Das richtige Outfit fürs Vorstellungsgespräch - Tipps von Stilberaterin Claudia Reuschenbach

Im Vorstellungsgespräch geht es darum, den potenziellen neuen Arbeitgeber von sich zu überzeugen – von Deiner Qualifikation, aber auch von Deiner Persönlichkeit. Mit welchem Outfit Du dabei punkten kannst, verrät Stilberaterin Claudia Reuschenbach im Interview.

Claudia Reuschenbach ist ausgebildete Stylistin, Visagistin und Diplom-Kauffrau. | © Nicole Wahl Fotografie

Frau Reuschenbach, warum ist Kleidung überhaupt so wichtig, um beim Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck zu machen? Sollten nicht meine Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen?

Claudia Reuschenbach: Ob wir es wollen oder nicht – wir werden nach Äußerlichkeiten beurteilt. Wir positionieren uns und machen so Eigenmarketing. Das Gute daran ist, dass wir den ersten Eindruck selbst steuern können. Daher ist es doch für jeden – gerade beim Vorstellungsgespräch – ein Leichtes, mit der richtigen Kleidung und einem sympathischen Lächeln einen tollen ersten Eindruck zu machen.

Man liest oft pauschal: Fürs Vorstellungsgespräch Anzug mit Krawatte oder Kostüm. Gilt das immer noch, oder gibt es heute mehr modischen Spielraum?

Claudia Reuschenbach: Mit Anzug beziehungsweise Kostüm können Sie nichts falsch machen. Doch das Wichtigste ist, dass Sie sich darin auch wirklich wohl fühlen. Denn damit strahlen Sie dann auch mehr Selbstsicherheit aus. Aber trotzdem stimmt es, dass es auch andere Möglichkeiten gibt: Business-Casual-Kleidung ist heute absolut akzeptiert, auch im Vorstellungsgespräch. Allerdings bringen Sie Ihrem zukünftigen Arbeitgeber mit konservativer Kleidung doch noch etwas mehr Wertschätzung entgegen. Wenn Sie sich aber nur in Jeans und Sakko beziehungsweise Blazer zu Hause fühlen, sollten Sie lieber als „Sie selbst“ zum Vorstellungsgespräch gehen und sich nicht verkleiden. Der Arbeitgeber will ja auch seinen potenziell neuen Mitarbeiter als Person kennenlernen – und da gehört das Outfit eben auch dazu.

Sie haben gerade den Begriff „Business-Casual“ benutzt. Was bedeutet das genau?

Claudia Reuschenbach: Business-Casual ist eine „lässigere Variante“ des klassischen Outfits mit Anzug oder Kostüm. Bei Business-Casual nimmt man ein bis zwei Elemente aus dem Business-Outfit raus und ersetzt sie durch weniger formale Teile. Ein Beispiel: Ein klassisches Business-Outfit wäre ein Hemd oder eine Bluse, ein Sakko und eine Anzughose oder ein passender Rock, dazu Business-Schuhe. Für Business-Casual kann man die formale Hose durch eine ordentliche Jeans ersetzen und die Krawatte weglassen. Oder man ersetzt die Bluse durch ein schickes Top. Wenn einige Business-Teile durch lässigere Kleidungsstücke ergänzt werden, wirkt das Outfit insgesamt lockerer und nicht mehr so konservativ, aber sieht nicht gleich wie ein Freizeit-Look aus.

Welche Rolle spielt der Arbeitgeber? Macht es einen Unterschied, ob man sich beispielsweise bei einer Uniklinik, einer kleinen kommunalen Klinik oder einem Pharmakonzern bewirbt?

Claudia Reuschenbach: Erkundigen Sie sich vorher, was Ihr eventuell zukünftiger Chef oder derjenige, mit dem Sie das Vorstellungsgespräch haben, für ein Mensch ist. Die Person ist noch entscheidender als das Unternehmen, bei dem man sich bewirbt – schließlich soll im Vorstellungsgespräch ja auch Sympathie entstehen. Wenn der- oder diejenige selbst unter dem Arztkittel einen Anzug beziehungsweise ein Kostüm trägt, würde ich diese Information aufnehmen und mich auch so ähnlich kleiden. Dafür kann man zum Beispiel auf der Klinik-Webseite recherchieren, wie der Chef dort auf offiziellen Fotos auftritt.

Bewerbungsgespräch

Früher ging es in einem „Bewerbungsgespräch“ darum, als angehender Assistenzarzt bzw. als angehende Assistenzärztin vom Chefarzt geprüft zu werden. Heute, im Zeitalter des Ärztemangels, prüft man eher selbst.

weiterlesen

Welche Farben sollte man fürs Vorstellungsgespräch wählen, und welche sollte man lieber meiden?

Claudia Reuschenbach: Mit Businessfarben wie dunkelblau, grau und anthrazit sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite. Nehmen Sie diese Farben als Basis, für zum Beispiel einen Anzug. Kombiniert mit weiß, hellblau oder einem hellen Grau als Hemd oder Bluse sehen Sie sachlich, professionell und gut strukturiert aus. Frauen haben bei Farben mehr Auswahl. Wenn Ihnen also danach ist, können Sie zum Beispiel auch zu einem schönen Beerenton als Bluse greifen. Männer können über die Krawatte und über das Hemd ein bisschen Farbe ins Spiel bringen. Es gibt aber ein paar No-Go-Farben, von denen ich abrate: Das sind sehr warme Farben wie Orange oder ein knalliges Gelb – das passt weder zur Ärzte-, noch zur Business-Kleidung.

Welche Rolle spielen Schmuck, bestimmte Accessoires und Make-up bei Frauen? Wie findet man hier das richtige Maß?

Claudia Reuschenbach:  Grundsätzlich würde ich zu dezentem Schmuck, dezenten Accessoires und dezentem Make-up raten. Dann können Sie nichts falsch machen. Natürlich es so, dass Ihr Outfit auch Sie selbst darstellt. Wenn Sie also ein extrovertierter, avantgardistischer Typ sind, können Sie das auch zeigen. Dazu gehören dann großer Schmuck, sichtbare Tattoos oder außergewöhnliche Schuhe. Der zukünftige Arbeitgeber soll ja erkennen, welche „Marke“ er sich einkauft. Denn nur so unverstellt wird man dann später im Team auch zusammenfinden.

Worauf sollte man bei der Frisur achten?

Claudia Reuschenbach: Wichtig ist auch hier: Seien Sie authentisch! Auch wer als Mann lange Haare hat, sollte nicht vor dem Vorstellungsgespräch extra zum Friseur gehen und die Haare abschneiden lassen. Als Frau lohnt sich vielleicht ein Friseurbesuch ein paar Tage vorher, damit die Frisur für diesen wichtigen Termin gut sitzt und dem Gesicht einen schönen Rahmen gibt. Aber insgesamt sind Frisuren natürlich sehr individuell – da ist es schwer, pauschal etwas zu raten. Außer: ordentlich kommt immer gut an.

Welche No-Gos gibt es?

Claudia Reuschenbach: Das alleroberste Gebot beim Vorstellungsgespräch lautet: Sehen Sie absolut gepflegt aus. Das fängt bei den geputzten Zähnen an, geht über saubere Fingernägel bis hin zu gebügelter Kleidung und akkurates Schuhwerk. Schuhe sind extrem wichtig: Die Schnürsenkel sollten nicht kaputt sein und die Sohlen und Absätze sollten nicht abgelaufen sein. Ob man jetzt Jeans mit Sakko/Blazer oder einen Anzug trägt, ist meiner Meinung nach nicht das Wichtigste. Ein No-Go wäre totale Freizeit- oder Sportkleidung – so würde ich nicht zum Vorstellungsgespräch gehen. Aber ich glaube, das ist auch jedem klar. Speziell bei Frauen würde ich davon abraten, zu viel Haut zu zeigen – egal, ob am Dekolleté oder am Bein. Das ist zu sexy und ordnet die Bewerberin gleich in eine bestimmte Rolle ein – das ist sicherlich nicht förderlich, wenn man für seine Fähigkeiten und Qualifikationen eingestellt werden möchte.

Wie sieht das perfekte Bewerbungsoutfit aus, mit dem man nichts falsch machen kann?

Claudia Reuschenbach: Als Mann sind Sie mit einem gut sitzenden Anzug mit Hemd, Krawatte und Businessschuhen auf der sicheren Seite. Die Krawatte ist heutzutage schon ein bisschen overdressed und kann auch weggelassen werden. Als Frau ist ein Hosenanzug oder ein Kostüm in Kombination mit einer Bluse oder einem Blusentop optimal. Wer es lässiger mag, kann einfach die Anzughose oder den Rock durch eine dunkle Jeans ersetzen. Aber: Lassen Sie auf keinen Fall den Blazer beziehungsweise das Sakko weg! Das ist ein totaler Kompetenzgarant und sieht immer professionell und qualifiziert aus. Unterm Strich ist superwichtig, dass Sie sich in Ihrer Kleidung authentisch präsentieren und wohl fühlen. Das strahlen Sie dann nämlich auch aus.
 

Claudia Reuschenbach ist ausgebildete Stylistin, Visagistin und Diplom-Kauffrau. Sie hat in den Führungsetagen von DAX-Unternehmen wie der Deutschen Telekom AG und der Post AG gearbeitet. In ihrem Studio in Bonn bietet sie individuelle Image- und Outfitberatungen für Männer, Frauen und Gruppen an.

Kontakt und mehr Infos: info@stilstrategie.de, www.stilstrategie.de

Dieser Beitrag erschien zuerst auf aerztestellen.de, dem Stellenmarkt des Deutschen Ärzteblatts (24.03.2020)