Experte im Gespräch: Der Unternehmensberater Markus Bazan

Wie sieht es aus mit deutschen Ärzten, die ins Ausland gehen wollen? Oder ausländischen Ärzten, die nach Deutschland kommen möchten. Gibt es bei den medizinischen Personal einen regen Austausch oder ist man bei der Anerkennung fremdländischer Abschlüsse noch unflexibel?

Wir sind in Deutschland flexibler geworden, aber die Abschottung ist noch vergleichsweise hoch, wenn man bedenkt wie groß der Fachkräftemangel ist. Wir haben ja zwei Wanderungsbewegungen. Zu uns kommen die Osteuropäer und unsere Ärzte gehen in das nordeuropäische Ausland, nach Norwegen, Schweden oder England. Dann halten die deutschen Ärzte das dort zehn Jahre aus und dann gibt es die Wiederkehrer. Die sagen dann: Es ist mir kulturell zu fremd geblieben oder sie haben kleine Kinder, die doch in Deutschland aufwachsen sollen. Diese wiederkehrenden Ärzte haben dann teilweise Eingliederungsschwierigkeiten, weil sie im Ausland ganz andere Teamarbeit gewohnt sind und hier gibt es immer noch einen Chefarzt, der in der preußischen Hierarchie denkt. Und es gibt keine Fehlertoleranz in dem Sinne, dass man über Fehler reden kann. CIRS* und andere Fehlermeldesysteme werden in der Hierarchie nicht eingeübt. Es ist noch immer schlecht einen Fehler zuzugeben. 

Wie informiert sich ein examinierter Arzt, der noch keinen Facharzttitel hat, über eine mögliche Assistenzarztstelle im In- und Ausland?

Ich glaube vergleichsweise einfach. Er soll für sich selbst klären, bei welchem Professor oder an welcher Fakultät oder an welcher Abteilung, wo er am liebste arbeiten will. Wenn man jung ist und was will, dann muss man zu den besten Lehrern gehen, die man sich denken kann. Egal, ob das in Deutschland ist, in Kanada oder woanders. Man muss immer versuchen zu den Besten hinzukommen. Und ich weiß das aus eigener Erfahrung und ich weiß das von Kollegen, diese Hot Shots sind begeistert, wenn junge Leute zu ihnen kommen und sagen: „Ich will bei Ihnen arbeiten. Weil ich gehört habe, Sie sind auf dem Gebiet einer der Besten!“

Welche medizinischen Fachgebiete sind denn im Moment gefragt? Gibt es bestimmte Facharzttitel, die besonders hoch gehandelt werden?

Man muss, glaube ich, differenzieren zwischen den patientennahen und den maschinengestützten Ärzten, also Radiologen, Pathologen, Mikrologen und so weiter und so fort. Bei patientenfernen Ärzten haben wir gerade ein riesiges Problem bei Pathologen und Labormedizinern. Und bei den patientennahen Fachrichtungen haben wir einen großen Mangel an Allroundern, sowohl im Inneren Bereich als auch in der Chirurgie, weil jeder versucht sich zu spezialisieren. Und in dem Moment, in dem man mit einer bestimmten Spezialisierung in ein anderes Haus kommt, wo man andere Fähigkeiten haben muss, also auch mal einen Notdienst mitmachen muss, der auf der chirurgischen Station ist, dann wird gemerkt, dass riesengroße Defizite da sind. 

Können Sie zum Abschluss unseres Gespräch Arbeitgeber nennen, bei denen die Ärzte in der Regel eher zufrieden sind. Wo gibt es, im Gegenzug, eine hohe Wechselwilligkeit? 

Ich denke, dass es, wenn man wissenschaftlich interessiert ist, immer noch super interessant und auch entspannt ist, in Deutschland an einer Universitätsklinik zu arbeiten. Wenn man wissenschaftlich interessiert ist, dann sollte man dort arbeiten, weil man so auch den Sprung ins Ausland schafft. Super cool ist es für deutsche Ärzte bei Arbeitgebern zu arbeiten, die aus dem professionellen kirchlichen Bereich kommen. Diese Arbeitgeber haben eine Organisationseinheit, die ist nicht zu groß und nicht zu privat renditeorientiert, aber sie ist professionell. Aber auch die kirchlichen Einrichtungen dürfen nicht zu klein sein, 100 Betten sind zu wenig, dann werden sie nicht mehr professionell gemanagt, dann müssen sie als Arzt alles machen. Also diese Arbeitgeber sind spannend, da kann man auch gut was aushandeln. Die städtischen oder die rein privaten, die sind nur dann gut, wenn Sie selber als junger Arzt so sehr Alphatier sind, dass Sie sich durch alle Straßenspeeren durchsetzen können. Bei den privaten müssen Sie auch die Krallen ausfahren. Da haben Sie zwar tolle Möglichkeiten, aber auch nur dann, wenn Sie wirklich exzellent sind.  

*Critical incident reporting system

Herr Bazan, vielen Dank für das Gespräch.