt das Studium zu schmeißen, damals hat mir jedoch meine eigene Hausärztin ins Gewissen geredet - Gott sei Dank. Und nach bestandenem Physikum verlief das Studium dann auch reibungslos. 

Meine Praxis ist mittlerweile bereits Lehrpraxis für die Justus-Liebig-Universität Gießen, demnach haben wir in regelmäßigen Abständen auch Studenten für das allgemeinmedizinische Blockpraktikum in der Praxis. Auch hier möchte ich letztendlich mit gutem Beispiel voran gehen und den angehenden Kollegen die Allgemeinmedizin als auch die Niederlassung schmackhaft machen.

 

Wie steht es bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in eigener Praxis mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Zu dieser Frage kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider aus keinem großen Erfahrungsschatz berichten. Da ich zurzeit als One-Man-Show tätig bin, war für mich von vornherein klar, dass gerade zu Beginn meiner niedergelassenen Tätigkeit mit Praxisneugründung längere Zeiten von Urlaub oder Arbeitsausfall nicht möglich sind. Denn zunächst muss ich für mich ja erst einmal einen Patientenstamm aufbauen. Aber ich denke, wenn die Praxis in ein bis zwei Jahren mal gut etabliert ist, ist auch wieder an einen längerem Urlaub oder sogar an Familienplanung zu denken.

In einer Gemeinschaftspraxis ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in jedem Fall leichter zu gewährleisten, da man sich kollegial vertreten kann.

Frau Reitz, vielen Dank für das Interview.