Überblick: Weiterbildung Augenheilkunde

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Augenheilkunde (Ophthalmologie).

Auge

Überblick Augenheilkunde | Deutscher Ärzteverlag, André Meinardus

"Es war wie Magie“ – so beschreiben Patienten nicht selten das Gefühl, das sie nach der Operation einer Katarakt hatten. Plötzlich ist aus einem trüben, diffusen Blick wieder eine klare und deutliche Sicht geworden. Ein wundervolles Gefühl.

So wird man Augenarzt

Die Weiterbildungszeit für die Augenheilkunde beträgt fünf Jahre. In dieser Zeit lernt man anatomische und funktionelle Veränderungen des Sehorgans und seiner Adnexe zu erkennen und zu behandeln sowie die Grundsätze der Prävention und Rehabilitation der ophthalmologischen Optik und plastisch-rekonstruktiven Operationen. Zwei Jahre der Weiterbildung können bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Um sich zu spezialisieren, kann man zudem eine Fachkunde in Laboruntersuchungen in der Augenheilkunde, eine Fachkunde in Laserchirurgie in der Augenheilkunde, eine Fachkunde in okulären Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade und/ oder eine Fachkunde in Augenmuskelchirurgie erwerben. Die zusätzliche Weiterbildungszeit beträgt jeweils etwa ein Jahr.

Wussten Sie schon, ...

  • dass die erste Gewebetransplantation in der Medizingeschichte, die Transplantation der Hornhaut, von Augenärzten vorgenommen wurde?
  • dass in Deutschland 2,5 Millionen Menschen von der altersbedingten Makuladegeneration betroffen sind?
  • dass etwa eine Million Menschen an einem Glaukom erkrankt sind?
  • dass rund sechs Millionen Deutsche mit Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko haben, durch eine diabetische Augenkrankheit eine Sehverschlechterung zu erleiden?
  • dass bis zum Jahr 2030 die Nachfrage nach Leistungen der Augenheilkunde selbst bei einem Bevölkerungsrückgang um 3,5 Prozent um zehn Prozent wachsen wird?

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildung in der Augenheilkunde beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon können bis zu 36 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Die Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung in der Augenheilkunde sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • der Gesundheitsberatung und Früherkennung einschließlich Amblyopie, Glaukom- und Makuladegenerationsvorsorge
  • der Erkennung, konservativen und operativen Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen, Funktionsstörungen, Verletzungen und Komplikationen des Sehorgans, der Sehbahn und der Hirnnerven
  • der Neuroophthalmologie
  • der Erhebung optometrischer Befunde und der Bestimmung und Verordnung von Sehhilfen einschließlich Anpassung von Kontaktlinsen und vergrößernden Sehhilfen sowie Indikationsstellung für refraktivchirurgische Verfahren
  • der Erkennung und Behandlung nicht paretischer und paretischer Stellungs- und Bewegungsstörungen der Augen, der okulären Kopfzwangshaltungen und des Nystagmus
  • der Rehabilitation von Sehbehinderten
  • der Ergo-, Sport- und Verkehrsophthalmologie
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie einschließlich immunologischer und infektiologischer Bezüge

 

Definierte Untersuchungs- und Behandlunsverfahren sind:

  • sonographische Untersuchungstechniken bei ophthalmologischen Erkrankungen und Verletzungen
  • Messung von Refraktionsfehlern
  • ophthalmologische Untersuchungstechniken, z. B. Spaltlampenuntersuchung, Gonioskopie und Ophthalmoskopie, Perimetrie, Bestimmung des Farb- und Lichtsinns, Augeninnendruckmessung, elektrophysiologische Methoden, Fluoreszenzangiographie sowie weitere bildgebende Verfahren am vorderen und hinteren Augenabschnitt
  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • ophthalmologische Eingriffe an Lidern und Tränenwegen, z. B. Korrektur von Entropium und Ektropium, Lidmuskeloperationen, Dehnung und Strikturspaltung der Tränenwege, Bindehaut und Hornhaut, z. B. Fremdkörperentfernung, Wundnaht, einfachen intraokulären Eingriffen, z. B. Parazentese, Iridektomie, Zyklokryo-, Zyklolaserdestruktion, Kryoretinopexie, geraden Augenmuskeln
  • laserchirurgische Eingriffe am Vorderabschnitt des Auges und an der Retina
  • Mitwirkung bei intraokularen Eingriffen, einschließlich Netzhaut- und Glaskörperoperationen, und Augenmuskeloperationen höheren Schwierigkeitsgrades, z. B. Katarakt-, Glaukom-, Amotiooperationen, Vitrektomien, Enukleationen, Keratoplastik, plastisch-rekonstruktive Eingriffe.

 

Quellen:  Deutsches Ärzteblatt (http://www.aerzteblatt.de/studieren/archiv/134178/Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde-Ein-Arzt-fuer-die-Sinne) und Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.