Innere Medizin: Ausbildung des Nachwuchses ist das Wichtigste

Das Forum Chances bot dem Nachwuchs auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim die Möglichkeit, mit den erfahrenen Kollegen zu diskutieren, Fragen zu stellen und Kritik an Aus- und Weiterbildung zu üben.

Das Forum Chances auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim hatte die internistische Weiterbildung im Fokus

Am ersten Tag des Internisten-Kongresses der DGIM 2015 eröffnete Präsident Prof. Michael Hallek Chances, welches in diesem Jahr nicht wie zuletzt in Wiesbaden in einem Durchgangsbereich, sondern in einem großen Vortragssaal stattfand. „Den Nachwuchs auszubilden, ist das Wichtigste“, sagte Hallek. Die Ausstellung „Die DGIM in der Zeit des Nationalsozialismus“ wurde nicht zufällig ebenfalls in diesem Saal platziert, man wolle mit wachen Augen in die Zukunft schauen und für eine freie Gesellschaft kämpfen. „In der NS-Zeit haben auch wir kollektiv versagt. Nun geht es um die Gestaltung der Zukunft der Inneren Medizin“, so Hallek.

„Die Mitglieder der DGIM sind zum Großteil Assistenzärzte, und diese müssen einfach stärker eingebunden werden“, sagte Dr. Alexis Müller-Marbach (Foto, 2.v.l.), Sprecher der Jungen Internisten, die zum ersten Mal einen eigenen Tag im Forum Chances organisierten. Das Bündnis Junger Ärzte wolle der jungen Medizin in Deutschland eine Stimme geben. Die für diese Zielgruppe relevanten Themen sind unter anderem die Folgen der Arbeitsverdichtung, Defizite in der ärztlichen Weiterbildung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Forschung und Wissenschaft in Zeiten hoher klinischer Belastung. Müller-Marbachs Empfehlung: „Vernetzen Sie sich mit Kollegen – und vieles wird einfacher!" Man strebe auch eine Vernetzung über die Landesgrenzen Europas hinaus an, zum Beispiel durch Engagement in der European Federation of Internal Medicine (Efim).

Novelle der Ärztlichen Weiterbildungsordnung

Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. med. Annette Güntert (Foto, links), gab ein Update zur Novelle der Ärztlichen Weiterbildungsordnung. Es gebe mehrere Gründe für einen permanenten Änderungsbedarf: Kein Weiterbildungsplan, keine festgelegten Ziele – das müsse geändert werden. Dazu sei auch die Kommunikation zwischen den Beteiligten sehr wichtig. „Wir wollen nicht über Sie sprechen, sondern mit Ihnen“, sagte Güntert. Daher werde für die Zukunft auch ein elektronisches Logbuch geplant, in welchem der in der Weiterbildung befindliche Arzt seine Ausbildung dokumentiert. Die zentralen Ziele, die sich aus der Evaluation der Weiterbildungsordnung ergeben hätten, seien die Entwicklung von strukturierten Weiterbildungsplänen, die Ermöglichung von Verbund-Weiterbildungen bzw. Rotationen, die Entschlackung der Weiterbildungsordnung sowie die Integration familienfreundlicherer Arbeitszeitmodelle. Güntert: „Wir wollen kein Sammelsurium zusammenstellen, sondern einen strukturierten Aufbau der Weiterbildungsinhalte garantieren.“ Dazu gehöre ebenfalls die Optimierung von klinik- bzw. abteilungsinternen Abläufen, das Aufzeigen von Best-Practice-Modellen, die Entwicklung eines Tutorensystems für die Weiterbildung sowie „Train-the-Trainer“-Programme für Weiterbildungsbefugte. „Eine gute Weiterbildung vermittelt die wichtigen Kompetenzen und Freude am Beruf“, resümierte Güntert.

Ein aktuelles Stimmungsbild zum Thema Weiterbildung präsentierte dann Dr. Benjamin Raspe von den Jungen Internisten. Er stellte eine große Umfrage vor, die die Weiterbildung im Alltag aus der Sicht der jungen Weiterbildungsassistenten bewertet – 1.696 Teilnehmer beantworteten verschiedene Fragen zu Theorie und Realität der Weiterbildung. Die Kritikpunkte: Die Weiterbildungsordnung wird nicht ausreichend umgesetzt, es gibt zu wenige Kontrollen. Die Qualität der stattfindenden Evaluationen ließe auch zu wünschen übrig – so halten 70 Prozent die Gespräche mit ihrem Weiterbildungsbefugten für nicht hilfreich. Die Weiterbildungsassistenten beklagen zudem, zu selten die Möglichkeit zu haben, Einfluss auf ihre Weiterbildungsbedingungen zu nehmen.

Weiterbildung in der Klinik oft ausgeklammert

In der anschließenden Podiumsdiskussion gingen die Diskutanten auf verschiedene Aspekte im Detail ein. Müller-Marbach hielt fest, dass die Weiterbildung in der Klinik häufig ausgeklammert werde – „man wird eher als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt.“ Weiterbildungsgesprächen werden von vielen als bürokratische Belastung empfunden. Müller-Marbachs Empfehlung: „Unbedingt selbst Initiative zeigen!“

Die Novelle der Weiterbildungsordnung werde laut Güntert im Jahr 2017 vorgestellt und dann 2018 genehmigt. Das Warten auf die finale, genehmigte Version bezeichnete sie aber als „Deutsches Denken“ – „Man muss sich nicht an Schriftstücke klammern. Wenn bestimmte Aspekte für sinnvoll erachtet und von Weiterbildungsassistent und Weiterbildungsbefugtem unterstützt werden, kann man auch ab sofort mit der Umsetzung beginnen.“

Geht der Facharzt Innere Medizin verloren?

Das Podium diskutierte ebenfalls die Gefahr, dass der Facharzt Innere Medizin zugunsten der Spezialisierung verloren geht. „Die Dinge, die der allgemeine Internist tut, werden nicht ausreichend vergütet“, sagte DGIM-Generalsekretär Prof. Ulrich Fölsch (Foto, rechts). Das Patientengespräch sei ein Beispiel für die inadäquate Bezahlung.

Die Anrechnung von Forschungszeiten auf die Weiterbildung nannte Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein (Foto, 2.v.r.), ein „schwieriges Kapitel“. "Die Gleichwertigkeit zwischen Forschung und Klinik ist inhaltlich schwierig. Was an der forschenden Tätigkeit ist spezifischer internistischer Inhalt?“, fragte Henke. Hier sei eine genaue Abstimmung notwendig.

Fölsch dazu: „Forschungszeit kann kein Ersatz für spezifische Ausbildungspunkte sein. Es ist nur toll, wenn beides parallel klappt. Eine tragbare Vereinbarung wird hier verhandelt.“

Das Programm zum aktuellen DGIM-Kongress finden Sie hier

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