Innere Medizin: Facharztausbildung Endokrinologie und Diabetologie

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt/zur Fachärztin für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie? Welche Inhalte müssen erlernt werden und welche Krankheitsbilder behandelt man später? Hier gibt es Fakten im Überblick.

Hormontest

Hormontest gehören zum festen Bestandteil der Arbeit in der Endokrinologie. | Jürgen Fälchle/Fotolia

Wer sich für eine Facharztweiterbildung in der Dialektologie und Endokrinologie interessiert, sollte Spaß daran haben, sich mit komplizierten Stoffwechselvorgängen und ihren Interaktionen zu beschäftigen. Prof. Dr. Andreas Fritsche, der den Lehrstuhl für Ernährungsmedizin und Prävention im Bereich Diabetologie des Uniklinikums Tübingen leitet, hält die Diabetologie für eine der schwierigsten Disziplinen in der Inneren Medizin, weil die Zusammenhänge so kompliziert sind. Außerdem müssen Mediziner dieser Fachrichtung gut motivieren können. Denn chronisch kranke Patienten, die an Diabetes leiden, verlässt oft der Mut. 

Diabetologen beschäftigen sich also mit der Prophylaxe, Diagnose, Therapie und Erforschung des Diabetes mellitus. Dabei sind die wichtigsten Grundtypen dieser Erkrankung Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2. Des Weiteren befasst sich die Diabetologie mit dem Schwangerschaftsdiabetes und mit diabetologischen Folgeerkrankungen wie dem diabetischen Fußsyndrom oder der diabetischen Nephropathie. Wie erklärt man einem Diabetes-Patienten in leicht verständlicher Sprache, welche Folgen seine Erkrankung mit sich bringen kann? Der Spiegel-Beststeller-Autor Falk Stirkat hat der Diabetes-Erkrankung ein Kapitel in einem Buch gewidmet.

Das zweite wichtige Fachgebiet dieser Weiterbildung ist die Endokrinologie. Die Zusammenlegung mit dem Fachgebiet der Diabetologie ergibt sich dadurch, dass der Hormonhaushalt bei beiden Fachdisziplinen eine zentrale Rolle spielt. Endokrinologen beschäftigen sich neben der Behandlung von Diabetes-Patienten auch mit Fettstoffwechselstörungen, Funktionsstörungen der Geschlechtsdrüsen, Adipositas und Erkrankungen der Hypophyse. Bei der Endokrinologie dreht sich also alles um Hormone und Störungen im Hormonhaushalt. Wenn Kinder unter Wachstumsschwierigkeiten leiden oder es bei Erwachsenen zu Problemen bei der Fortpflanzung kommt, können hormonproduzierende Organe erkrankt sein. Dann ist das Fachwissen von Endokrinologen gefragt.

Dauer der Weiterbildung

Weiterbildungszeit: 72 Monate im Gebiet Innere Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 36 Monate* in Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie abgeleistet werden
  • müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden.

*Hier müssen 24 Monate der Zeit in der stationären Patientenversorgung abgeleistet werden. 

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte im Gebiet Innere Medizin

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Beratung bezüglich gesundheitsfördernder Lebensführung
  • Schulung bei ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen
  • Begutachtung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung
  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Führung Suchtkranker sowie Suchtprävention
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten einschließlich Organspende

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfall- und intensivmedizinische Maßnahmen im Gebiet Innere Medizin

  • Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z. B. Dyspnoe, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall
  • Diagnostik und Therapie akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere
  1. respiratorische Insuffizienz
  2. Schock
  3. kardiale Insuffizienz
  4. akutes Nierenversagen
  5. sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
  6. Koma und Delir
  7. Sepsis
  8. Intoxikationen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit Funktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsystemen
  • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten einschließlich Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Therapie von Stoffwechselentgleisungen
  • Notfallsonographie
  • Notfallbronchoskopie
  • Passagere Schrittmacheranlage
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, insbesondere
  1. zentralvenöse Zugänge
  2. arterielle Gefäßzugänge
  • Endotracheale Intubation

Infektionen im Gebiet Innere Medizin

  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz
  • Vorsorge und Behandlung häufiger Infektionskrankheiten
  • Management bei therapieresistenten Erregern

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge
  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder

Diagnostische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von ultraschallgestützten Punktionen bei Pleuraerguss und Aszites
  • B-Modus-Sonographie der Schilddrüse
  • Elektrokardiogramm
  • Langzeit-Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeitblutdruckmessung
  • CW-, PW-, Duplex-, Farbduplex-Sonographie der Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie der peripheren Arterien und Venen (Richtzahl: 400)
  • B-Modus-Sonographie des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich der Nieren und ableitender Harnwege
  • Spirometrische Untersuchung der Lungenfunktion
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen-Thorax-Untersuchungen
  • Differentialdiagnosen atopischer Erkrankungen

Therapeutische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von Entlastungspunktionen und Drainagen bei Pleuraerguss und Aszites
  • Enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik mit Berechnung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie Erstellen eines Ernährungsplans
  • Infusionstherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie

Angiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen

Gastroenterologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege
  • Internistische Basisbehandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege

Geriatrische Basisbehandlung

  • Spezielle geriatrische Behandlungsmöglichkeiten mit dem Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit
  • Behandlung von Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters einschließlich interdisziplinärer Aspekte bei Multimorbidität

Hämatologische und onkologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien

Kardiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs

Nephrologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenaler Komplikationen
  • Internistische Basisbehandlung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenale Komplikationen

Pneumologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Grundlagen allergologischer Erkrankungen

Rheumatologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation entzündlich-rheumatischer Systemerkrankungen sowie entzündlicher Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Internistische Basisbehandlung von entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen sowie entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie

Endokrinologie und Diabetologie

  • Prävention, Differentialdiagnose, Therapieoptionen und Rehabilitation von endokrinologischen und Stoffwechselerkrankungen
  • Transition im Kontext angeborener und im Kindesalter erworbener endokrinologischer und Stoffwechselerkrankungen
  • Vorbeugung, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Knochenstoffwechsels, insbesondere Osteoporose, Osteomalazie und metabolische Knochenerkrankungen
  • Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen hormonbildender, orthotop oder heterotop gelegener Drüsen, insbesondere
  1. Schilddrüse
  2. Hypophyse
  3. Nebennieren
  4. Nebenschilddrüse
  5. weibliche und männliche Gonaden
  6. endokrines Pankreas einschließlich Glucosestoffwechsel
  7. Endokrinium des Gastrointestinaltraktes und der Lunge
  • Behandlung von Störungen des Fett- und Energiestoffwechsels
  • Behandlung von endokrinen und neuroendokrinen Tumoren sowie von paraneoplastischen Hormonproduktionsstellen
  • Behandlung endokriner Fertilitätsstörungen
  • Behandlung von Malnutrition einschließlich endokriner Folgeerkrankungen
  • Vorbeugung, Diagnostik und Therapie der Adipositas und ihrer Folgeerkrankungen einschließlich Indikation und Weiterbehandlung nach bariatrischer Chirurgie
  • Endokrine Folgen von Essstörungen
  • Molekulargenetische Diagnostik von benignen und malignen endokrinologischen Erkrankungen
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation molekulargenetischer Untersuchungen
  • Behandlung von endokrinologischen Erkrankungen in der Schwangerschaft
  • Einfluss des Lebensalters auf Endokrinium und Stoffwechsel
  • Vorbeugung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus einschließlich der Komplikationen, diabetes-assoziierter Erkrankungen sowie sekundärer Diabetesformen, davon
  1. Mono- und Kombinationstherapien
  2. Insulintherapie, davon Therapie von Patienten mit Typ 1 Diabetes
  3. Therapie von Patienten mit Typ 2 Diabetes
  4. Therapie von Patienten mit diabetischem Fuß- Syndrom, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit (Richtzahl: 40)
  5. Therapie in der Schwangerschaft (Richtzahl: 40)
  6. Therapie von Patienten mit Insulinpumpe und kontinuierlicher Glucosemessung (Richtzahl: 20)
  • Perioperatives oder periinterventionelles Diabetesmanagement
  • Erstellung von Ernährungsplänen bei Patienten mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes
  • Durchführung strukturierter Schulungskurse für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker mit und ohne Komplikationen, für schwangere Diabetikerinnen sowie Schulungen zur Hypoglykämiewahrnehmung und zu diabetes-assoziierten Erkrankungen (Richtzahl: 50)
  • Mitwirkung bei der interdisziplinären Behandlung bei diabetesassoziierten Folgeerkrankungen
  • Diagnostik und Therapie des endokrin bedingten Hypertonus und dessen Folgen
  • Durchführung strukturierter Schulungen für Patienten mit arterieller Hypertonie
  • Durchführung strukturierter Schulungen für Patienten mit Erkrankungen der Nebenniere, der Hypophyse, mit endokrinen und neuroendokrinen Tumoren
  • B-Modus und Duplex-Sonographie der Schilddrüse (Richtzahl: 150)
  • B-Modus-Sonographie der Gesichts- und Halsweichteile einschließlich Nebenschilddrüsen (Richtzahl: 100)
  • B-Modus-Sonographie der männlichen Urogenitalorgane (Richtzahl: 200)
  • Indikationsstellung und Durchführung der ultraschallgestützten Punktionen der Schilddrüse
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von Osteodensitometrien (Richtzahl: 50)
  • Indikation und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Prinzipien der laborchemischen Präanalytik, Kontrolle von Testbedingungen, Validierung von Laborbefunden und Postanalytik, Plausibilitätskontrolle und Befunderstellung
  • Grundsätze des Labormanagements
  • Durchführung instrumenteller und bioanalytischer Methoden, insbesondere Photometrie, Spektrometrie sowie immunochemische Verfahren, z. B. Immunoassays zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Hormonen, Substraten und Metaboliten, Enzymen, Rezeptoren und Antikörpern
  • Stimulations- und Suppressionstests einschließlich nachfolgender Hormonmessung
  • Mitwirkung bei venösen Stufenkathetern von endokrinen Organen einschließlich Interpretation
  • Interdisziplinäre Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren einschließlich der Nachsorge bei endokrinologischen und diabetologischen Erkrankungen
  • Ernährungsberatung und Diätetik, sozialmedizinische Beratung, Planung und Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen sowie Langzeitbetreuung bei endokrinologischen und diabetologischen Erkrankungen
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung
  • Behandlung endokriner Notfälle
  • Behandlung diabetologischer Notfälle einschließlich ketoazidotisches/hyperosmolares Koma und Hypoglykämie
  • Vor- und Nachsorge von Hormon- und Stoffwechselstörungen bei organtransplantierten Patienten

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quelle: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.