Überblick: Weiterbildung Öffentliches Gesundheitswesen

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal unter der Lupe: das Öffentliche Gesundheitswesen.

Das Arbeitsprofil von Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen ist vielseitig. | Eva Katalin Kondor/iStock

Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen arbeiten im Bereich des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitshilfen. Häufig sind sie bei Gesundheitsämtern, in Beratungsstellen sowie im Katastrophen- und Zivilschutz beschäftigt. Manchmal wird von ihnen die Mitarbeit in politischen Gremien erwartet, denn die Mediziner analysieren mögliche Gefahrenquellen für die Bevölkerung. Dabei beraten sie Träger öffentlicher Aufgaben in gesundheitlichen Fragen, machen Vorschläge zur Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen. Sie führen auch Reihenuntersuchungen wie zum Beispiel bei der Einschulung durch.

Neue Schwerpunkte

Als neue Schwerpunkte sind in den vergangenen Jahren Prävention und Gesundheitsförderung hinzugekommen. Etwa Rauchprävention und Ernährungs- und Bewegungsschulung an Schulen oder auch in Wohnvierteln. Zudem können die Mediziner für sozial benachteiligte Menschen mit gesundheitlichen Problemen zum wichtigen Helfer werden. Denn als Angestellte eines öffentlichen Gesundheitsdienstes machen sie unter Umständen zum Beispiel Hausbesuche bei chronisch und psychisch Kranken. Sie beraten sie und vermitteln ihnen notwendige Hilfsangebote. Alles in allem ist der Beruf des Facharztes für Öffentliches Gesundheitswesen vielseitig, abwechslungsreich und anspruchsvoll.

Die Anforderungen an diese Ärzte sind hoch: Sie müssen sich unter anderem gut mit Epidemiologie und Statistik auskennen. Zusätzlich zu ihren medizinischen Aufgaben dokumentieren sie den Verlauf von Behandlungen, erstellen Gutachten und überwachen die Leistungsabrechnung. Ebenso müssen sie in der Lage sein, umweltbedingte gesundheitliche Belastungen zu erkennen. Bei alldem ist selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten gefragt.

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit im Öffentlichen Gesundheitswesen beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon

  • 12 Monate in der stationären Patientenversorgung anderer Gebiete (es können bis zu 12 Monate im Gebiet Pharmakologie und/oder in Arbeitsmedizin, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und/oder Öffentliches Gesundheitswesen angerechnet werden)

Der Inhalt der Weiterbildung
Die Weiterbildung im Öffentlichen Gesundheitswesen sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in folgenden Bereichen vor:

  • der Krankenhaushygiene, insbesondere
  • Erkennung und Analyse nosokomialer Infektionen
  • Erarbeitung von Strategien zur Vermeidung nosokomialer Infektionen
  • Infektionsverhütung, -erkennung und -bekämpfung
  • Überwachung der Reinigung, Desinfektion, Sterilisation, Ver- und Entsorgung
  • Auswertung epidemiologischer Erhebungen
  • der Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen und öffentlichen Einrichtungen
  • Ortsbegehungen und Risikoanalyse und deren Bewertung unter Gesichtspunkten der Hygiene
  • der Mitwirkung bei Planung, Baumaßnahmen und Betrieb von Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • der Erstellung von Hygienekonzepten auch unter Einbeziehung des Wohnumfeldes
  • der Vorbeugung und Epidemiologie von infektiösen und nicht infektiösen Krankheiten einschließlich des individuellen und allgemeinen Seuchenschutzes
  • der Risikobeurteilung der Beeinflussung des Menschen durch Umweltfaktoren und Schadstoffe auch unter Einbeziehung des Wohnumfeldes
  • der klinischen Umweltmedizin einschließlich Biomonitoring
  • der Umweltanalytik und Umwelttoxikologie
  • der Hygiene von Lebensmitteln sowie Gebrauchs- und Bedarfsgegenständen und technischer Systeme
  • dem gesundheitlichen Verbraucherschutz
  • den Grundlagen der Reisemedizin
  • MWBO 2003 – in der Fassung vom 28.06.2013 Seite 69 von 203
  • Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:
  • Analysen von Roh-, Trink-, Mineral-, Brauch-, Bade- und Abwässern, Boden- und Abfallproben einschließlich hygienisch-medizinischer Bewertung
  • Untersuchungen für die Bau- und Siedlungshygiene einschließlich der Lärmbeeinflussung und der Luftqualität
  • Untersuchung von Lebensmitteln einschließlich der Anlagen zur Lebensmittel- und Speiseherstellung. 

Quelle: Musterweiterbildungsordnung 2015 der Bundesärztekammer

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.