Ärztliche Weiterbildung: Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Innerhalb der Ärztlichen Weiterbildung im Fachgebiet Chirurgie nimmt die Facharztausbildung in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie eine Sonderstellung ein. Der Abschluss in der MKG-Chirurgie setzt neben der Approbation zum Arzt auch das zahnärztliche Staatsexamen voraus.

MKG-Chirurgie

Auch ein zahnmedizinisches Studium benötigt man für den Abschluss in der MKG-Chirurgie. | Dan Race/Fotolia

Diese Besonderheit beschränkt sich international vor allem auf Deutschland, Österreich sowie die Schweiz. In anderen Staaten, etwa den USA, Kanada oder auch Australien ist die "oral- and maxillo-facial surgery" ein rein zahnärztliches Fachgebiet. In anderen europäischen Ländern, z.B. in Spanien oder Portugal ist sie ein rein ärztliches Fachgebiet. Ebenfalls eine Besonderheit der MKG-Chirurgie ist die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Nachbardisziplinen, die durch die räumliche Nähe verschiedener Organsysteme (Ohren, Augen und Gehirn) im Kopf-Hals-Bereich zur Therapie der häufig komplexen Verletzungen oder Erkrankungen nötig ist.

Definition: Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie 

Das Fachgebiet der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie umfasst laut Musterprüfungsordnung der Bundesärztekammer „die Vorbeugung, Erkennung, konservative und operative Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen, Frakturen, Tumoren, Fehlbildungen und Formveränderungen des Zahnes, des Zahnhalteapparates, der Alveolarfortsätze, des Gaumens, der Kiefer, der Mundhöhle, der Speicheldrüsen sowie des Gesichtsschädels und der bedeckenden Weichteile einschließlich der chirurgischen Kieferorthopädie, prothetischen Versorgung und Implantologie.“ 

Dauer und Inhalt der Facharztausbildung

Wer später als MKG-Chirurg arbeiten möchte, muss eine mindestens 60 Monate dauernde Ausbildung , bei einem entsprechenden Weiterbildungsbefugten durchlaufen Davon können bis zu:

– 12 Monate im Gebiet Chirurgie und/oder in Anästhesiologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und/oder Neurochirurgie angerechnet werden 

– 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden 

Weiterbildungsziel: 

Ziel der Weiterbildung im Gebiet Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie ist die Erlangung der Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte. 

Weiterbildungsinhalt: 

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in 

  • der Gesundheitsberatung, Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Zahnes, des Zahnhalteapparates, der Alveolarfortsätze einschließlich der Implantologie
  • der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen der Kiefer, Kiefergelenke und des Jochbeins einschließlich der chirurgischen Kieferorthopädie und Korrekturen der Biss- und Kaufunktionen
  • der Erkennung, Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen einschließlich Tumoren des Gaumen, der Lippen, der Zunge, der Mundhöhlenwandungen, der Speicheldrüsen, des Naseneingangs, der Weichteile des Gesichtsschädels einschließlich der gebietsbezogenen Nerven und regionalen Lymphknoten
  • den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Indikationsstellung, Durchführung und Interpretation gebietsbezogener Röntgenuntersuchungen einschließlich Strahlenschutz
  • lasergestützten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren
  • der prothetischen Versorgung
  • den Grundlagen der Indikationsstellung zur operativen und konservativen Behandlung einschließlich der Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung
  • der Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände, die keinen eigenständigen Krankheitswert erlangt haben
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild 

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren: 

  • sonographische Untersuchungen der Gesichts- und Halsweichteile sowie der Nasennebenhöhlen und Doppler-/Duplex-Sonographien der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße
  • Lokal- und Regionalanästhesie
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Tracheotomien
  • operative Eingriffe in der dentoalveolären Chirurgie, z. B. Wurzelspitzenresektionen, parodontalchirurgische Maßnahmen
  • septischen Chirurgie, z. B. Kieferhöhlenoperationen, Speichelsteinentfernungen
  • Chirurgie bei Verletzungen, z. B. operative Versorgung von kombinierten Weichteil- und Knochenverletzungen
  • Fehlbildungschirurgie, z. B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Operationen
  • kieferorthopädischen und Kiefergelenkschirurgie, z. B. Osteotomien bei skelettalen Dysgnathien
  • präprothetischen Chirurgie, z. B. Mundvorhofplastik, enossale Implantationen
  • Tumorchirurgie, z. B. Probeexzisionen, Tumorresektionen
  • Chirurgie an peripheren Gesichtsnerven, z. B. Dekompressionen, Nerven-Verlagerungen, Neurolyse und Wiederherstellung der sensiblen und motorischen Nerven
  • plastischen und Wiederherstellungschirurgie, z. B. Anlegen oder Umschneidung von Fern- und Nahlappen, Überpflanzung von Haut, Knochen und Knorpel
  • sonstige Eingriffe im Zusammenhang mit Mund-Kiefer und Gesichtsoperationen, z. B. mikrochirugische Transplationen einschließlich des Präparierens von Gefäßanschlüssen

Masterstudiengang "Ästhetische Gesichtschirurgie"

2010 führte die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) den Masterstudiengang „Ästhetische Gesichtschirurgie“ ein, um auf dem Gebiet der ästhetischen Operationen im Gesichtsbereich eine strukturierte Weiterbildung anbieten zu können.

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, DGMKG

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