USA: Lohnt sich selektive Zuwanderung?

Ein Artikel, in welchem ausländische Ärzte in den USA als überdurchschnittlich angepriesen wurden, machte mich neugierig und ich begab mich auf die Suche nach Fakten.

Arzt in Amerika

Ein Viertel aller in den USA tätigen Ärzte sind im Ausland geboren und dort medizinisch ausgebildet worden. | Pixabay

Immerhin sind knapp 23 Prozent der insgesamt 897.783 (im Jahr 2016, laut der Amerikanischen Ärzteorganisation AMA) in den USA tätigen Ärzte im Ausland geboren und medizinisch ausgebildet worden.

Allgemein spricht man von einer Zuwanderung von überdurchschnittlichen Fachkräften in die USA, gerade eben auch von Ärzten. Sowohl die Visums- als auch die fachlichen Hürden sind sehr hoch, und alle ausländische Ärzte müssen nicht nur die amerikanischen Staatsexamina im Vorfeld (drei Stück) absolvieren und vierstellige Gebühren an Prüfungs-, Reise- und Anerkennungskosten bezahlen, sondern zusätzlich eine fach­ärzt­liche Weiterbildung in voller Länge absolvieren.

Das siebt viele potenzielle Interes­sierte aus, und von den Zigtausenden an auslän­dischen Interessierten blieben im Jahr 2016 12.790 Bewerber übrig, von denen nur 51,9 Prozent bei einem US-Weiterbildungsprogramm angenommen wurden. Wenn der amerikanische Facharzt dann nach drei bis sieben Jahren erreicht ist, müssen noch Visumshürden überwunden werden und zehn bis fünfzehn Jahre nach Beginn des Prozesses ist aus dem ausländi­schen Arztbewerber dann ein Arzt geworden, der ohne Einschränkunen innerhalb der USA leben und praktizieren darf.

Mit anderen Worten scheinen durch all diese Hürden vor allem die härter Arbeitenden und fachlich Überdurchschnittlichen selektiert zu werden. Hier nun die spannende Frage: Gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen amerikanischen und nicht-amerika­nischen Ärzten bei der Behandlungsqualität und kann man diese messen?

Vorneweg die Antwort: Ja, die ausländischen Ärzte scheinen besser zu sein. So zeigte eine restrospektive Studie aus dem Bundesstaat Pennsylvania (aus dem Zeitraum 2003 bis 2006) anhand von knapp einer Viertelmillion hospitalisierter Patienten und 6.113 untersuchten Ärzten, dass von Ausländern betreute Patienten eine um knapp 15 Prozent niedrigere, also bessere, Mortalität besitzen (Quelle: Norcini JJ et al.: Evaluating the quality of care provided by graduates of international medical schools. (Health Aff (Millwood) 2010; 29 (8): 1461–1468)).

Natürlich gibt es inhärente Probleme in einer retrospektiven Studie, aber Kollegen und ich fühlen uns bestätigt in unserer Alltagserfahrung von überdurchschnittlich kompe­tent wirkenden nicht-amerikanischen Ärzten. Der amerikanische Auslese­prozess scheint also zu funktionieren, und ausländische Ärzte bereichern das US-Gesundheitssystem, das ist ein erstes Fazit.

Weiterhin erklärte mir ein Kollege, dass genau das das Ziel der Zuwanderung sein solle: Bereicherung für beide Seiten. Er findet gut, dass man diese gemessen habe, und dass keine Ausländer in das Land gelassen werden sollten, wenn sie die USA nicht besser machen. Zusätzlich diskutierte ich mit Kollegen die Frage, wie der Zuwanderungsprozess in anderen westlichen Ländern gesteuert wird (Europa? Deutschland?) und wo dann die weniger guten Ärzte bleiben, wenn die über­durchschnittlichen in die USA kommen.

Alle Blog-Beiträge von Dr. Peter Niemann "Vom Arztdasein in Amerika" können hier nachgelesen werden.

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