Überblick: Weiterbildung Allgemeinmedizin

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Allgemeinmedizin.

Allgemeinarzt in Praxis

In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Allgemeinmedizin. | Syda Production/Fotolia

Da das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte momentan bei 54 Jahren liegt, werden bis 2025 viele Praxen frei. Die Zeit, sich für die Weiterbildung Allgemeinmedizin zu entscheiden, ist also günstig. Auch bei der Niederlassungsform tut sich Einiges: Die traditionelle Einzelpraxis ist längst nicht mehr die einzige Option für Ärzte. Egal ob Anstellung, Praxisgemeinschaft oder Gemeinschaftspraxis – wer die buchhalterischen Aspekte der Praxisführung komplett ausblenden oder zumindest auf mehrere Schultern verteilen möchte, hat verschiedene Alternativen.

Formular

Schon seit mehr als zehn Jahren können Ärzte in Weiterbildung in der Allgemeinmedizin finanziell gefördert werden. Dennoch wird der Fördertopf nicht geleert. Der Grund: die zuständigen Weiterbilder versäumen die Beantragung.

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Ein weiterer Vorteil im Vergleich zur Anstellung an der Klinik: Flexible Einteilung der Arbeits- und Ferienzeiten mit den Kollegen, kein Schichtdienst und somit eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aufgrund des prognostizierten Ärztemangels werden Weiterbildungen in der Allgemeinmedizin durch viele Programme gefördert. Vor allem für Ärzte auf dem Land gibt es attraktive Optionen.

Die Allgemeinmedizin umfasst die lebensbegleitende hausärztliche Betreuung von Menschen jeden Alters bei jeder Art der Gesundheitsstörung, unter Berücksichtigung der biologischen, psychischen und sozialen Dimensionen ihrer gesundheitlichen Leiden, Probleme oder Gefährdungen und die medizinische Kompetenz zur Entscheidung über das Hinzuziehen anderer Ärzte und Angehöriger von Fachberufen im Gesundheitswesen. Sie umfasst die patientenzentrierte Integration der medizinischen, psychischen und sozialen Hilfen im Krankheitsfall. Dazu gehören auch die Betreuung von akut oder chronisch Erkrankten, die Vorsorge und Gesundheitsberatung, die Früherkennung von Krankheiten, die Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen, die Zusammenarbeit mit allen Personen und Institutionen, die für die gesundheitliche Betreuung der Patienten Bedeutung haben, die Unterstützung gemeindenaher gesundheitsfördernder Aktivitäten, die Zusammenführung aller medizinisch wichtigen Daten des Patienten.

Catharina Reitz

Catharina Reitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, hat den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. 2015 eröffnete sie ihre eigene Praxis im hessischen Butzbach. Wie es dazu kam und was eine Niederlassung mit sich bringt, verrät sie im Interview.

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Fakten: Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinmedizin beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 36 Monate in der stationären Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin (davon können bis zu 18 Monate in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung [auch 3 Monats-Abschnitte] auch im ambulanten Bereich angerechnet werden)
  • 24 Monate Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung (davon können bis zu 6 Monate in Chirurgie [auch 3 Monats-Abschnitte] angerechnet werden)
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß §4 Abs. 8 in Psychosomatische Grundversorgung

Der Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung Allgemeinmedizin sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

den Inhalten der Basisweiterbildung aus dem Gebiet Innere Medizin:

  • der Gesundheitsberatung, der Früherkennung von Gesundheitsstörungen einschließlich Gewalt- und Suchtprävention, der Prävention, der Einleitung und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen sowie der Nachsorge
  • der Erkennung und Behandlung von nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieser Erkrankungen im höheren Lebensalter
  • den Grundlagen der Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen im Alter einschließlich der Pharmakotherapie im Alter
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen einschließlich der Krisenintervention sowie der Grundzüge der Beratung und Führung Suchtkranker
  • Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen
  • ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen einschließlich diätetischer Behandlung sowie Beratung und Schulung
  • Durchführung und Dokumentation von Diabetikerbehandlungen
  • den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen
  • den Grundlagen der Arzneimitteltherapie
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit
  • der intensivmedizinischen Basisvorsorgung

den weiteren Inhalten:

  • der primären Diagnostik, Beratung und Behandlung bei allen auftretenden Gesundheitsstörungen und Erkrankungen im unausgelesenen Patientengut
  • der Integration medizinischer, psychischer und sozialer Belange im Krankheitsfall
  • der Langzeit- und familienmedizinischen Betreuung
  • Erkennung und koordinierte Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter
  • interdisziplinärer Koordination einschließlich der Einbeziehung weiterer ärztlicher, pflegerischer und sozialer Hilfen in Behandlungs- und Betreuungskonzepte, insbesondere bei multimorbiden Patienten
  • der Behandlung von Patienten in ihrem familiären Umfeld und häuslichen Milieu, in Pflegeeinrichtungen sowie in ihrem weiteren sozialen Umfeld einschließlich der Hausbesuchstätigkeit
  • gesundheitsfördernden Maßnahmen, z. B. auch im Rahmen gemeindenaher Projekte
  • Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen
  • der Erkennung von Suchtkrankheiten und Einleitung von spezifischen Maßnahmen
  • der Erkennung, Beurteilung und Behandlung der Auswirkungen von Umwelt und Milieu bedingten Schäden einschließlich Arbeitsplatzeinflüssen
  • der Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates unter besonderer Berücksichtigung funktioneller Störungen
  • den für die hausärztliche Versorgung erforderlichen Techniken der Wundversorgung und der Wundbehandlung, der Inzision, Extraktion, Exstirpation und Probeexzision auch unter Anwendung der Lokal- und peripheren Leitungsanästhesie

vor.

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeit-EKG
  • Langzeitblutdruckmessung
  • spirometrische Untersuchungen der Lungenfunktion
  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich Urogenitalorgane
  • Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse
  • Doppler-Sonographien der Extremitäten versorgenden und der extrakraniellen Hirn versorgenden Gefäße
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherpaie, enterale und parenterale Ernährung
  • Proktoskopie

 Quelle: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.