Anästhesie: Mehr als der Sandmann

Die Anästhesie ist unter Ärzten dafür bekannt, wenig spannend und abwechslungsreich zu sein. Mit diesem Vorurteil möchte Benjamin Preime aufräumen.

Benjamin Preime

Benjamin Preime arbeitet als Anästhesist im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. | DÄV/Görtz

Benjamin Preime ist Stabsarzt bei der Bundeswehr und als Anästhesist im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin tätig. Er erklärte, dass an der Anästhesie viel mehr dran sei, als alle denken. Denn in der Anästhesie geht es nicht nur darum, die Patienten schlafen zu legen und wieder aufwachen zu lassen, sondern es gibt verschiedene Fachgebiete. Hierzu gehören neben der klassischen Anästhesie auch die Intensivmedizin, die Notfallmedizin, die Schmerzmedizin und die Palliativmedizin.

Die Intensivmedizin und die Notfallmedizin sind dabei sehr ähnlich, wobei man bei ersterer stationär und bei letzterer ambulant arbeitet und unterwegs ist. Die Arbeit in der Notfallmedizin sei auch schon früh im Facharzt möglich, so Preime, wenn man die notwendigen Zusatzweiterbildungen und die Prüfung abgelegt hat. Je nach Bundesland wäre dies nach zwei bis drei Jahren möglich.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile sind Vielfältigkeit aus der Sicht von Preime. Man komme in Kontakt mit Patienten aller Altersklassen – vom Neugeborenen bis zum 100-jährigen – und erhält Einblicke in alle Fachrichtungen. Der Patient wird als Ganzes gesehen und nicht nur anhand der derzeitigen Beschwerden untersucht. Als Anästhesist trägt man früh Eigenverantwortung und hat verschiedene Spezialisierungsmöglichkeiten. Ein weiterer Vorteil ist die Work-Life-Balance. Ein Chirurg kann nicht einfach mitten in einer OP unterbrechen und an einen Kollegen weitergeben – der Anästhesist schon. Dadurch gibt es geregeltere Arbeitszeiten und ebenso der bei anderen Fachrichtungen anfallende Papierkram sowie die Visite entfallen.

Die Nachteile sind natürlich bekannt. Man gilt als "Narkose-Arzt" und als Dienstleister der Ärzteschaft, teilweise ist man sogar als Sündenbock während einer Operation. Doch hier müssen auch die Stärken eines Anästhesisten liegen: mit den anderen Ärzten gut interagieren und kommunizieren. Der Patient muss immer im Vordergrund stehen und im Auge behalten werden. Denn wird es doch kritisch während einer Operation, muss man schnell eingreifen, handeln und Lösungen finden.