Überblick: Weiterbildung Laboratoriumsmedizin

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Laboratoriumsmedizin.

Labormedizin

Überblick: Weiterbildung Laboratoriumsmedizin | Foto: Totojang1977/Fotolia.com

Das Gebiet Laboratoriumsmedizin umfasst die Beratung und Unterstützung der in der Vorsorge und Krankenbehandlung Tätigen bei der Vorbeugung, Erkennung und Risikoabschätzung von Krankheiten und ihren Ursachen, bei der Überwachung des Krankheitsverlaufs sowie bei der Prognoseabschätzung und Bewertung therapeutischer Maßnahmen durch die Anwendung morphologischer, chemischer, physikalischer, immunologischer, biochemischer, immunchemischer, molekularbiologischer und mikrobiologischer Untersuchungsverfahren von Körpersäften, ihrer morphologischen Bestandteile sowie Ausscheidungs- und Sekretionsprodukten, einschließlich der dazu erforderlichen Funktionsprüfungen sowie der Erstellung des daraus resultierenden ärztlichen Befundes.

Proben erstellen und bewerten

Die Hauptaufgabe von Laboratoriumsmedizinern ist es, auffällige Werte zu erkennen und medizinisch einzuordnen. Aus diesen Ergebnissen leitet sich dann für die Patienten die bestmögliche spezifische Therapie ab. Neben den medizinischen Aspekten ist auch die Kenntnis und Überwachung der technischen Geräte ein wichtiger Aspekt – mögliche Fehlerquellen müssen erkannt werden. Die Kommunikation mit den direkten Kollegen, aber auch mit den behandelnden Ärzten nimmt einen hohen Stellenwert ein. Es handelt sich also in der täglichen Praxis auch um ein interdisziplinäres Arbeitsgebiet. Auch innerhalb der Labormedizin arbeiten etliche Ärzte mit unterschiedlichen Schwerpunkten eng zusammen, z.B. aus den Bereichen Mikrobiologie, Rheumatologie, Humangenetik, Endokrinologie und Transfusionsmedizin.

In einem Labor eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) gibt es einige deutliche Unterschiede zum Alltag im Krankenhaus. Dort hat jeder Mitarbeiter meist seinen eigenen Arbeitsplatz, bei Fragen und Problemen kann man sich direkt an die anderen Ärzte wenden. Mit den direkten Kollegen steht nicht nur einer, sondern gleich mehrere fachkundige Betreuer und Weiterbildungsberechtigte zur Seite.

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Laboratoriumsmedizin beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder Kinder- und Jugendmedizin
  • 6 Monate in einem mikrobiologischen Labor
  • 6 Monate in einem infektionsserologischen Labor
  • 6 Monate in einem immunhämatologischen Labor
  • bis zu 12 Monate können in Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie angerechnet werden
  • bis zu 6 Monate können in Transfusionsmedizin angerechnet werden

Die Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung Laboratoriumsmedizin sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • den Grundsätzen eines Labor- und Qualitätsmanagements einschließlich der Beachtung und Minimierung von Einflussgrößen, Störfaktoren und der Standardisierung der Untersuchungsverfahren
  • der Auswahl, Anwendung, Beurteilung und Befundung morophologischer, physikalischer, klinisch-chemischer, biochemischer, immunchemischer und mikrobiologischer Untersuchungsverfahren von Körpersäften einschließlich molekulargenetischer Analytik zur Erkennung und Verlaufskontrolle physiologischer Eigenschaften und krankhafter Zustände sowie Prognoseabschätzung und Bewertung therapeutischer Maßnahmen einschließlich technischer und medizinischer Validierung
  • der Gewinnung und Eingangsbeurteilung des Untersuchungsmaterials
  • der Probenvorbereitung
  • immunologischen Routineverfahren und der Blutgruppenserologie
  • Grundlagen der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik einschließlich Drug-Monitoring

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Mikroskopier- und Färbeverfahren
  • Bestimmung und Bewertung von Enzymen und Substraten, Plasmaproteinen und Tumormarkern, Spurenelementen, toxischen Substanzen und Vitaminen, harnpflichtigen morphologischen Bestandteilen und Substanzen, Entzündungsparametern, Entzündungsmediatoren, Antigenen, Antikörpern und Autoantikörpern sowie Parameitern der Infektionsserologie
  • Bestimmung und Bewertung von Parametern des Fett-, Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsels, des Hormon- und Knochenstoffwechsels, des Wasser-, Elektrolyt- und Mineralhaushalts, des Säure-Basen-Haushaltes sowie des Liquors, Urins und Punktats
  • Bestimmung und Bewertung von Parametern der hämatologischen, immunhämatologischen, immunologischen und hämostaseologischen Analytik
  • bakteriologische und virologische Untersuchung einschließlich Keimdifferenzierung und Resistenztestung, z. B. aus Blut, Sputum, Eiter, Urin, Gewebe, Abstrichen
  • Drug-Monitoring, Drogenscreening
  • molekulargenetische Analytik
  • Radioimmunoassay

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013 und Laboratoriumsmedizin: Vom Weg auf der "Automatenstraße" Medizin Studieren 1/2015, Foto: AlexRaths/istockphoto

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.