Traumberuf Arzt! Was Ärzte in der Weiterbildung wissen sollten

Orthopädie, Allgemeinmedizin oder Chirurgie? Forschung, Klinik oder eigene Praxis? Welcher Berufsweg der richtige für einen ist, darüber sprach Dr. Pedram Emami, Vorstand der Ärztekammer Hamburg und Oberarzt für Neurochirurgie am UKE, beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg.

Wie stellt man die Weichen für eine fachärztliche Weiterbildung, die wirklich zu einem passt? Das war das Thema von Dr. Pedram Emami auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg. | Stefanie Hanke

Was wollen junge Ärzte? Wenn es um die Wahl einer Facharzt-Richtung geht, stehen vor allem die Fächer Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Pädiatrie und Chirurgie hoch im Kurs, erklärte Emami zu Beginn seines Vortrags. Knapp 19 Prozent können sich vorstellen, in die Forschung zu gehen. Die Arbeit in einer Klinik oder in einer Praxis seien bei der Frage nach der Beliebtheit ungefähr gleichauf – dagegen sei eine hausärztliche Niederlassung auf dem Land eher unbeliebt. Und: Die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, werde immer wichtiger.

Gesamtzahl der Ärzte steigt

Insgesamt gibt es laut der aktuellen Ärztestatistik der Bundesärztekammer derzeit mehr als 385.000 berufstätige Ärzte in Deutschland. Davon arbeiten knapp 200.000 stationär und 154.000 ambulant – darunter knapp 120.000 als niedergelassene Praxisinhaber und 36.000 als angestellte Ärzte. Es gebe im Vergleich zu früher eine Verlagerung ins Stationäre, erklärte Emami die Zahlen – auch die Arbeit als angestellter Arzt in einer Praxis werde zunehmend beliebter. Bei der Wahl der Weiterbildung müsse man sich aber klar machen, dass nicht alle Möglichkeiten für alle Fachrichtungen in Frage kommen.

Als Arzt sei man in der Weiterbildung voll berufstätig. "Die fachärztliche Weiterbildung ist keine Ausbildung", erklärte Emami dem Publikum, "Das hat auch Auswirkungen auf die Verantwortung den Patienten gegenüber".

Studentin

Es ist eine Entscheidung, die einen das gesamte Leben lang begleitet: In welchem medizinischen Fachgebiet möchte man arbeiten? Hier einige Fragen, die man sich im Entscheidungsprozess stellen kann.

weiterlesen

Wer bin ich? Was will ich? Wie erreiche ich mein Ziel? Und wen kann ich um Rat fragen? Auch wenn diese Fragen fast etwas philosophisch anmuten, gehe bei der Wahl der passenden Facharzt-Richtung kein Weg daran vorbei, sich mit sich selbst und seinen eigenen Wünschen zu beschäftigen, mahnte Emami. Am Anfang stehe die Selbstdiagnose: Welche Fachrichtung spricht mich an? Möchte ich stationär oder ambulant arbeiten? Kommt auch eine Tätigkeit im Labor in Frage? Strebe ich eine akademische Karriere an oder nicht? Interessieren mich Forschung und Lehre oder nicht? Sehe ich mich als künftige Führungsperson oder nicht? Neben den Fragen, die das eigentliche Berufsbild betreffen, dürfe man aber auch das Drumherum nicht vergessen: So seien Fragen nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance, flexiblen Arbeitszeiten, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur körperlichen und psychischen Belastbarkeit ebenfalls wichtig, wenn es um die Wahl einer passenden Facharztrichtung gehe. "Die Arbeit in einer Notaufnahme ist zum Beispiel sehr fordernd – das ist nicht für jeden das Richtige", verdeutlichte Emami.

Promovieren oder nicht?

Auch eine wichtige Frage: Will ich promovieren oder nicht? Und wann mache ich das? Wer eine Führungsposition oder eine akademische Laufbahn anstrebe, komme ohne Doktortitel nicht weit, erklärte Emami. Hier lege das Thema der Promotion den Grundstein für zukünftige akademische Projekte. Allerdings müsse man sich bewusst machen, dass eine Promotion neben einem Vollzeitjob wie der fachärztlichen Weiterbildung extrem anstrengend sei.

In seinem Vortrag ging Emami auch noch auf die Frage nach dem richtigen Vertrag für die Facharzt-Weiterbildung ein. Je nach Bundesland seien verschiedene Modelle üblich. Gut sei es, zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Der Folgevertrag sollte dann bestenfalls die Zeit bis zur Facharztreife abdecken. Und ganz wichtig: Schon beim Vertragsschluss sollte geklärt werden, ob der Chefarzt auch wirklich eine Weiterbildungsbefugnis habe, mahnte Emami. Denn es komme vor, dass ein Weiterbildungsassistent fünf Jahre arbeite und sich dann zur Prüfung melde – und erst dann falle auf, dass die Weiterbildungsbefugnis seines Vorgesetzten abgelaufen sei. "Dann haben Sie ein Problem – im schlimmsten Fall haben sie fünf Jahre gearbeitet und können die Prüfung trotzdem nicht ablegen", so lautete das Schreckensszenario des Kammervertreters.

Sein Fazit für den gelungenen Start in die Facharzt-Weiterbildung: Gut informieren, sich selbst kennen und die Entscheidung möglichst früh treffen – auch gute Mentoren seien extrem wichtig. Und: Wenn man seine ursprüngliche Entscheidung nochmal hinterfrage und ändere, sei das nicht immer schlimm, solange es dem Erkenntnisgewinn diene. Wer Lücken und Umwege im Lebenslauf erklären könne, müsse in der Regel nicht mit Nachteilen im Bewerbungsverfahren rechnen.

Operation Karriere Hamburg, 15.06.2018. „Traumberuf Arzt! Was Ärzte in der Weiterbildung wissen sollten", Dr. Pedram Emami, Oberarzt Neurochirurgie UKE, Vorstand Ärztekammer Hamburg, Hamburg

Medizinstudium bestanden: Checkliste für den Berufsstart als Assistenzarzt

Die Approbationsurkunde beantragt man beim zuständigen Landesprüfungsamt (LPA). Neben dem Antragsformular benötigt man vom Einwohnermeldeamt ein polizeiliches Führungszeugnis, eine beglaubigte Kopie des Personalausweises und der Geburtsurkunde, eine formlose Erklärung, dass kein Strafverfahren gegen einen in Gang ist und einen tabellarischer Lebenslauf. Außerdem muss eine gesundheitliche Eignungsuntersuchung vom Hausarzt vorgenommen werden.

Hier bestehen grundsätzlich unterschiedliche Anmeldeformalitäten, am besten man informiert sich über den Onlineauftritt der jeweiligen LÄK. Dort findet man die Anmeldeformulare und Informationen zu den Beitragssätzen, die für einen Assistenzarzt im ersten Jahr bei 150 bis 250 Euro im Jahr liegen. 

Den Arztausweis erhalten nur Mitglieder der Landesärztekammer, daher ist eine vorher abgeschlossene Mitgliedschaft dringend Voraussetzung. Mit dem Arztausweis weist man sich als approbierter Arzt aus und es können verschreibungspflichtige Medikamente erworben werden. Der Arztausweis wird ebenfalls von der LÄK ausgestellt und es ist nur ein Passfoto erforderlich.

Der Beitritt in die LÄK ist außerdem auch die Eintrittskarte in die gesetzliche Rentenkasse für Ärzte. Als eine ärztliche Beschäftigung ausübender Mediziner muss man sich nämlich bei der deutschen Rentenversorung ab und beim Versorgungswerk (VW) anmelden.

Nicht verpflichtend, aber unbedingt empfehlenswert ist eine Berufshaftpflichtversicherung. Denn laut BGB § 823 heißt es: „Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“ Nur im Krankenhaus ist man über den Arbeitgeber versichert. Eine private Berufshaftpflichtversicherung, die auch außerhalb der Klinik gilt, ist daher sinnvoll.