Der erste Arbeitgeber

Unabhängig davon, ob man seine Weiterbildung in einer Praxis oder einem Klinikum absolviert, gibt es einige Punkte, auf die man bei der Wahl des ersten Arbeitgebers achten kann.

Erster Arbeitgeber

Beim Vorstellungsgespräch kann man auch über persönliche Präferenzen sprechen. | Syda Productions/Fotolia

Sehr wichtig ist das Arbeitsklima. Durch Famulaturen und das PJ hat man zwar bereits praktische Erfahrungen gesammelt, dennoch ist es etwas völlig anderes, nun in ärztlicher Verantwortung zu stehen. Deshalb ist ein guter Austausch mit den Kollegen wichtig. Um herauszufinden, wie die Klinik oder Praxis organisiert ist, befragt man am besten den Weiterbildungsbefugten, also den Chefarzt oder Praxisinhaber, zu den wichtigsten Aspekten. Strebt man die Weiterbildung an einem Klinikum an, hat man außerdem die Möglichkeit, es selbst zu besuchen und mit den dort tätigen Ärzten zu sprechen. Meist findet man dann sehr schnell heraus, ob in den Abteilungen ein kollegialer Teamgeist herrscht.

Essenziell ist außerdem, dass der zukünftige Arbeitgeber eine fachlich und formal gute Weiterbildung ermöglicht. Grundvoraussetzung hierfür ist eine Weiterbildungsbefugnis. Auf der Homepage der jeweiligen Landesärztekammer kann man unter der Rubrik Weiterbildungsbefugte überprüfen, ob der Arbeitgeber weiterbildungsberechtigt ist. Was eine gute Weiterbildung ausmacht, ist natürlich auch individuell unterschiedlich. Will man forschen und gegebenenfalls habilitieren und hat man Interesse an hochspezialisierter Medizin, bietet sich ein Universitätsklinikum als Arbeitgeber an. Wünscht man sich einen günstigen Stellenschlüssel und eine umfassende klinische Ausbildung, kommt eher ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung in Betracht. Oder man legt Wert auf einen schnellen Aufstieg zum Fach- oder Oberarzt, mag den persönlichen Austausch in einem eher kleinen Team und kann sich das Rotieren in lokalen Partnerhäusern gut vorstellen. Dann ist eine Klinik der Grund- und Regelversorgung vielleicht der richtige erste Arbeitgeber.

 

Gut ist außerdem, sich den Arbeitsvertrag ganz genau anzuschauen. Bestenfalls ist er auf fünf Jahre befristet, also auf die Dauer der Weiterbildung. Oft wird zunächst auch eine Befristung von zwei Jahren, mit Option auf Verlängerung, angeboten. Dies ist noch akzeptabel. Wenn vertraglich aber nur die Vertretung von Schwangerschafts- oder Mutterschutzzeiten von einigen Monaten festgelegt wird und die Weiterbeschäftigung seitens des Chefarztes nur mündlich erfolgt, sollte man sich, wenn man sichergehen will, die Weiterbeschäftigung schriftlich bestätigen lassen. Auch bei der Vergütung gibt es einiges zu beachten. Grundsätzlich abgesichert ist man, wenn der Tarifvertrag mit dem Marburger Bund ausgehandelt ist. Aber auch hier gibt es Unterschiede der einzelnen Klinikbetreiber (13. oder 14. Monatsgehalt, Überstundenregelung, Schichtzulagen etc.), weshalb sich das genaue Lesen lohnt.

Weitere individuelle Faktoren spielen bei der Wahl des ersten Arbeitgebers eine Rolle. Liegt die Klinik oder die Praxis nahe des eigenen Wohnorts, spart man Anfahrtszeit, die man für zeitintensive Hobbys oder die Familie aufwenden kann. Hat man selbst kleine Kinder, benötigt man als Klinikarzt oder Klinikärztin eine Kinderbetreuung im Haus oder in der Nähe. Legt man Wert auf ein reichhaltiges Kultur- und Veranstaltungsangebot, wird man die Metropole einer ländlichen Arbeitsumgebung vorziehen. Wie viel Gewicht man diesen individuellen Faktoren einräumt, hängt letztlich von persönlichen Vorlieben ab.