Innere Medizin: Fachrichtung Hämatologie und Onkologie

Unter den Teildisziplinen der Inneren Medizin nimmt die Fachrichtung Hämatologie und Onkologie einen wichtigen Stellenwert ein. Um in diesem Bereich praktizieren zu können, müssen Ärztinnen und Ärzte eine mindestens 72-monatige Ärztliche Weiterbildung absolvieren.

Bluttests

Laboruntersuchungen von Blut und anderen Körperflüssigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil von Screeningtests, die in der Onkologie zum Einsatz kommen. | Gamjai/Fotolia

Definition: Onkologie

Als Onkologie bezeichnet man die Wissenschaft, die sich mit der Entstehung, Entwicklung und Behandlung von Tumorerkrankungen beschäftigt. Als Teildisziplin der Inneren Medizin fallen die Prävention, Diagnostik, konservativen Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen in ihren Aufgabenbereich.

Einen hohen Stellenwert innerhalb der Onkologie nimmt die Krebsprävention ein. Von zentraler Bedeutung ist es hierbei, Risikofaktoren zu erkennen. Kenntnisse um Risikofaktoren werden in zweierlei Weise genutzt:

Wird ein Risikofaktor durch weitere Untersuchungen als ursächlich erkannt, versucht man, diesen Faktor zu reduzieren, zum Beispiel durch Expositionsverhinderung in Bezug auf karzinogene Substanzen oder durch Verhaltensinterventionen wie Gesundheitsaufklärung oder auch Raucherentwöhnung.

Anhand von Risikofaktoren können besonders gefährdete Personengruppen identifiziert und Screening-Untersuchungen zugeführt werden. So soll malignes Zellwachstum frühestmöglich erkannt und behandelt werden. 

Komplementär zu den Präventionsmaßnahmen wird die Forschung über die Krebsentstehung immer weiter vorangetrieben, um so neue Erkenntnisse in der Krebsprävention, Diagnostik und Therapie aber auch der Genese verschiedener Krebsarten zu gewinnen. Eine Leuchtturmfunktion in Deutschland nimmt beide das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ein.

Bei der Anamnese erfragt der Arzt Symptome und Risikofaktoren. Die so gewonnenen Angaben bilden dann die Basis für Screeningtests oder spezifischere Untersuchungen. Hierzu zählen:

Laboruntersuchungen von Körperflüssigkeiten (klinische Chemie)

Zytologie von Abstrichen

Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren

Ergibt oder erhärtet sich ein anfänglicher Verdacht, versucht der behandelnde Onkologe meist, eine definitive Diagnose anhand der histologischen oder zytologischen Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich zu erzielen. Durch weitere Diagnosemethoden wird das Stadium der Erkrankung bestimmt. Wegen der oft schlechten Prognose bösartiger Erkrankungen einerseits und der Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung andererseits ist dieser Schritt besonders wichtig und rechtfertigt explorative Operationen einschließlich Probeexzision.

Therapie

Ziel der Therapien in der Onkologie ist es entweder, auf die Entfernung oder Zerstörung des gesamten Tumorgewebes (kurative Therapie) hinzuwirken, oder, falls dies nicht mehr möglich ist, auf die Verkleinerung des Tumorgewebes. Ziel ist es bei letzterer Therapie, die Lebenszeit der Patienten zu verlängern und tumorbedingte Beschwerden zu reduzieren (Palliation).

Die wichtigsten Therapiemethoden der Onkologie sind:

  • Chirurgische Tumorentfernung
  • Strahlentherapie, in der das Tumorgewebe mit ionisierender Strahlung behandelt wird
  • Chemotherapie mit Zytostatika
  • Medikamentöse Therapie mit relativ neuen Wirkstoffen wie monoklonalen Antikörpern (Krebsimmuntherapie) oder Tyrosinkinase-Inhibitoren.

Für verschiedene Tumore haben sich spezielle Therapieschemata etabliert, die in großen internationalen Untersuchungen laufend optimiert werden (Therapieoptimierungsstudien). Ausgehend vom festgestellten Stadium werden mit dem Patienten möglicheTherapieoptionen erörtert. Hierbei spielen der körperliche Allgemeinzustand und die Begleiterkrankungen eine wesentliche Rolle. Die nach aktuellem Stand der Wissenschaft erfolgversprechende Therapieform wird dem Patienten vorgeschlagen. Möglichkeiten sind die einmalige oder mehrmalige Chemotherapie oder Bestrahlung oder eine Operation zur Entfernung des Tumorgewebes. Verschiedene Chemotherapeutika können kombiniert werden. Die Kombination aller drei Methoden ist ebenfalls möglich.

Bösartige Tumoren stellen insbesondere bei fortgeschrittenen Erkrankungen die heutige Medizin immer noch vor erhebliche Probleme.

Zunehmend sanftere Methoden wurden und werden entwickelt, um den Patienten zu schonen. Dazu gehören unter anderem:

  • HITT, hochfrequenzinduzierte Thermotherapie
  • Psychoonkologie zur Mitbehandlung psychischer Komplikationen onkologischer Erkrankungen
  • Patientenkompetenz zur Stärkung der mentalen und emotionalen Verfassung von Krebspatienten
  • Chronoonkologie zur Verbesserung der Effizienz der Tumorbehandlung bei gleichzeitiger Verringerung unerwünschter Nebenwirkungen

Trotz großer Fortschritte in der Behandlung von bösartigen Tumoren, stellen insbesondere fortgeschrittene Erkrankungen die heutige Medizin immer noch vor erhebliche Herausforderungen.

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