Überblick: Weiterbildung Innere Medizin und Gastroenterologie

Wie wird man eigentlich Gastroenterologe? Wie lange dauert die Weiterbildung? Und wie wird sich das Fach in Zukunft entwickeln? Hier gibt es alle Infos.

Die Weiterbildung zum Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie dauert 6 Jahre. | ag-visuell/fotolia

Auf einen Blick: Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Gastroenterologie

Definition: Die Gastroenterologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Sie befasst sich mit Diagnostik, Therapie und Prävention von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie der mit diesem Trakt verbundenen Organe wie Speiseröhre, Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. 

Dauer: Die Facharzt-Weiterbildung in der Inneren Medizin und Gastroenterologie dauert 72 Monate. Davon müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen der Inneren Medizin abgeleistet werden. Jeweils 6 Monate müssen in der Notfallaufnahme und der Intensivmedizin erfolgen.

Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 1.356 Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie. Davon sind 1.302 berufstätig. 309 arbeiten ambulant, 961 stationär in einer Klinik.

Die Geschichte der Gastroenterologie als eigene Fachrichtung beginnt schon im 19. Jahrhundert: 1886 eröffnete eröffnete der Arzt Ismar Boas als erster “Specialarzt für Magen- und Darmkrankheiten” eine Praxis in Berlin; 1913 bildete sich die erste deutsche Fachgesellschaft in diesem Bereich. Seither hat sich viel getan. Heute ist die Gastroenterologie ein modernes internistisches Fachgebiet, in dem häufig interdisziplinär gearbeitet wird: Unter anderem arbeiten Gastroenterologen häufig mit Internisten anderer Fachrichtungen, aber auch mit Chirurgen und Radiologen zusammen. Auch minimalinvasive Diagnostik ist in der Gastroenterologie heute Standard. So kommt beispielsweise häufig die Sonografie zum Einsatz, um die Leber, den Darm oder andere Bauchorgane zu untersuchen. Eine andere Methode, die in der Gastroenterologie häufig genutzt wird, ist die Endoskopie – zum Beispiel bei Magen- und Darmspiegelungen. Auch Polypen und kleine Tumore lassen sich endoskopisch entfernen.

In Deutschland leiden viele Patienten unter Krankheitsbildern, die in den Bereich der Gastroenterologie fallen: So gibt es jährlich mehr als 2 Millionen Fälle von nichtmalignen Erkrankungen der Verdauungsorgane – damit liegen diese Erkrankungen statistisch direkt hinter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Platz 2 der häufigsten gesundheitlichen Beschwerden.

Die Spannbreite der Erkrankungen, mit denen Patienten einen Gastroenterologen aufsuchen, ist dabei groß und reicht von Sodbrennen über Gallensteine bis hin zu Darmkrebs. Aber auch die Diagnose und Behandlung von chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Hepatitis fallen in den Aufgabenbereich der Gastroenterologen. Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt ist die routingemäßige Vorsorge: So sind Fachärzte und Fachärztinnen für Gastroenterologie beispielsweise für die Untersuchungen zur Darmkrebs-Früherkennung zuständig, damit die Behandlung im Ernstfall möglichst zeitig beginnen kann.

Um ein guter Gastroenterologe zu werden, braucht es vor allem gute Kommunikationsfähigkeiten – Fachärzte in diesem Bereich stehen viel im Kontakt zu ihren Patienten, von denen viele chronisch erkrankt sind und ihren Arzt regelmäßig sehen. Außerdem sind aber auch geschickte Hände hilfreich: Denn bei endoskopischen Untersuchungen und Eingriffen ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Dauer der Weiterbildung 

72 Monate im Gebiet Innere Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 36 Monate in Innere Medizin und Gastroenterologie abgeleistet werden (davon müssen 24 Monate in der stationären Patientenversorgung abgeleistet werden)
  • müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte im Gebiet Innere Medizin

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Beratung bezüglich gesundheitsfördernder Lebensführung
  • Schulung bei ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen
  • Begutachtung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung
  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Führung Suchtkranker sowie Suchtprävention
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten einschließlich Organspende

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfall- und intensivmedizinische Maßnahmen im Gebiet Innere Medizin

  • Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z. B. Dyspnoe, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall
  • Diagnostik und Therapie akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere
  1. respiratorische Insuffizienz
  2. Schock
  3. kardiale Insuffizienz
  4. akutes Nierenversagen
  5. sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
  6. Koma und Delir
  7. Sepsis
  8. Intoxikationen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit Funktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsystemen
  • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten einschließlich Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten

Differenzierte Beatmungstechniken

  • Therapie von Stoffwechselentgleisungen
  • Notfallsonographie
  • Notfallbronchoskopie
  • Passagere Schrittmacheranlage
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, insbesondere
  1. zentralvenöse Zugänge
  2. arterielle Gefäßzugänge
  • Endotracheale Intubation

Infektionen im Gebiet Innere Medizin

  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz
  • Vorsorge und Behandlung häufiger Infektionskrankheiten
  • Management bei therapieresistenten Erregern

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder
  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge

Diagnostische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von ultraschallgestützten Punktionen bei Pleuraerguss und Aszites
  • B-Modus-Sonographie der Schilddrüse
  • Elektrokardiogramm
  • Langzeit-Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeitblutdruckmessung
  • CW-, PW-, Duplex-, Farbduplex-Sonographie der Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie der peripheren Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich der Nieren und ableitender Harnwege (Richtzahl: 400)
  • Spirometrische Untersuchung der Lungenfunktion
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen-Thorax-Untersuchungen
  • Differentialdiagnosen atopischer Erkrankungen

Therapeutische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von Entlastungspunktionen und Drainagen bei Pleuraerguss und Aszites
  • Enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik mit Berechnung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie Erstellen eines Ernährungsplans
  • Infusionstherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie

Angiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen

Endokrinologische und diabetologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation endokriner Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Internistische Basisbehandlung von endokrinen Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Behandlung des Diabetes mellitus

Geriatrische Basisbehandlung

  • Spezielle geriatrische Behandlungsmöglichkeiten mit dem Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit
  • Behandlung von Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters einschließlich interdisziplinärer Aspekte bei Multimorbidität

Hämatologische und onkologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien

Kardiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs

Nephrologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenaler Komplikationen
  • Internistische Basisbehandlung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenale Komplikationen

Pneumologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Grundlagen allergologischer Erkrankungen

Rheumatologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation entzündlich-rheumatischer Systemerkrankungen sowie entzündlicher Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Internistische Basisbehandlung von entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen sowie entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.