Überblick: Weiterbildung Facharzt Radiologie

Nur wenige Ärzte entscheiden sich für eine Weiterbildung in der Radiologie, dabei ist das Fach sehr spannend und bietet viel Raum für die persönliche Weiterentwicklung. Hier geht es zu den Inhalten der Weiterbildungsordnung.

Die Radiologie entwickelt sich ständig weiter. | Symbolfoto | Avenue Images

Nur zwei Prozent aller Ärzte in Deutschland sind in der Radiologie tätig. Damit ist die Radiologie ein kleines Fach mit einer großen Wirkung, denn ohne den radiologischen Befund findet heutzutage keine OP mehr statt. Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth vom Institut für Klinische Radiologie der LMU München bezeichnet die Radiologie sogar als "Drehscheibe in der Klinik."

Als Arzt dieses Fachgebiets ist man immer abhängig von der Technik, die sehr teuer ist. Außerdem kommen immer wieder technische Innovationen auf den Markt, mit denen man als Radiologe umgehen muss. Ein lebenslanges Lernen ist deshalb in diesem Fachgebiet Voraussetzung. 

Als sehr positiv bewerben niedergelassene Radiologen ihr Einkommen. Sie verdienen mehr als alle anderen Kollegen, so Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth. Zu den weiteren Vorteilen zählen der geringe bürokratische Aufwand und die geregelten Arbeitszeiten. 

Schnittstellen mit der Radiologie gibt es in nahezu allen Fachbereichen. Die engsten Überschneidungen bestehen mit der Chirurgie und Inneren Medizin, insbesondere der Onkologie. Daher ist die Radiologie kein 'Einzelgänger-Fach', sondern es wird neben selbstständiger Arbeit auch viel Teamgeist und Zusammenarbeit vorausgesetzt. Regelmäßig wird sich zu interdisziplinären Fallbesprechungen getroffen.

Keine Vollnarkose bei der Behandlung

In der interventionellen Radiologie werden minimal-invasive Eingriffe wie z.B. Gefäßpunktionen, rekanalisierende Maßnahmen und gefäßverschließende Verfahren durchgeführt. Anders als in der Chirurgie wird bei den interventionell-radiologischen Therapieverfahren zumeist keine Vollnarkose eingesetzt. Der Radiologe kann daher während der Behandlung mit dem Patienten sprechen, was einen intensiven Patientenkontakt bedeutet.

Zu Beginn der Facharztausbildung steht zunächst die Interpretation der Ergebnisse bildgebender Verfahren auf der Agenda. Die im Studium erlernten Kenntnisse zur Anatomie müssen durch ständiges Training angewendet werden, damit Pathologien erkannt und behandelt werden können. Wer dies neben der klinischen Tätigkeit trainieren möchte, erhält bei der Akademie für Fort- und Weiterbildung in der Radiologie Unterstützung. Sie bietet kostenpflichtige zertifizierte Online-Kurse für Assistenzärzte in der Weiterbildung an. Kostenfreie Kurse gibt es für Medizinstudierende, die sich auf ihr Examen vorbereiten wollen. Veranstalter der Online-Akademie-Kurse ist die Deutsche Röntgengesellschaft e.V.  

Radiologen arbeiten nur in der Dunkelkammer, haben kaum Patientenkontakt und sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm – warum diese Vorurteile nicht stimmen und wie die Arbeit als Radiologe wirklich ist, erklärte Dr. Sarah Hasselmann (Arnsberg) auf dem Operation Karriere-Kongress in Bochum.

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Fakten zur Weiterbildung Facharzt/Fachärztin für Radiologie

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Radiologie beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon können 

  • zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung erfolgen

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Radiologie

  • Klinische Grundlagen sowie bildmorphologische und diagnoseweisende Merkmale von traumatischen, degenerativen, angeborenen, metabolischen, inflammatorischen, infektiösen und Tumor-Erkrankungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter sowie deren Zuordnung zu Erkrankungsstadien und deren Differentialdiagnosen
  • Besonderheiten bildgebender Untersuchungen, insbesondere bei Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen sowie Schwangeren einschließlich des Schutzes vor ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung
  • Vorbereitung und Durchführung von radiologischen Demonstrationen, interdisziplinären Konferenzen einschließlich Tumorkonferenzen (Richtzahl: 50)
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung

Indikationsstellung

  • Indikation einschließlich rechtfertigender Indikationsstellung für alle radiologischen bildgebenden und interventionellen/endovaskulären bildgestützten Verfahren unter Berücksichtigung der spezifischen Risiken und möglicher Komplikationen
  • Bewertung und Vergleich der Aussagekraft bildgebender Verfahren für unterschiedliche diagnostische Fragestellungen, insbesondere Radiographie, Fluoroskopie, CT, MRT und Sonographie

Strahlenschutz

  • Prinzipien der ionisierenden und nichtionisierenden Strahlung und des Strahlenschutzes bei der Anwendung am Menschen einschließlich des Strahlenschutzes bei Personal und Begleitpersonen
  • Funktionsweise von Röntgenstrahlern, Detektoren, Filtern und Streustrahlenrastern, MRT und Sonographie
  • Strahlenbiologische Effekte auf Gewebe und Organe
  • Reduktionsmöglichkeiten der medizinisch indizierten Strahlenexposition
  • Vorgaben der gesetzlichen und untergesetzlichen Regelungen im Strahlenschutz einschließlich Qualitätssicherung, z. B. Aufzeichnungs- und Archivierungspflichten
  • Teleradiologie
  • Radiologische Screeningverfahren
  • Messung und Bewertung der Strahlenexposition

Kontrastmittel

  • Indikationsgemäße Auswahl, Dosierung und Pharmakokinetik von Kontrastmitteln, insbesondere unter Berücksichtigung von Patienten mit erhöhtem Risiko, z. B. Nephrotoxizität, Schilddrüsenkomplikationen, nephrogene systemische Fibrose
  • Erstmaßnahmen bei kontrastmittelassoziierten Komplikationen, z. B. anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen

Gerätetechnik

  • Gerätebezogene Qualitätssicherungsmaßnahmen einschließlich Konstanzprüfungen
  • Grundlagen der Datenakquisition, Bild- und Datenverarbeitung und -nachbearbeitung sowie deren Archivierung
  • Physikalische Grundlagen und praktische Anwendung bildgebender Verfahren, insbesondere Radiographie, Fluoroskopie, CT, MRT, funktionelle MRT, MR-Spektroskopie, Sonographie und Hybridmethoden

Radiologie in der Notfallsituation

  • Radiologische Untersuchungen einschließlich Interventionen bei Patienten mit akut lebensbedrohlichen Zuständen, z. B. bei Polytrauma, Schlaganfall, Intensivpatienten

Kommunikation

  • Aufklärung von Patienten und/oder Angehörigen über Nutzen und Risiko bildgebender und bildgestützter interventioneller/endovaskulärer Verfahren
  • Radiologische Befunderstellung, Beurteilung und Kommunikation des Untersuchungsergebnisses

Bildgebung mit ionisierender Strahlung einschließlich Computertomographie und Digitaler Volumentomographie

  • Prinzipien und Bedeutung der Akquisitionsparameter für Bildqualität und Dosis bei Radiographie, Fluoroskopie, CT und Digitaler Volumentomographie (DVT), deren korrekte Wahl und Einfluss auf mögliche Bildartefakte
  • Indikationen und Technik der Arthrographie und Myelographie
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von Untersuchungen aller Körperregionen mit Röntgenstrahlung einschließlich CT, digitaler Subtraktionsangiographie (DSA) und Fluoroskopie (davon mindestens 4.000 CT und 4.000 konventionelles Röntgen), davon
  1. ZNS und Skelett (Richtzahl: 4.000)
  2. Thorax, Thoraxorgane, Hals (Richtzahl: 4.000)
  3. Abdomen, Becken, Retroperitoneum (Richtzahl: 3.000)
  4. Gefäße (Richtzahl: 500), davon katheterbasiert (DSA) prätherapeutisch oder diagnostisch (Richtzahl: 100)
  • Untersuchungstechnik der angiographischen Verfahren der Arterien und Venen aller Körperregionen
  • Erstellung und Anwendung von CT-Untersuchungsprotokollen für alle Körperregionen und CT-Verfahren einschließlich geeigneter Kontrastmittel
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von Osteodensitometrien

Magnetresonanztomographie

  • Prinzipien von Magnetfeldstärke, Gradientenstärke, Hochfrequenz, Orts- und Zeitauflösung
  • Gerätebezogene Sicherheitsvorschriften in Bezug auf Personal und Patienten
  • Typische Artefakte in der MRT und ihre Ursachen
  • Grundlagen der Gefäßdarstellung und funktioneller MRT-Techniken
  • Indikation für PET/MRT im Kontext multimodaler Bildgebung
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von MRT-Untersuchungen aller Körperregionen, z. B. ZNS, Nerven, muskuloskelettales System, Weichteile, Thorax, Herz, Abdomen, Becken, Gefäße, fetale MRT, MRT-Interventionen (Richtzahl: 3.000)
  • Erstellung und Anwendung von MRT-Untersuchungsprotokollen für alle Körperregionen und alle MR-Verfahren einschließlich geeigneter Kontrastmittel

Sonographie

  • Physikalische Prinzipien der Sonographie einschließlich B-Bildgebung, Doppler- und Farbduplexsonographie und Frequenzanalyse
  • Ultraschallsonden und typische Artefakte
  • Indikationen für die Anwendungen von Ultraschallkontrastmitteln
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von sonographischen Untersuchungen aller Organe und Organsysteme einschließlich Doppler-/ Duplexsonographie von Arterien und Venen (Richtzahl: 800)

Interventionelle Radiologie

  • Grundlagen ablativer und gewebestabilisierender Verfahren
  • Bewertung und Vergleich bildgestützter interventioneller/endovaskulärer Verfahren für therapeutische Fragestellungen
  • Grundlagen der interventionellen/endovaskulären Onkologie
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von interventionellen/endovaskulären, minimal-invasiven radiologischen Verfahren einschließlich vaskulärer Interventionen, Punktionen von Organen, Geweben und Körperhöhlen sowie der perkutanen Therapie bei Schmerzzuständen und bei Tumoren (Richtzahl insgesamt: 300), davon
  1. vaskuläre Interventionen, z. B. rekanalisierende Verfahren, perkutane Einbringung von Implantaten oder gefäßverschließende Verfahren (Richtzahl: 60)
  2. nicht-vaskuläre Interventionen, z. B. Punktionen und Biopsien zur Gewinnung von Gewebe, Drainagen oder therapeutischer Applikation von Medikamenten und Substanzen, perkutane bildgesteuerte Schmerztherapie, interventionelle/endovaskuläre onkologische Verfahren und gewebestabilisierende Verfahren (Richtzahl: 50)
  • Analgesierungs- und Sedierungsmaßnahmen
  • Medikamentöse Begleittherapie und Nachsorge

Bildgebung an der Mamma

    • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von allen bildgebenden und bildgestützten interventionellen/endovaskulären Verfahren an der Mamma (Richtzahl: 1.500)

    Nuklearmedizinische Verfahren

    • Prinzipien nuklearmedizinischer Untersuchungsverfahren
    • Interdisziplinäre Indikationsstellung für Hybridverfahren wie Positronenemissionstomographie (PET)-CT, Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT)-CT und MR-PET

    Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.