Überblick: Weiterbildung Pathologie

Wie viel Klischee und wie viel Wahrheit steckt in dem Bild von Pathologen, das man aus dem Fernsehen kennt? In unserer Überblicksreihe geht es dieses Mal um das Gebiet der Pathologie und die Weiterbildungsmodalitäten in dieser Fachrichtung.

Mikroskop

Das Mikroskopieren gehört zu den Hauptaufgaben eines Pathologen. | CC0PublicDomain

Der Pathologe steht den ganzen Arbeitstag im steril weiß gefliesten Kellerraum und seziert eine Leiche nach der anderen. Das Opfer hat möglicherweise einen gewaltsamen Tod gefunden und nun muss der Fachmann beurteilen, wie es dazu kam. So schnell hätte man das Berufsbild des Pathologen abschließend beschrieben, würde man gängigen Klischees aus Filmen und Serien glauben. Tatsächlich sieht es natürlich anders aus.

Alleine schon beim Begriff gibt es Klärungsbedarf: Um Gewaltverbrechen und potenziell unnatürliche Todesfälle kümmern sich Rechtsmediziner oder Forensiker, Pathologen unterstützen ihre Kollegen viel häufiger mit der Gewebediagnostik lebender Menschen. Der Pathologe bewegt sich in seinem Alltag also eher selten in kriminalistischen Sphären. Er untersucht Gewebeproben (Biopsien), zum Beispiel unter dem Mikroskop, um krankhafte Veränderungen, verschiedene Tumorenarten etc. zu identifizieren, und somit dem Absender der Probe – dem Arzt des „Probenspenders" – zur korrekten Diagnose zu verhelfen und die anstehenden Therapieschritte zu wählen. Das kann durchaus auch während einer OP notwendig sein, dann ist Handlungsschnelligkeit gefragt. Die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pathologe und Kollegen anderer Facharztgruppen ist in diesem Arbeitsumfeld extrem wichtig.

Die Gewebeproben, die auf dem Tisch bzw. unter dem Mikroskop des Pathologen landen, decken jedes Patientenalter und alle Regionen des Körpers ab. Die Ausbildung ist daher sehr breit gefächert. Ein sehr spannender und noch nicht sehr alter Zweig der Pathologie ist die Molekularpathologie. Das menschliche Genom gilt seit 2003 als entschlüsselt, es enthält 20.000 bis 30.000 Gene. Gerade in der Onkologie spielt die möglichst exakte Erforschung von erkrankten Zellen eine wichtige Rolle, um die Therapie individuell auf den jeweiligen Patienten zuschneiden zu können („personalisierte Medizin"). Weitere Informationen zu dieser Facharztrichtung findet man auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Pathologie.

Fakten zur Weiterbildung

Dauer der Weiterbildung

  • 24 Monate Basisweiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte

Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • spezielle pathologische Anatomie der verschiedenen Körperregionen
  • Obduktionstätigkeit einschließlich histologischer Untersuchungen und epikritischer Auswertungen
  • makroskopische Beurteilung und Entnahme morphologischen Materials für die histologische und zytologische Untersuchung einschließlich der Methoden oder technischen Bearbeitung und Färbung
  • Aufbereitung und Befundung histologischer und zytologischer Präparate Präparate einschließlich bioptischer Schnellschnittuntersuchungen
  • spezielle Methoden der morphologischen Diagnostik einschließlich der Immunhistochemie, der Morphometrie, der Molekularpathologie, z.B. Nukleinsäure- und Proteinuntersuchungen und die Zytogenetik
  • Asservierung von Untersuchungsgut für ergänzende Untersuchungen
  • fotografische Dokumentation
  • interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Erkennung von Krankheiten und ihren Ursachen, der Überwachung des Krankheitsverlaufs und die Bewertung therapeutischer Maßnahmen einschließlich der Durchführung von klinisch-pathologischen Konferenzen

Auf die oben aufgeführte Basisausbildung Pathologie können die Weiterbildungen zum Facharzt für Neuropathologie oder zum Facharzt für Pathologie folgen.

Facharzt für Neuropathologie

Dauer der Weiterbildung

  • 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon
  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Pathologie und
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Neuropathologie (davon können bis zu 12 Monate in Neurochirurgie, Neurologie, Neuropädiatrie, Neuroradiologie und/oder Psychiatrie und Psychotherapie angerechnet werden)

Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • Obduktionstätigkeit insbesondere von Gehirnen Rückenmarkspräparaten, Spinalganglien, peripheren Nervenanteilen und Skelettmuskulatur
  • Aufbereitung und diagnostischen Auswertung neurohistologischer, histochemischer, elektronenmikroskopischer, neurozytologischer und molekularbiologischer Präparate
  • molekulare Neuropathologie
  • klinisch-experimentelle oder vergleichende Anatomie und Pathologie des Nervensystems
  • Obduktionen des Zentralnervensystems einschließlich histologischer Untersuchungen, epikritischer
    Auswertungen und Dokumentation
  • histopathologische, insbesondere neurohistologische Untersuchung einschließlich Schnellschnittuntersuchungen
  • Liquorzytologie
  • neuromorphologische Diagnostik mittels z.B. Histochemie, Elektronenmikroskopie, Gewebekultur
  • molekularpathologische Untersuchungen, z.B. DNA- und RNA-Analysen

Facharzt für Pathologie

Dauer der Weiterbildung

  • 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon
  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Pathologie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Pathologie (davon können bis zu 12 Monate in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung angerechnet werden)

Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • Obduktionstätigkeit einschließlich spezieller Präparations- und Nachweismethoden der
    makroskopischen und mikroskopischen Diagnostik
  • Herrichtung von obduzierten Leichen und der Konservierung von Leichen
  • diagnostische Histopathologie aus verschiedenen Gebieten der Medizin
  • diagnostische Zytopathologie
  • gynäkologische Exfoliativ-Zytologie als integraler Bestandteil der Facharztweiterbildung
  • Dermatohistologie als integraler Bestandteil der Facharztweiterbildung
  • Obduktionen einschließlich histologischer Untersuchungen, epikritischer Auswertung und
    Dokumentation
  • histopathologische Untersuchungen an Präparaten aus verschiedenen Gebieten der Medizin
    einschließlich Dermatohistologie sowie Schnellschnittuntersuchungen
  • zytopathologische Untersuchungen an Präparaten aus verschiedenen Gebieten der Medizin
    einschließlich gynäkologischer Exfoliativzytologie
  • molekularpathologische Untersuchungen, z.B. DNA- und RNA-Analysen

Quelle: Musterweiterbildungsordnung 2015 der Bundesärztekammer

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.