Innere Medizin: Facharztausbildung Endokrinologie und Diabetologie

Als eines von insgesamt neun Teilgebieten des Fachgebietes der Inneren Medizin widmet sich der Fachbereich der Endokrinologie und Diabetologie dem Zusammenspiel der hormonproduzierenden Organe sowie hormonell bedingten Krankheitsbildern.

Hormontest

Hormontest gehören zum festen Bestandteil der Arbeit in der Endokrinologie. | Jürgen Fälchle/Fotolia

Definition: Endokrinologie

Bei der Endokrinologie dreht sich alles um Hormone und Störungen im Hormonhaushalt. Dazu zählen Störungen in Wachstum, Entwicklung, Fortpflanzung sowie Reaktionen auf Stress und Belastung. Endokrinologen befassen sich auch mit Erkrankungen der hormonproduzierenden Organe: Hypophyse, Schilddrüse und Nebenschilddrüse, Nebennieren, Pankreas sowie Geschlechtsorgane. 

Häufig behandelte Krankheitsbilder im Fachbereich Endokrinologie:

  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Funktionsstörungen der Geschlechtsdrüsen
  • Erkrankungen der Hypophyse wie z.B. Adenome, Akromegalie
  • Schilddrüsenerkrankungen: Überfunktion und Unterfunktion, Morbus Addison, Cushing-Syndrom

Definition: Diabetologie

Diabetologie ist die medizinische Fachrichtung, die sich mit der Prophylaxe, Diagnose, Therapie und Erforschung des Diabetes mellitus beschäftigt. Dabei sind die wichtigsten Grundtypen dieser Erkrankung Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2. Des Weiteren befasst sich die Diabetologie mit dem Schwangerschaftsdiabetes. 

Die Zusammenlegung mit dem Fachgebiet der Endokrinologie ist der Tatsache geschuldet, dass es sich bei Insulin um ein Hormon handelt. Da Diabetes mellitus als  Volkskrankheit gilt, spezialisieren sich vermehrt Allgemeinmediziner auf dieses internistische Teilgebiet. Das Aufgabengebiet der Diabetologie umfasst dabei die individuelle Patientenschulung, die Er- bzw. Einstellung eines entsprechenden Medikamenten- bzw. Insulinplans, einen damit verbundenen Diätplan sowie weitere Vorsorgemaßnahmen.

Die Diabetologie beschäftigt sich aber auch mit den diabetologischen Folgeerkrankungen wie:

  • diabetisches Fußsyndrom
  • diabetische Nephropathie
  • hyperglykämischer Schock
  • hypoglykämischer Schock
  • durch Diabetes hervorgerufene Polyneuropathie
  • Diabetische Augenerkrankungen, z.B. die Diabetische Retinopathie bedürfen i. d. R. der Weiterbehandlung durch die Augenheilkunde.

Ärztliche Weiterbildung Endokrinologie und Diabetologie

Ziel der Weiterbildung ist die Erlangung der Facharztkompetenz Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeiten und Weiterbildungsinhalte einschließlich der Inhalte der Basisweiterbildung.

Weiterbildungszeit:

72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1,

davon:

          ● 36 Monate in der stationären Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin

          ● 36 Monate Weiterbildung in Endokrinologie und Diabetologie, davon

                  ● 6 Monate internistische Intensivmedizin, die auch während der Basisweiterbildung abgeleistet
                     werden können

                     – können bis zu 18 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden

Werden im Gebiet Innere Medizin 2 Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens 8 Jahre.

Weiterbildungsinhalt:

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • den Inhalten der Basisweiterbildung
  • der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung endokriner Erkrankungen der hormonbildenden Drüsen
  • des endokrinen Pankreas, insbesondere des Diabetes mellitus gemäß Zusatz-Weiterbildung
  • sämtlicher hormonbildender, orthotop oder heterotop gelegener Drüsen, Tumoren oder paraneoplastischer Hormonproduktionsstellen
  • der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Stoffwechselleiden einschließlich des metabolischen Syndroms
  • Diabetes-assoziierten Erkrankungen wie arterielle Hypertonie, koronare Herzerkrankung, Fettstoffwechselstörung
  • der Behandlung der sekundären Diabetesformen und des Diabetes mellitus in der Gravidität
  • der Früherkennung, Behandlung und Vorbeugung von Diabeteskomplikationen einschließlich des diabetischen Fußsyndroms
  • der Insulinbehandlung einschließlich der Insulinpumpenbehandlung
  • der Ernährungsberatung und Diätetik bei Stoffwechsel- und endokrinen Erkrankungen
  • der Indikationsstellung, Methodik, Durchführung und Einordnung der Laboruntersuchungen von Hormon-, Diabetes- und stoffwechselspezifischen Parametern einschließlich deren Vorstufen, Abbauprodukten sowie Antikörpern
  • der Erkennung und Behandlung andrologischer Krankheitsbilder
  • strukturierten Schulungskursen für Typ 1- und Typ 2-Diabetiker mit und ohne Komplikationen, für schwangere Diabetikerinnen sowie Schulungen zur Hypoglykämiewahrnehmung
  • der Berufswahl- und Familienberatung bei endokrinen Erkrankungen
  • der Indikationsstellung und Bewertung nuklearmedizinischer in-vivo- Untersuchungen endokriner Organe
  • der interdisziplinären Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren
  • der intensivmedizinischen Basisversorgung

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

  • Ultraschalluntersuchungen einschließlich Duplex-Sonographien an endokrinen Organen sowie Feinnadelpunktionen
  • endokrinologische Labordiagnostik
  • Osteodensitometrie
  • Belastungsteste einschließlich Stimulations- und Suppressionsteste

Quelle: MWBO 2003 – in der Fassung vom 28.06.2013

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