Berufsbild Chirurg: Weiterbildung Kinderchirurgie

Wie wird man Kinderchirurg, wie sind die Berufsaussichten und was verdient man? Hier gibt es die wichtigsten Fakten im Überblick.

Teil 4: Kinderchirurgie

Neben der Kinderchirurgie gibt es in der Chirurgie noch sechs andere Weiterbildungen | Foto: Koszivu/Fotolia.com

Die Kinderchirurgie erfasst fast alle Erkrankungen bei Menschen bis zum 16. Lebensjahr. Hierzu gehören zum Beispiel angeborene Fehlbildungen, die chirurgische Behandlung von Frühchen oder operative Eingriffe nach Unfällen. Weil das wachsende Skelett des Kindes eine Reihe von Besonderheiten aufweist, ist in der Weiterbildung zum Kinderchirurgen viel Zeit für die Interpretation von diagnostischen Untersuchungen, wie CT, MRT oder Ultraschall eingeplant. Aber auch die Behandlung von Krankheiten, die einzelnen Körperregionen des Kindes betreffen, sind in der Musterweiterbildungsordnung festgeschrieben, ebenso wie kinderchirurgische Notfälle und die prä- und postoperative Behandlung. 

Verdienst und Jobaussichten

Während die Kinder- und Jugendmedizin populär ist, haben nur wenige Nachwuchsmediziner die Kinderchirurgie auf ihrem Karriere-Zettel. Gerade einmal 664 Kinderchirurgen und Kinderchirurginnen sind in Deutschland tätig, laut der Ärztestatistik der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2018. Die meisten Kinderchirurgen arbeiten in Krankenhäusern, aber es gibt auch rund 100 Kinderchirurgen, die sich niedergelassen haben oder in einer Praxis angestellt sind.
Was den Verdienst angeht, werden stationäre Kinderchirurgen gemäß Tarif bezahlt. Dabei schwankt der Einstiegsgehalt von Assistenzärzten je nach Haus (privat, kirchlich, kommunal) um wenige hundert Euro. Niedergelassene Kinderchirurgen dürften ähnlich viel verdienen wie Allgemeinchirurgen. Diese erwirtschaften einen durchschnittlichen Rein-Ertrag von 213.000 Euro pro Jahr. Allerdings müssen von diesem Geld noch Steuern, Versicherungsbeiträge und Apparate für die Praxis gezahlt werden. Trotzdem verdient ein niedergelassener Chirurg/Kinderchirurg mehr als die meisten seiner Kollegen anderer Fachrichtungen. 

Aber es ist nicht die Gehaltsabrechnung, die Kinderchirurgen für ihr Fachgebiet begeistert. Auch nach Jahren und Jahrzehnten sind es noch immer die großen Kinderaugen, das überwältigende Lächeln der Kinder nach chirurgischen Eingriffen und das Vertrauen der Eltern, das Kinderchirurgen antreibt und sie stolz macht. 

Kinderchirurgie: Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Kinderchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 48 Monate in Kinderchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Finde hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.