PJ-Blog: Meine Überraschungen in der Notaufnahme

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 50: "Meine Überraschungen in der Notaufnahme".

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

so, meine schlechte Laune vom Wochenende ist heute vorbei, also frisch ans Werk und auf zu neuen unglaublichen Taten, Patienten und noch unglaublicheren (ich weiß, dieses Adjektiv kann man eigentlich gar nicht steigern) Arztbriefen. Wie du merkst, habe ich den Assistenzarzt auf der Privatstation jetzt dauerhaft bzw. zumindest für die nächsten vier Wochen gegen unerwartete Fälle in der Notaufnahme getauscht. Heute kam auch schon der erste mit Schwung herein. Er war 22 Jahre alt und meinte, dass er gestern ordentlich Party gemacht hatte (ich frage mich zwar WO man das ausgerechnet in Horloch machen kann, aber naja, es gibt ja immer Wege und vor allem Mittel) und da erst ne C-Bubble genommen hätte und weil das ja nicht so knallt nahm er die Emma hinterher. Als er dann aber nach zwei Stunden so schlimm auf dem Affen war, hatte er sich gedacht, doch durch Hotboxing wieder down zu kommen. Ah, ja, für alle, die sich jetzt auch denken „noch nie gehört“ hier ein kleiner Helfer:

Nachdem ich diese Liste dann heimlich auf meinem Smartphone gelesen hatte und ihn fragte, was er denn für Beschwerden hätte, meinte er nur: „Ja, die Kopfschmerzen wären so voll Bombe momentan“. Nach zwei Stunden und einer Infusionslösung, waren die dann aber auch „ey krass geil weggeätzt“. Noch amüsanter als dieser Patient war dann nur noch der Arztbrief. Die diensthabende Neurologin schrieb in die Empfehlung „Verzicht auf Drogen. Wir empfehlen ebenfalls die regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten“. Naja, mal sehen, ob das hilft.

Aber das war heute nur der erste Streich, der zweite Patient folgte dann auch sogleich. Dieser kam mit Potenzproblemen. Hochmotiviert, wie man als PJler ist, testet man da auch gleich freudestrahlend den Cremasterreflex (den testet man im Studium NIE). Und der hat beidseits funktioniert (was gut für den Patienten war), unangenehm nur, dass der hinzugerufene Oberarzt das doch nochmal bitte vorgeführt bekommen wollte…

Nach diesem turbulenten Vormittag gab es dann noch ein nachmittags PJ-Seminar. Es war ganz okay. Wir haben die Therapie des ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfalls durchgesprochen. 

Mal sehen, welche Überraschungen dann morgen in der Notaufnahme auf mich warten.

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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