PJ-Blog: Meine übliche PJ-Arbeit

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 52: "Meine übliche PJ-Arbeit".

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

heute war ich in der Notaufnahme und sollte gleich wieder weg auf Station (da wären so viele Blutabnahmen heute und es wäre ja ganz toll, wenn ich da erst mal helfen könnte, danach kann ich ja wieder zurück auf die Notaufnahme). Ja, ja, die übliche PJ-Arbeit.

Diesmal bin ich aber auf der Station für gesetzlich versicherte Patienten und nehme, wie gesagt, Blut ab. Die Stationsärztin (die übrigens seit zwei Jahren dort arbeitet) ist schon von ihren 13 Patienten überfordert (mit den ganzen Arztbriefen und Hausarzttelefonaten sicherlich!). Aber vielleicht liegt es auch an der Kunst Blut abzunehmen. Ich mache das für alle 13 Patienten innerhalb von 90 Minuten. Und klar, ist es eine Erleichterung, jemanden dafür zu haben. Aber ich denke, dass ich hier ärztlich etwas lernen sollte und nicht etwas, was ich schon kann. Aber naja, das kenne ich vom Klinikum Holzhausen nicht anders.

Einen Lichtblick gab es dann heute aber doch noch. Eine Patientin kam aus Russland und ich konnte nach langer Zeit endlich wieder ein bisschen Vokabeln lernen bzw. versuchen, mich mit ihr zu unterhalten. Sie hat zwei Söhne und war hier, weil sie einen kleinen Schlaganfall in der Arteria cerebri anterior hatte (wegen der A. communicans anterior war ihr Hirngewebe anscheinend noch ausreichend durchblutet).

Und dann kam auch schon ihr Transport zurück in ihr Altenheim (wenn ich das immer höre, macht mich das schon ein bisschen traurig, dass sie so gut und liebevoll über ihre Söhne redet, sie aber dennoch im Heim lebt). Auf der halben Strecke Richtung Heim ruft der Transportfahrer aber die Stationsärztin an und sagt, dass die Patientin nicht mehr zurück möchte. Der Transportfahrer will sie aber auch nicht festschnallen. Deshalb fährt er jetzt wieder zurück zum Krankenhaus und legt auf. Mal sehen, ob sie wieder neu aufgenommen wird…

Fräulein Licht studiert Medizin in Münster und schreibt an dieser Stelle über ihr PJ. Alle Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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